Bei Werbung denken viele zuerst an Werbeblöcke, die die
Lieblingsserie im Fernsehen unterbrechen oder Anzeigen, die in
Zeitungen ganze Seiten füllen.
Eine nervige Angelegenheit, bei der man schnell weiterschaltet
beziehungsweise umblättert. Sehr zum Ärger der Firmen, die diese
Anzeigen für viel Geld geschaltet haben, denn die Wirkung von nicht
gesehenen Anzeigen ist logischerweise gleich null. Und an diesem
Punkt tritt Prof. Dr. Matthias Sande in Erscheinung. Dieses
sogenannte „Zapping“, also das Vermeiden von Werbung, seiwirklich
ein Problem, erklärt der gebürtige Lüneburger, aber es sei nun
Aufgabe der werbenden Firmen und der Werbeindustrie, andere,
effektivere Werbung zu nutzen, um ihre Produkte an den Mann oder
die Frau zu bringen. Sponsoring von Sport- oder
Kulturveranstaltungen, Eventmarketing oder Online-Werbung, es gibt
eine breite Palette an Möglichkeiten zu werben, ohne dem
potentiellen Kunden auf die Nerven zu gehen und ihn so zum unter
Werbern gefürchteten „Zapping“ zu zwingen.
Wenn Matthias Sander an seine Schulzeit hier am Athe zurückdenkt,
fallen ihm als Erstes die Lateinstunden ein, die mit einem bei den
Schülern besonders gefürchteten Ritual begannen: Vokabelabfrage.
Man musste die genauen Formen, die
der Lehrer vorgab, übersetzen, am besten ohne Fehler. Andernfalls
musste man aufstehen und kam in der nächsten Runde noch einmal
dran. Dies führte oft zu einem großen stehenden Anteil in der
Klasse. Wer auch die zweite Vokabel nicht wusste, der musste sich
auf den Stuhl stellen und bekam die Chance zu beweisen, dass er
doch die Vokabeln gelernt hatte. War die Form dennoch falsch,
musste man sich auf den Tisch stellen und bekam seine letzte
Möglichkeit zu verhindern, eine
Fünf eingetragen zu bekommen. Lernformen, die nach heutigen
Maßstäben nicht mehr denkbar wären. Doch Matthias Sander hat auch
angenehmere Erinnerungen an seine Schulzeit. So war sein
Lieblingsfach Geografie, wir würden Erdkunde sagen, was
auch an unserem jetzigen Schulleiter Herrn Horn lag, der dieses
Fach damals unterrichtete. Einen Plan, was er später einmal
beruflich machen würde, hatte er während seiner Schulzeit noch
nicht, zumal das Wort Marketing so noch gar nicht gebräuchlich war.
Erst im Studium in Volkswirtschaftslehre an der Uni Kiel kam
er das erste Mal mit diesem Thema in Kontakt, von dem er so
fasziniert war, dass er gleich auch noch seinen Doktor machte.
Danach plante er eigentlich in die Wirtschaft zu gehen, doch der
Zufall und ein Angebot des Professors zu habilitieren hielten ihn
in der Wissenschaft. Diese einmalige Gelegenheit ließ er sich nicht
entgehen, und er hat es bis heute nicht bereut. „Es war eine
absolut richtige Entscheidung“, sagt der Professor heute.
Die Werbung entwickelt sich wie fast alles ständig weiter. So waren
bis vor kurzem Anzeigen in der Zeitung und Werbeblöcke im Fernsehen
die effektivsten Methoden, auf sein Produkt aufmerksam zu machen.
Doch das „Zapping“ und der
Rückgang an verkauften Zeitungen zwang die Werbefachmänner wie
Professor Matthias Sander zum Weiterentwickeln der Methoden. Der
Kunde dürfe der Werbung, wenn diese effektiv sein solle, nicht
entgehen können, erklärt er. Ein typisches
Beispiel dafür ist die Bandenwerbung, die bei Fußballspielen oder
anderen Sportveranstaltung eingesetzt wird. Dieser Form des Werbens
kann man nicht entgehen, es sei denn, man sieht sich das Spiel
nicht an. Genauso ist es mit dem Sponsoring, sowohl die Sponsoren
als auch die Gesponserten profitieren davon.
Und nicht zuletzt sichert die Werbung direkt oder auch indirekt
viele Arbeitsplätze, und zwar nicht nur den von Matthias Sander,
sondern auch den von James Bond. Wenn der Geheimagent im Namen
seiner Majestät Aston Martin fährt, auf sein Sony Smartphone schaut
oder Martini, selbstverständlich geschüttelt und nicht gerührt,
trinkt, dann legt er nicht nur Bösewichten das Handwerk, sondern
finanziert den Film gleich mit. Denn es gibt kaum einen besseren
Werbeplatz als 007 höchtspersönlich. An der Entdeckung und
Entwicklung solcher effektiver Werbeformen war auch Matthias Sander
mit seiner Arbeit nicht ganz unbeteiligt.
Ohne ihn und das sogenannte „Product Placement“ wäre auch der beste
Agent der Welt aufgeschmissen.
Was James Bond mit Matthias Sander verbindet
Über die „Zukunft der Werbung – Herausforderungen und Probleme“
referierte Prof.Dr. Matthias Sander von der Universität Konstanz.
Von Julius Kamper



