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  1. 2013

Aus dem „Handbuch von Schülern für Lehrer“

zitiert von: Luise Kranzhoff

Eine Tüte, die nichtssagend vor dem Computerraum hängt. Als sie sich auch ein paar Wochen später nicht von der Stelle bewegt hatte, kann man seine Neugier nicht mehr zügeln und muss hineingucken. Und siehe da: Es kommt etwas Interessantes zum Vorschein. „Handbuch von Schülern für Lehrer“ ist der Titel des Werkes ohne Verfasser. Auch wenn man sich nicht einig ist, ob alles darin stimmt, wollen wir Ausschnitte des Inhalts der Allgemeinheit nicht verwehren.

Aus dem Vorwort: „Ein gutes Arbeitsklima in der Schule setzt ein gutes Verhältnis von Lehrern und Schülern voraus. Doch wie bewerten Schüler eigentlich ihre Lehrer und was ist ihnen im Umgang miteinander wichtig?“

Aus dem ersten Kapitel: Gute Noten, die Lösung für alles?

„Entgegen der Annahme, die einige wohl tatsächlich haben, ist es nicht förderlich für das Verhältnis, Noten an Schüler zu verschenken. Im ersten Moment scheinen sie sich zwar darüber zu freuen und dankbar zu sein, doch ganz schnell verbreitet sich das Gerücht von der leichten Notenvergabe und die Schüler verlieren nicht nur den Respekt, sondern auch den Ansporn, gute Leistungen zu erbringen.
Strenge Notenvergabe ist dann sehr förderlich für das Arbeitsklima, wenn sie nicht nur als nachvollziehbar, sondern auch als gerecht empfunden wird. Allgemein gilt: Solange sich Schüler gerecht behandelt fühlen, haben sie Respekt und lassen keine üblen Gerüchte in Umlauf kommen.“

Aus dem 3. Kapitel: Von der alten Schule oder modern kameradschaftlich?

„Längst ist es nicht mehr so, dass sich alle Lehrer durch Geschrei und Strafen Gehör verschaffen. Im Gegenteil: Einige reden nicht nur wie Jugendliche, sondern eifern ihnen auch in anderer Beziehung nach. Manchmal hat man den Eindruck, als fühlten sie sich selbst eher den Jugendlichen als den Erwachsenen zugehörig...
Das heißt umgekehrt nicht, dass ein geschwollenes Deutsch, das wohlmöglich Abstand zwischen sich und die Schüler bringen soll, einem Respekt verschafft. Denn auch Menschen, die nicht erwachsen sind, haben durchaus ein Gespür für normale deutsche Sprache und fühlen sich daher eher „veräppelt“, als dass es ihnen imponiert.
Man sollte nicht soweit gehen, Respektspersonen eine Art des Redens vorzugeben. Dennoch sollte so mancher Lehrer überlegen, was er mit seiner Ausdrucksweise signalisieren will und ob das auch wirklich so ankommt.
Beim Umgang mit Schülern sollte man sich als Lehrer oder Lehrerin unserer Meinung nach nicht zu sehr auf die jugendliche Ebene hinab begeben, sondern darauf achten, eine Respektsperson zu bleiben.“

Aus dem 6. Kapitel: Wie umgehen mit Störungen und möglichen Fehlern, die einen bloßstellen können?

„Bei einem ausgezeichneten Lehrer kommt man als Schüler noch nicht einmal auf die Idee, man könnte mal stören. Das liegt aber häufig auch an der natürlichen Ausstrahlung der Lehrkraft. Die wirkungsvollste Methode, um störende Schüler zum Schweigen zu bringen, ist ein sarkastischer Kommentar, der sie bloßstellt, sodass Mitschüler nicht mehr über ihre Albernheiten, sondern viel mehr über sie selbst lachen. Störungen kann man außerdem mit einem interessanten Unterricht vorbeugen, der natürlich nie verkehrt ist. Ist die Aufmerksamkeit gefesselt und sind die Schüler alle paar Minuten gefordert, kann man in den meisten Fällen davon ausgehen, dass Albernheiten ausbleiben.
Bei Fehlern, die einem selbst passieren, ist es wohl das Wichtigste, gemeinsam mit den Schülern darüber zu lachen und sich wenigstens äußerlich keine Scham oder Verletzlichkeit anmerken zu lassen, sodass man den Respekt nicht verliert. Witze, die zum Unterrichtsstoff passen, zu machen, kann man den meisten Lehrern ohnehin gelegentlich nur empfehlen, denn sie lockern den Unterricht kurz auf und fesseln erneut die Aufmerksamkeit.“…

Ein interessantes Werk, durch und durch. Auch wenn Vieles davon sicher schon vorher bekannt war, bringt es vielleicht doch einige Zeitgenossen zum Nachdenken und Diskutieren.

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