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  1. 2013

Der Geschichts-LK in Krakau

Montagmorgen um 6:00 begann sie: Unsere knapp 1000km lange Reise, die uns über Hamburg, Berlin und Wroclaw (zu Deutsch: Breslau) nach Krakau führte. Doch klingt dies viel leichter, als es eigentlich war: Knappe Umsteigezeiten, veränderte Fahrpläne und Verspätungen (und einer an einem polnischen Provinzbahnhof urplötzlich verschwundenen Lok) haben uns mehrmals fast eine mehrstündige Verzögerung beschert. Irgendwie – und bis heute wissen wir nicht genau wie – haben wir es aber dann doch geschafft, gemäß unserer ursprünglichen Planung nach 14,5 Stunden Zugfahrt gegen 20:30 am Krakauer Hauptbahnhof einzutreffen. Nachdem wir unsere Zimmer im Hotel Alexander II. bezogen hatten, konnten wir uns das erste Mal in Krakau umsehen. Da es bereits recht dunkel war und aufgrund mangelnder Ortskenntnis war dies eine kleine Herausforderung. Für eine erste kleine Freude sorgte der für uns unverschämt gute Wechselkurs.
Den Dienstag begannen wir mit einer Stadtführung, die uns zu den wichtigsten historischen Gebäuden Krakaus führte; darunter einige sehr prunkvoll ausgeführte Kirchen (in denen quasi alles außer atmen verboten war), der Wawel (polnische Königsburg) mit seiner Königsgruft und die älteste Universität Krakaus. Das nicht enden wollende Wissen unserer Stadtführerin Silvia rundete unseren Überblick über Krakau ab. Die Stadt wirkte auf uns dank ihrer Präsentation historisch interessant und vielseitig. Hinterher bekamen wir auf eigene Faust die Möglichkeit, die Stadt nochmal bei Licht in Augenschein zu nehmen und die Orientierung war plötzlich auch viel leichter. Nachmittags besichtigten wir das historische Judenviertel Kasimierz, wo wir auch ein koscheres Restaurant besuchten.

Mittwoch stand ganz im Zeichen unseres Besuchs in Auschwitz, genauer gesagt im Arbeitslager Auschwitz I und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau (Auschwitz II). Ebenfalls zur Besichtigung vor Ort war der Geschichts-LK vom VLG, den wir dort nicht das letzte Mal getroffen haben.
Auschwitz ist ein den Besucher sehr fordernder Ort, besonders die Gaskammern bzw. Krematorien sind nur schwer zu ertragen. Die sehr umfangreiche Ausstellung war – so wie das gesamte Gelände – sowohl beeindruckend als auch gleichzeitig bedrückend. Es bleibt unvorstellbar, welche Menschheitsverbrechen an genau der Stelle geschehen sind, wo wir selbst an diesem Tag standen. Das Fazit dieses Tages war: Auschwitz ist ein Ort, den man auf jeden Fall gesehen haben sollte, gerade als Deutscher aufgrund unserer historischen Verantwortung. Ein Besuch hilft, die Vergangenheit besser nachvollziehen zu können, auch wenn die damaligen Ereignisse (wahrscheinlich zum Glück) unvorstellbar und unfassbar bleiben.
Donnerstag stand ein Kontrastprogramm an. Bei schönstem Wetter machten wir eine etwa zweistündige Floßfahrt durch das Pieniny-Gebirge an der polnisch-slowakischen Grenze (Ich hatte dort slowakisches Handynetz, das heißt technisch gesehen waren wir auch noch in der Slowakei.). Es ist ein sehr kleines Gebirge, nur etwa 30km lang. Nichtsdestotrotz ist es landschaftlich sehr beeindruckend. Das einzige Nervige an diesem Tag war die Anreise, die eigentlich komplett aus einem einzigen Stau bestand.
Freitag besuchten wir das Salzbergwerk Wieliczka, ein gigantisches unterirdisches System mit überraschend großen und schön verzierten Räumen, zum Beispiel einer Kapelle, einem Festsaal, einem Restaurant, einem Café, und ja, es gab sogar WLAN!
Unsere Führerin ging als die legendäre Magda-277 in die Annalen der Kursfahrt ein. In ihrer Vortragsweise war sie in etwa so spannend wie ein russischer Brückenpanzer. Sie klärte uns beispielsweise über den Unterschied zwischen Salz und Salz auf. Dennoch war Wieliczka ein sehr sehenswerter Ort. Hinterher besuchten wir den Krakauer Stadtteil Nowa Huta, der zu Zeiten des Sozialismus als „sozialistische Musterstadt“ gebaut wurde. Herr Gäb lieferte uns einige Informationen über diesen Ort, jedoch blieb die Realität etwas hinter den Erwartungen zurück; es wirkte eher wie ein relativ „normales“ Wohnviertel auf uns. Abends rundete ein gemeinsamer Besuch in einer Cocktailbar die Kursfahrt ab. Einige gingen darauf zügig zum Hotel, um ihre Koffer zu packen… ich könnte schwören, dass es so war. Samstag ging es um 6:00 zurück Richtung Heimat und irgendwie waren alle ziemlich müde, sodass der Großteil der Rückfahrt aus schlafen bestand – und Herr Gäb brachte mir noch Skat bei. Wozu so eine Zugfahrt nicht alles gut ist.

Mein Fazit lautet: Krakau ist eine sehr interessante, vor allem aber eine junge Stadt: Über 200.000 Studenten bei 750.000 Einwohnern sind ein beeindruckend hoher Anteil. Besonders im regen Nachtleben wird dies deutlich. Des Weiteren konnten wir die ganze Woche super Wetter genießen. Jeder Programmpunkt hatte seinen eigenen Charme und auch die Freizeit konnte gut zugebracht werden. Das Hotel war eine sehr angenehme Unterkunft.
Insgesamt war es eine Woche, die uns allen in sehr guter Erinnerung bleiben wird und ich denke, ich spreche auch für den Rest des Kurses, wenn ich sage, dass ich in dieser Besetzung jederzeit wieder wegfahren würde.

Bericht: Tristan Blaak
Fotos: Katharina Henze, Christian Hollmichel, Tristan Blaak

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