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  1. 2013

News von den Athereportern: Referendare - Schüler unter Lehrern

von Adriana Dinter und Melina Umland

Zwei Mädchen, die mit ihren Linealen Radiergummis in die Luft schießen. Einige Jungen, verwickelt in einen dramatischen Papierkrieg. Gespräche, durch den halben Klassenraum geschrien. Ein weiterer Junge springt auf und rennt durch den Raum. Es herrscht Chaos, und das mitten im Unterricht. Und an der Tafel der genervte Lehrer, um Ruhe und Kontrolle ringend.

Bei den meisten Lehrern wird es wohl kaum eine derartige Katastrophe geben, doch sie wissen bereits, was zu tun ist, um solches zu verhindern oder schnell zu unterbinden. Aber wie steht es bei denen, die in einer solchen Umgebung eigentlich lernen sollen? Die auch lernen sollen, indem sie diesem chaotischen Haufen etwas beibringen?

Endlich einmal kommen hier einige Referendare zu Wort, damit auch die Schüler verstehen, wie es ihnen geht und was sie denken. Wie verläuft das Referendariat? Fühlen sie sich eher als Lehrer oder als Schüler?

Wie wir aus unseren Interviews mit den drei Lehramtsanwärtern Herrn Heydasch, Frau Brunkow und Frau Oestreich erfahren haben, scheint es zwei grundverschiedene Arten von Referendaren zu geben: Nein, wir meinen nicht Frühaufsteher und Langschläfer. Auch Hunde- und Katzenliebhaber sollen sich hier nicht angesprochen fühlen. Wir meinen die mit Problemen bei Theorie und Problemen bei Praxis.

Zuerst etwas zum Ablauf des Referendariats: Anders als „normale“ Lehrer haben Referendare nur zehn Schulstunden, wovon sie sechs (je nach Ausbildungsabschnitt 6, 8 o. 4) eigenverantwortlich halten und in den restlichen vier bei „alten“ Lehrern den Unterricht verfolgen und diesen auch mit deren Hilfe fortführen. Zudem haben die Referendare aber auch noch selber „Unterricht“. Jede Woche nehmen sie an Seminaren teil, davon ist ein Teil pädagogisch und ein Teil fächerspezifisch. Eine weitere Arbeit, die wahrscheinlich niemand mag, die zur Beurteilung aber leider nötig ist, ist das Schreiben eines Unterrichtsentwurfs. In diesem schreibt der Referendar auf, was er im Unterricht durchnehmen will und wie er sich die einzelnen Aufgaben und Schülerreaktionen vorstellt. Die Prüfer, bestehend aus dem Schul-, dem Seminar-, und dem Fachleiter, beurteilen dann, ob er Entwurf eingehalten werden kann und ob sich der Referendar an gelernte Konzepte hält. Glücklicherweise ist dieser Entwurf, der saftige sieben Seiten umfassen muss, nur nötig, wenn größere Unterrichtsbesuche anstehen. Diese finden vier Mal während der Ausbildung (1,5 Jahre) statt, und wurden wahrscheinlich von den meisten Schülern schon einmal mitverfolgt. Dabei haben sie vielleicht bemerkt, wie nervös einige Referendare sind, wenn sie bei ihrem Unterricht beobachtet werden. Auch bei den Interviews kristallisierten sich dabei die oben genannten zwei Typen heraus. Herr Heydasch beispielsweise sah das Ganze eher gelassen: Die Prüfer könne man sehr gut ausblenden und die mündlichen Prüfungen an der Uni seien für ihn schwieriger gewesen. Trotzdem haben auch die nervöseren Referendare gute Karten, denn die Klasse zeigt Lichtblicke des menschlichen Verstandes und bemüht sich um besonders gutes Verhalten vor den Prüfern. Das bestätigten die angehenden Lehrer im Interview konsequent. Doch nicht nur die Schüler, sondern auch die „alteingesessenen“ Lehrer verhalten sich kooperativ. Im Lehrerzimmer herrschen durchgängig Gespräche zwischen und mit den Lehramtsanwärtern um ihnen Tipps zu geben und sich auszutauschen.

Die wahrscheinlich beliebteste Methode um den Unterricht interessanter zu gestalten, sind hierbei wohl die Ausflüge und Klassenfahrten. Auch dabei sind Referendare oft vertreten und leiten ihre Schützlinge beim Sammeln von praktischen Erfahrungen an.
Vor allem durch solche gemeinsamen Erfahrungen fällt es am Anfang vielen Referendar(innen) schwer, ihre „Vollzeitklassen“ nach zwei Jahren zu verabschieden und an andere Lehrer abzugeben. Dann sieht man manchmal sogar kleine Tränchen glitzern, obwohl einige auch die Abwechslung begrüßen.
Am Ende kann auch die anfängliche Frage beantwortet werden:
Im Grunde fühlen sich die Referendare als Lehrer, was vielleicht an der großen Akzeptanz im Kollegium liegen mag, auch wenn sie einsehen, dass sie noch einiges lernen werden.

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