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  1. 2013

The watchers are the worst

von Melina Umland und Adriana Dinter

Das Theaterstück „Sticks and Stones“ des White Horse Theatre beginnt wie jedes andere Schultheaterstück auch: mit jeder Menge Verwirrung um die Sitzplätze. Als diese nach einigem Lärm und Stühlerücken gefunden sind, können die Schauspieler auch richtig beginnen.
Vier Schauspieler, die insgesamt zehn Rollen spielen - und das auch noch wirklich gut. Selbst die sonst eher unaufmerksamen Schüler sind beeindruckt.

Auch die Textpassagen, die auf Tonband aufgezeichnet und passend abgespielt wurden, haben außerordentlich gut gepasst. Die Geschichte war keineswegs einseitig mit „Gut“ und „Böse“, sondern wurde von vielen Seiten beleuchtet. In der Szene „Jim and Lauren speak“ werden die Mobber gezwungen, ihre Standpunkte vorzutragen. Und eigentlich sind sie selber am Boden.

Zum Inhalt:
Das Drama „Sticks and Stones“ des Autors Peter Griffith erzählt die Geschichte zweier Mobbing-Opfer, Tony und Ruth.
Tony wird von seinem Mitschüler Jim Jarvis und dessen Anhängern auf dem Schulweg überfallen und beraubt. Bei seiner Mutter findet Tony kein Verständnis, bei seinem Klassenlehrer keine wirkliche Hilfe … und dabei geht Jim Jarvis mit einer immer größeren Brutalität gegen ihn vor.
Ruth dagegen wird als neue Mitschülerin von einer Gruppe von Mädchen, angeführt durch Lauren, nicht körperlich misshandelt, jedoch mit Worten beleidigt, missachtet und ausgegrenzt – ein Verhalten, das sie genauso in die Verzweiflung treibt.
In „Sticks and Stones“ geht es allerdings nicht nur um die Mobbing-Opfer, sondern auch um die Täter und ihre Motive mit ihrer jeweils eigenen Geschichte, ebenso wie die Gruppe der Zuschauer und Mitläufer, die aggressives Verhalten durch ihre Passivität noch unterstützen.

Nur eine Sache hat bedauerlicherweise nicht richtig funktioniert, was jedoch auf unheimliche Art und Weise die Aussage des Theaterstückes verdeutlichte:
Wie wir Jugendreporter aus dem anschließenden Gespräch mit den Schauspielern erfahren haben, hätten an einer Stelle im Stück, bei der die Zuschauer direkt angesprochen wurden, weil niemand für die „Opfer“ eingestanden ist, alle oder zumindest viele aufstehen sollen. In der Aufführung am letzten Mittwoch (6.11.2013) ist nicht eine Person aufgestanden.
Hinter uns tuschelten sämtliche in Hörweite sitzenden Zuschauer: „Eigentlich müssten wir jetzt mal echt aufstehen, das wäre voll cool…“ „Sollen wir aufstehen, was meinst du?“ „Alleine ist blöd, wenn schon müssten’s jetzt alle machen…“

Die Aussage des Stückes, dass niemand Mobber unterstützt, aber auch niemand sich traut etwas gegen sie zu sagen, kommt auf beklemmende Weise auch beim Publikum an.
Überraschend haben die meisten Schüler dieses Stück nicht verschlafen, sondern mit Sicherheit die Hauptaussage selbst begriffen: „The watchers are the worst.“

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