Käsebrötchen mit Kostendeckungsprinzip?
Wenn man sich in der Pause einen Schokoriegel oder ein belegtes
Käsebrötchen, die laut Schulsprecher Heiner Stinner übrigens sehr
empfehlenswert sein sollen, kauft, denkt man im ersten Moment nicht
daran, was alles dahinter steckt. Die Brötchen müssen geschmiert
oder belegt werden und die Schokoriegel möglichst billig eingekauft
werden, um damit auch Geld verdienen zu können. Doch was passiert
dann mit dem Gewinn und wie wird dieser aufgeteilt?
Woher kommt das Essen das verkauft wird und wer haftet, wenn mal
etwas nicht mehr so frisch sein sollte und sich jemand eine
Lebensmittelvergiftung einfängt? Um alle diese Fragen zu
beantworten, wurde aus dem Kioskverkauf der 11. Klasse nun eine
Genossenschaft, also ein Unternehmen mit eigener Rechtsform. Das
regelt nun alles „Offizielle“, auch auf Wunsch von Herrn Horn, der
dem Ganzen eine Rechtsgrundlage geben wollten.
So ergriff Frau Trusheim die Initiative und nahm das schon lange
aufgeschobene Projekt in Angriff. Der Kiosk hat nun eine Satzung,
einen Vorstand, Mitglieder, einen Vorsitzenden und es wird
natürlich Buch geführt, um kontrollieren zu können, was mit dem
Gewinn passiert, der in die Kassen fließt.
Die Brötchen kommen jetzt aus der Postkantine und werden auch dort
geschmiert. Wenn mal etwas mit den Brötchen nicht in Ordnung sein
sollte, sind die Gesellschafter des Kiosks dafür nicht
verantwortlich, denn am Athe werden sie nur mit Handschuhen
angefasst. Das ist bei den Schokoriegeln natürlich nicht nötig -
wenn damit etwas nicht stimmen sollte, liegt das Problem bei den
Herstellern und auch da ist die Kioskgenossenschaft im Zweifelsfall
aus dem Schneider.
Aus dem Kiosk-Verkauf der elften Klassen wird eine Schülergenossenschaft
von Julius Kamper


Die neue Rechtsform hat auch andere Vorteile, berichtet Heiner
Stinner im Interview bei den Jugendreportern: Die
Genossenschaftsmitglieder, die im Übrigen einmalig fünf Euro für
den Beitritt bezahlen mussten, konnten ein Konto bei der Volksbank
eröffnen, um so neben der Buchführung eine weitere Kontrolle über
die Finanzen zu haben. Denn wenn es ums Geld geht, funktioniert das
Prinzip des Vertrauens nicht immer, obwohl die Gruppe fast wie eine
Familie ist, wie der Schulsprecher und Vorstandsvorsitzender
betont.
Das Geld, das der Kiosk und seine Pausenschüler/innen
erwirtschaften, kann so auch zum Bespiel für einen Bowlingausflug
ausgegeben werden. Ohne diese Rechtsform würde jedes Entnehmen von
Geld unter Diebstahl fallen. Außerdem hat man so den Überblick über
alle Kontobewegungen und kann im Zweifelsfall nachvollziehen, wo
das Geld gelandet ist.
Sonst arbeitet der Kiosk nach dem „Kostendeckungsprinzip“, also
wird ungefähr so viel eingenommen, wie für den Ankauf der
Lebensmittel ausgegeben wurde. Natürlich müssen die
Genossenschaftler bei diesem Prinzip alles etwas teurer verkaufen,
denn „wir sind ja kein Wohltätigkeitsverein“, sagt Heiner Stinner.
Eine Verschuldung ist, zum Glück, nicht möglich, da alle
angekauften Produkte auch wieder verkauft werden. Erst einmal
mussten sie eine Ladung Milch wegkippen, dieser Verlust musste dann
wieder herein geholt werden.
So hat das ganze einen Sinn und vor allem bietet es neben dem Spaß
des Arbeitens in der Gruppe einen Anreiz, jeden Tag seine zweite
große Pause für den Verkauf zu „opfern“. Wenn man zusammen mit
seinen "Kollegen" von dem erwirtschafteten Geld bowlen geht, merkt
man, dass es sich doch gelohnt hat.
Auf dem Foto sind die stolzen Genossenschaftsgründer mit dem
Schulleiter, den Lehrkräften Scheliga und Trusheim und dem
Vertreter der Volksbank Stade-Cuxhaven, Frederik Dahlke, zu sehen


