Das Theaterstück „Sticks and Stones“ des White Horse Theatre
beginnt wie jedes andere Schultheaterstück auch: mit jeder Menge
Verwirrung um die Sitzplätze. Als diese nach einigem Lärm und
Stühlerücken gefunden sind, können die Schauspieler auch richtig
beginnen.
Vier Schauspieler, die insgesamt zehn Rollen spielen - und das auch
noch wirklich gut. Selbst die sonst eher unaufmerksamen Schüler
sind beeindruckt.
Auch die Textpassagen, die auf Tonband aufgezeichnet und passend
abgespielt wurden, haben außerordentlich gut gepasst. Die
Geschichte war keineswegs einseitig mit „Gut“ und „Böse“, sondern
wurde von vielen Seiten beleuchtet. In der Szene „Jim and Lauren
speak“ werden die Mobber gezwungen, ihre Standpunkte vorzutragen.
Und eigentlich sind sie selber am Boden.
Zum Inhalt:
Das Drama „Sticks and Stones“ des Autors Peter Griffith erzählt die
Geschichte zweier Mobbing-Opfer, Tony und Ruth.
Tony wird von seinem Mitschüler Jim Jarvis und dessen Anhängern auf
dem Schulweg überfallen und beraubt. Bei seiner Mutter findet Tony
kein Verständnis, bei seinem Klassenlehrer keine wirkliche Hilfe …
und dabei geht Jim Jarvis mit einer immer größeren Brutalität gegen
ihn vor.
Ruth dagegen wird als neue Mitschülerin von einer Gruppe von
Mädchen, angeführt durch Lauren, nicht körperlich misshandelt,
jedoch mit Worten beleidigt, missachtet und ausgegrenzt – ein
Verhalten, das sie genauso in die Verzweiflung treibt.
In „Sticks and Stones“ geht es allerdings nicht nur um die
Mobbing-Opfer, sondern auch um die Täter und ihre Motive mit ihrer
jeweils eigenen Geschichte, ebenso wie die Gruppe der Zuschauer und
Mitläufer, die aggressives Verhalten durch ihre Passivität noch
unterstützen.
The watchers are the worst
von Melina Umland und Adriana Dinter


Nur eine Sache hat bedauerlicherweise nicht richtig funktioniert,
was jedoch auf unheimliche Art und Weise die Aussage des
Theaterstückes verdeutlichte:
Wie wir Jugendreporter aus dem anschließenden Gespräch mit den
Schauspielern erfahren haben, hätten an einer Stelle im Stück, bei
der die Zuschauer direkt angesprochen wurden, weil niemand für die
„Opfer“ eingestanden ist, alle oder zumindest viele aufstehen
sollen. In der Aufführung am letzten Mittwoch (6.11.2013) ist nicht
eine Person aufgestanden.
Hinter uns tuschelten sämtliche in Hörweite sitzenden Zuschauer:
„Eigentlich müssten wir jetzt mal echt aufstehen, das wäre voll
cool…“ „Sollen wir aufstehen, was meinst du?“ „Alleine ist blöd,
wenn schon müssten’s jetzt alle machen…“
Die Aussage des Stückes, dass niemand Mobber unterstützt, aber auch
niemand sich traut etwas gegen sie zu sagen, kommt auf beklemmende
Weise auch beim Publikum an.
Überraschend haben die meisten Schüler dieses Stück nicht
verschlafen, sondern mit Sicherheit die Hauptaussage selbst
begriffen: „The watchers are the worst.“




