Zwei Mädchen, die mit ihren Linealen Radiergummis in die Luft
schießen. Einige Jungen, verwickelt in einen dramatischen
Papierkrieg. Gespräche, durch den halben Klassenraum geschrien. Ein
weiterer Junge springt auf und rennt durch den Raum. Es herrscht
Chaos, und das mitten im Unterricht. Und an der Tafel der genervte
Lehrer, um Ruhe und Kontrolle ringend.
Bei den meisten Lehrern wird es wohl kaum eine derartige
Katastrophe geben, doch sie wissen bereits, was zu tun ist, um
solches zu verhindern oder schnell zu unterbinden. Aber wie steht
es bei denen, die in einer solchen Umgebung eigentlich lernen
sollen? Die auch lernen sollen, indem sie diesem chaotischen Haufen
etwas beibringen?
News von den Athereportern: Referendare - Schüler unter Lehrern
von Adriana Dinter und Melina Umland


Endlich einmal kommen hier einige Referendare zu Wort, damit auch
die Schüler verstehen, wie es ihnen geht und was sie denken. Wie
verläuft das Referendariat? Fühlen sie sich eher als Lehrer oder
als Schüler?
Wie wir aus unseren Interviews mit den drei Lehramtsanwärtern Herrn
Heydasch, Frau Brunkow und Frau Oestreich erfahren haben, scheint
es zwei grundverschiedene Arten von Referendaren zu geben: Nein,
wir meinen nicht Frühaufsteher und Langschläfer. Auch Hunde- und
Katzenliebhaber sollen sich hier nicht angesprochen fühlen. Wir
meinen die mit Problemen bei Theorie und Problemen bei Praxis.
Zuerst etwas zum Ablauf des Referendariats: Anders als „normale“
Lehrer haben Referendare nur zehn Schulstunden, wovon sie sechs (je
nach Ausbildungsabschnitt 6, 8 o. 4) eigenverantwortlich halten und
in den restlichen vier bei „alten“ Lehrern den Unterricht verfolgen
und diesen auch mit deren Hilfe fortführen. Zudem haben die
Referendare aber auch noch selber „Unterricht“. Jede Woche nehmen
sie an Seminaren teil, davon ist ein Teil pädagogisch und ein Teil
fächerspezifisch. Eine weitere Arbeit, die wahrscheinlich niemand
mag, die zur Beurteilung aber leider nötig ist, ist das Schreiben
eines Unterrichtsentwurfs. In diesem schreibt der Referendar auf,
was er im Unterricht durchnehmen will und wie er sich die einzelnen
Aufgaben und Schülerreaktionen vorstellt. Die Prüfer, bestehend aus
dem Schul-, dem Seminar-, und dem Fachleiter, beurteilen dann, ob
er Entwurf eingehalten werden kann und ob sich der Referendar an
gelernte Konzepte hält. Glücklicherweise ist dieser Entwurf, der
saftige sieben Seiten umfassen muss, nur nötig, wenn größere
Unterrichtsbesuche anstehen. Diese finden vier Mal während der
Ausbildung (1,5 Jahre) statt, und wurden wahrscheinlich von den
meisten Schülern schon einmal mitverfolgt. Dabei haben sie
vielleicht bemerkt, wie nervös einige Referendare sind, wenn sie
bei ihrem Unterricht beobachtet werden. Auch bei den Interviews
kristallisierten sich dabei die oben genannten zwei Typen heraus.
Herr Heydasch beispielsweise sah das Ganze eher gelassen: Die
Prüfer könne man sehr gut ausblenden und die mündlichen Prüfungen
an der Uni seien für ihn schwieriger gewesen. Trotzdem haben auch
die nervöseren Referendare gute Karten, denn die Klasse zeigt
Lichtblicke des menschlichen Verstandes und bemüht sich um
besonders gutes Verhalten vor den Prüfern. Das bestätigten die
angehenden Lehrer im Interview konsequent. Doch nicht nur die
Schüler, sondern auch die „alteingesessenen“ Lehrer verhalten sich
kooperativ. Im Lehrerzimmer herrschen durchgängig Gespräche
zwischen und mit den Lehramtsanwärtern um ihnen Tipps zu geben und
sich auszutauschen.

Die wahrscheinlich beliebteste Methode um den Unterricht
interessanter zu gestalten, sind hierbei wohl die Ausflüge und
Klassenfahrten. Auch dabei sind Referendare oft vertreten und
leiten ihre Schützlinge beim Sammeln von praktischen Erfahrungen
an.
Vor allem durch solche gemeinsamen Erfahrungen fällt es am Anfang
vielen Referendar(innen) schwer, ihre „Vollzeitklassen“ nach zwei
Jahren zu verabschieden und an andere Lehrer abzugeben. Dann sieht
man manchmal sogar kleine Tränchen glitzern, obwohl einige auch die
Abwechslung begrüßen.
Am Ende kann auch die anfängliche Frage beantwortet werden:
Im Grunde fühlen sich die Referendare als Lehrer, was vielleicht an
der großen Akzeptanz im Kollegium liegen mag, auch wenn sie
einsehen, dass sie noch einiges lernen werden.


