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  1. 2013

Aus dem Kiosk-Verkauf der elften Klassen wird eine Schülergenossenschaft

von Julius Kamper

Käsebrötchen mit Kostendeckungsprinzip?

Wenn man sich in der Pause einen Schokoriegel oder ein belegtes Käsebrötchen, die laut Schulsprecher Heiner Stinner übrigens sehr empfehlenswert sein sollen, kauft, denkt man im ersten Moment nicht daran, was alles dahinter steckt. Die Brötchen müssen geschmiert oder belegt werden und die Schokoriegel möglichst billig eingekauft werden, um damit auch Geld verdienen zu können. Doch was passiert dann mit dem Gewinn und wie wird dieser aufgeteilt?

Woher kommt das Essen das verkauft wird und wer haftet, wenn mal etwas nicht mehr so frisch sein sollte und sich jemand eine Lebensmittelvergiftung einfängt? Um alle diese Fragen zu beantworten, wurde aus dem Kioskverkauf der 11. Klasse nun eine Genossenschaft, also ein Unternehmen mit eigener Rechtsform. Das regelt nun alles „Offizielle“, auch auf Wunsch von Herrn Horn, der dem Ganzen eine Rechtsgrundlage geben wollten.

So ergriff Frau Trusheim die Initiative und nahm das schon lange aufgeschobene Projekt in Angriff. Der Kiosk hat nun eine Satzung, einen Vorstand, Mitglieder, einen Vorsitzenden und es wird natürlich Buch geführt, um kontrollieren zu können, was mit dem Gewinn passiert, der in die Kassen fließt.

Die Brötchen kommen jetzt aus der Postkantine und werden auch dort geschmiert. Wenn mal etwas mit den Brötchen nicht in Ordnung sein sollte, sind die Gesellschafter des Kiosks dafür nicht verantwortlich, denn am Athe werden sie nur mit Handschuhen angefasst. Das ist bei den Schokoriegeln natürlich nicht nötig - wenn damit etwas nicht stimmen sollte, liegt das Problem bei den Herstellern und auch da ist die Kioskgenossenschaft im Zweifelsfall aus dem Schneider.

Die neue Rechtsform hat auch andere Vorteile, berichtet Heiner Stinner im Interview bei den Jugendreportern: Die Genossenschaftsmitglieder, die im Übrigen einmalig fünf Euro für den Beitritt bezahlen mussten, konnten ein Konto bei der Volksbank eröffnen, um so neben der Buchführung eine weitere Kontrolle über die Finanzen zu haben. Denn wenn es ums Geld geht, funktioniert das Prinzip des Vertrauens nicht immer, obwohl die Gruppe fast wie eine Familie ist, wie der Schulsprecher und Vorstandsvorsitzender betont.

Das Geld, das der Kiosk und seine Pausenschüler/innen erwirtschaften, kann so auch zum Bespiel für einen Bowlingausflug ausgegeben werden. Ohne diese Rechtsform würde jedes Entnehmen von Geld unter Diebstahl fallen. Außerdem hat man so den Überblick über alle Kontobewegungen und kann im Zweifelsfall nachvollziehen, wo das Geld gelandet ist.

Sonst arbeitet der Kiosk nach dem „Kostendeckungsprinzip“, also wird ungefähr so viel eingenommen, wie für den Ankauf der Lebensmittel ausgegeben wurde. Natürlich müssen die Genossenschaftler bei diesem Prinzip alles etwas teurer verkaufen, denn „wir sind ja kein Wohltätigkeitsverein“, sagt Heiner Stinner. Eine Verschuldung ist, zum Glück, nicht möglich, da alle angekauften Produkte auch wieder verkauft werden. Erst einmal mussten sie eine Ladung Milch wegkippen, dieser Verlust musste dann wieder herein geholt werden.

So hat das ganze einen Sinn und vor allem bietet es neben dem Spaß des Arbeitens in der Gruppe einen Anreiz, jeden Tag seine zweite große Pause für den Verkauf zu „opfern“. Wenn man zusammen mit seinen "Kollegen" von dem erwirtschafteten Geld bowlen geht, merkt man, dass es sich doch gelohnt hat.

Auf dem Foto sind die stolzen Genossenschaftsgründer mit dem Schulleiter, den Lehrkräften Scheliga und Trusheim und dem Vertreter der Volksbank Stade-Cuxhaven, Frederik Dahlke, zu sehen

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