Montagmorgen um 6:00 begann sie: Unsere knapp 1000km lange Reise,
die uns über Hamburg, Berlin und Wroclaw (zu Deutsch: Breslau) nach
Krakau führte. Doch klingt dies viel leichter, als es eigentlich
war: Knappe Umsteigezeiten, veränderte Fahrpläne und Verspätungen
(und einer an einem polnischen Provinzbahnhof urplötzlich
verschwundenen Lok) haben uns mehrmals fast eine mehrstündige
Verzögerung beschert. Irgendwie – und bis heute wissen wir nicht
genau wie – haben wir es aber dann doch geschafft, gemäß unserer
ursprünglichen Planung nach 14,5 Stunden Zugfahrt gegen 20:30 am
Krakauer Hauptbahnhof einzutreffen. Nachdem wir unsere Zimmer im
Hotel Alexander II. bezogen hatten, konnten wir uns das erste Mal
in Krakau umsehen. Da es bereits recht dunkel war und aufgrund
mangelnder Ortskenntnis war dies eine kleine Herausforderung. Für
eine erste kleine Freude sorgte der für uns unverschämt gute
Wechselkurs.
Den Dienstag begannen wir mit einer Stadtführung, die uns zu den
wichtigsten historischen Gebäuden Krakaus führte; darunter einige
sehr prunkvoll ausgeführte Kirchen (in denen quasi alles außer
atmen verboten war), der Wawel (polnische Königsburg) mit seiner
Königsgruft und die älteste Universität Krakaus. Das nicht enden
wollende Wissen unserer Stadtführerin Silvia rundete unseren
Überblick über Krakau ab. Die Stadt wirkte auf uns dank ihrer
Präsentation historisch interessant und vielseitig. Hinterher
bekamen wir auf eigene Faust die Möglichkeit, die Stadt nochmal bei
Licht in Augenschein zu nehmen und die Orientierung war plötzlich
auch viel leichter. Nachmittags besichtigten wir das historische
Judenviertel Kasimierz, wo wir auch ein koscheres Restaurant
besuchten.
Der Geschichts-LK in Krakau


Mittwoch stand ganz im Zeichen unseres Besuchs in Auschwitz,
genauer gesagt im Arbeitslager Auschwitz I und Vernichtungslager
Auschwitz-Birkenau (Auschwitz II). Ebenfalls zur Besichtigung vor
Ort war der Geschichts-LK vom VLG, den wir dort nicht das letzte
Mal getroffen haben.
Auschwitz ist ein den Besucher sehr fordernder Ort, besonders die
Gaskammern bzw. Krematorien sind nur schwer zu ertragen. Die sehr
umfangreiche Ausstellung war – so wie das gesamte Gelände – sowohl
beeindruckend als auch gleichzeitig bedrückend. Es bleibt
unvorstellbar, welche Menschheitsverbrechen an genau der Stelle
geschehen sind, wo wir selbst an diesem Tag standen. Das Fazit
dieses Tages war: Auschwitz ist ein Ort, den man auf jeden Fall
gesehen haben sollte, gerade als Deutscher aufgrund unserer
historischen Verantwortung. Ein Besuch hilft, die Vergangenheit
besser nachvollziehen zu können, auch wenn die damaligen Ereignisse
(wahrscheinlich zum Glück) unvorstellbar und unfassbar bleiben.
Donnerstag stand ein Kontrastprogramm an. Bei schönstem Wetter
machten wir eine etwa zweistündige Floßfahrt durch das
Pieniny-Gebirge an der polnisch-slowakischen Grenze (Ich hatte dort
slowakisches Handynetz, das heißt technisch gesehen waren wir auch
noch in der Slowakei.). Es ist ein sehr kleines Gebirge, nur etwa
30km lang. Nichtsdestotrotz ist es landschaftlich sehr
beeindruckend. Das einzige Nervige an diesem Tag war die Anreise,
die eigentlich komplett aus einem einzigen Stau bestand.
Freitag besuchten wir das Salzbergwerk Wieliczka, ein gigantisches
unterirdisches System mit überraschend großen und schön verzierten
Räumen, zum Beispiel einer Kapelle, einem Festsaal, einem
Restaurant, einem Café, und ja, es gab sogar WLAN!
Unsere Führerin ging als die legendäre Magda-277 in die Annalen der
Kursfahrt ein. In ihrer Vortragsweise war sie in etwa so spannend
wie ein russischer Brückenpanzer. Sie klärte uns beispielsweise
über den Unterschied zwischen Salz und Salz auf. Dennoch war
Wieliczka ein sehr sehenswerter Ort. Hinterher besuchten wir den
Krakauer Stadtteil Nowa Huta, der zu Zeiten des Sozialismus als
„sozialistische Musterstadt“ gebaut wurde. Herr Gäb lieferte uns
einige Informationen über diesen Ort, jedoch blieb die Realität
etwas hinter den Erwartungen zurück; es wirkte eher wie ein relativ
„normales“ Wohnviertel auf uns. Abends rundete ein gemeinsamer
Besuch in einer Cocktailbar die Kursfahrt ab. Einige gingen darauf
zügig zum Hotel, um ihre Koffer zu packen… ich könnte schwören,
dass es so war. Samstag ging es um 6:00 zurück Richtung Heimat und
irgendwie waren alle ziemlich müde, sodass der Großteil der
Rückfahrt aus schlafen bestand – und Herr Gäb brachte mir noch Skat
bei. Wozu so eine Zugfahrt nicht alles gut ist.

Mein Fazit lautet: Krakau ist eine sehr interessante, vor allem
aber eine junge Stadt: Über 200.000 Studenten bei 750.000
Einwohnern sind ein beeindruckend hoher Anteil. Besonders im regen
Nachtleben wird dies deutlich. Des Weiteren konnten wir die ganze
Woche super Wetter genießen. Jeder Programmpunkt hatte seinen
eigenen Charme und auch die Freizeit konnte gut zugebracht werden.
Das Hotel war eine sehr angenehme Unterkunft.
Insgesamt war es eine Woche, die uns allen in sehr guter Erinnerung
bleiben wird und ich denke, ich spreche auch für den Rest des
Kurses, wenn ich sage, dass ich in dieser Besetzung jederzeit
wieder wegfahren würde.
Bericht: Tristan Blaak
Fotos: Katharina Henze, Christian Hollmichel, Tristan Blaak








