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  1. 2013

Über 15 Jahre Kabuschka: „Etwas Besseres konnte der Schule nicht passieren!“

von Julius Kamper

Dass es an vier Tagen in der Woche Essen in der Kabuschka gibt, ist keinesfalls selbstverständlich. Denn die Schule, oder besser gesagt, der Landkreis Stade, ist nicht dazu verpflichtet, eine warme Mahlzeit zur Verfügung zu stellen, solange das Athenaeum keine Ganztagsschule ist. Obwohl viele Schüler durch AGs oder Nachmittagsunterricht große Teile des Tages dort verbringen, sind nur die neuen fünften Klassen seit diesem Jahr offiziell Ganztagsschüler mit dem Anspruch auf ein Mittagessen in der Schule. Dennoch gibt es zumindest an drei Tagen die Woche für alle, die wollen, egal ob Schüler oder Lehrer, ob Ganztagsschüler oder nicht, Essen in der Kabuschka. Eine tolle Leistung, die wir auch Regine Wachenfeld zu verdanken haben.

Die Organisatorin der Kabuschka sitzt im Lagerraum der Küche im Untergeschoss des Altbaus. Auf dem Tisch liegen Säcke gefüllt mit Nudeln und Reis, der eine Kühlschrank und die vier Gefrierschränke brummen, die zusammen mit den kleinen Vorratsschränken den kompletten Stauraum der Kabuschka bilden. Platz für größere Einlagerungen gebe es nicht, erklärt Regine Wachenfeld, alles, was auf den Teller kommen soll, müsse somit frisch eingekauft und zeitnah verarbeitet werden. Gerade ist die erste große Pause, bis die ersten Schüler um zwanzig nach Eins zum Essen kommen, dauert es noch einige Stunden. Doch bis dahin ist noch einiges zu tun, was auch daran liegt, dass in der Kabuschka so viel wie möglich selber gemacht und nur das Nötigste fertig eingekauft wird. Außerdem werden jeden Tag mehrere Gerichte, davon mindestens eins vegetarisch, angeboten.

So steckt in einem Tag in der Kabuschka viel Arbeit. Bevor das Essen zubereitet und ausgeteilt werden kann, müssen die Gerichte erst einmal geplant und das Nötige im Großhandel eingekauft werden. Dabei muss sogar das Essverhalten der Schüler mit eingerechnet werden. Von einem höchstwahrscheinlich beliebten Gericht werden zum Beispiel größere Mengen benötigt als von einem weniger beliebten. An zwei Tagen der Woche ist diese Planung und Koordination die Aufgabe von Regine Wachenfeld, die auch mal bis zu zwölf Stunden dafür arbeitet. Selbstverständlich ehrenamtlich, wie alle Eltern, die sich in der Mensa engagieren und Teile ihrer Freizeit dort verbringen. Inzwischen seien sie in der Kabuschka ein eingeschweißtes Team, und das nette Miteinander entschädige für Vieles, erklärt die Organisatorin. Doch diese Arbeit könnte mehr gewürdigt werden, denn Lob für die Arbeit der Kabuschka hört sie von Seiten der Schülern selten, eher im Gegenteil. Zum Beispiel lautete eine Antwort im Abi-Buch auf die Frage, worauf man in seiner Zeit nach dem Abitur gut verzichten könne, „Das Essen in der Kabuschka.“ Wenn Organisatorin Wachenfeld so etwas liest, ist sie enttäuscht, doch ans Aufhören denkt sie nicht, denn „Hinschmeißen ist nicht mein Stil.“ Doch nicht nur die Schüler, sondern auch die Schule selber könne noch zur Verbesserung der Situation in der Kabuschka beitragen, wenn die Pausenzeiten beispielsweise so gelegt würden, dass sich der Andrang etwas mehr verteilt. Doch dies ist leider nur schwer mit der Stundenplanung zu vereinbaren, weswegen wohl auch in Zukunft der größte Teil der Schüler nach der sechsten Stunden zum Essen kommen wird.

Dass die Arbeit der Eltern in der Kabuschka mehr gewürdigt werden könnte, sagt auch Elfriede Schöning, zuständig für die Finanzen der Schule, und appelliert, den Dank mehr zu zeigen, denn unsere Mensa biete einige Vorteile gegenüber einem Caterer, der mit seinem Essen Geld verdienen will und muss. So gebe es zum Beispiel in der Kabuschka eine große Auswahl, das Essen sei gesund und zusätzlich noch günstig. Außerdem verwende unsere Mensa regionale Produkte und keine Erdbeeren vom anderen Ende der Welt, wie es bei manchen Caterern leider die Praxis ist, was auch Fälle in der Vergangenheit gezeigt haben. „Die Vielfalt, Qualität und der Preis in der Kabuschka sind unschlagbar.“, erklärt auch Dieter Offermann, stellvertretender Schulleiter des Athenaeums, der am Konzept der Kabuschka festhalten will, obwohl die Schule häufig Angebote von Caterern bekomme, die sich mit ihren Auszeichnungen und Zertifikaten rühmten.

Trotzdem ist natürlich nicht alles gut in der Kantine, und es gibt Vieles, was noch verbessert werden könnte. Zum Beispiel wären da die langen Schlangen vor der Essensausgabe, in der viele Schüler einen nicht unerheblichen Teil ihrer Pause verbringen oder die fehlenden Sitzmöglichkeiten. So musste der Großteil bisher sein Mittagessen mit dem Teller auf den Knien im Forum essen, da es einfach zu wenig Tische gibt. Auch die Warmhaltung des Essens könnte verbessert werden, denn aktuell muss dieses direkt aus dem Topf auf den Tellern landen, um noch warm zu bleiben.

Doch mit der neuen Mensa, die, wenn alles nach Plan läuft, in einem halben Jahr eröffnet wird, soll Vieles verbessert werden. Dort, wo bis zum letzten Schuljahr noch die Erdkunde ihre Fachräume hatte, soll eine moderne Kantine mit Küche, Lagerraum und Platz zum Essen entstehen. Dank sogenannter Konvektomaten könne das Essen länger warmgehalten werden, wodurch die Essensausgabe von der Zubereitung in der Küche getrennt werden könne, erklärt Elfriede Schöning mit Blick auf die Pläne der neuen Mensa. Auch der Abwasch, der im Moment noch viel Zeit in Anspruch nimmt, soll durch eine Spülstraße in Zukunft schneller erledigt werden können. Viel Freiraum hat der Landkreis, der die neuen Räume der Kabuschka finanziert, bei der Planung dieser allerdings nicht gelassen. Die genauen Vorgaben regeln zum Beispiel, wo gegessen werden soll und wie viele Schüler theoretisch in dem Essensraum Platz haben. Obwohl dieser für einen Schüler sehr knapp bemessen ist, zeigt sich Haushaltskoordinatorin Schöning zuversichtlich, dass keiner mehr außerhalb der Kabuschka essen muss. Auch das ist, neben vielen weiteren Dingen, übrigens vom Landkreis vorgegeben.

Dann werden auch Regine Wachenfeld und die Eltern, die dort ehrenamtlich tätig sind, entlastet. Mit der neuen Mensa soll nämlich eine Hauswirtschaftsmeisterin eingestellt werden, die dann die Planung und Koordination, für die bisher noch Regine Wachenfeld zuständig ist, übernimmt. Ihre Aufgaben reichen dann von der Planung der Gerichte über den Einkauf im Großhandel bis hin zur Aufgabenverteilung an die Eltern, ein Vollzeitjob, für den die Hauswirtschaftsmeisterin natürlich ein Gehalt bekommen wird. Das Essen wird dadurch wohl etwas teurer werden, aber es wird immer noch günstiger als in den meisten anderen Schulkantinen bleiben.

In der Schulleitung ist man froh, die Kabuschka mit ihren Vorteilen zu haben und nicht auf einen Caterer zurückgreifen zu müssen. Dass dieses Konzept so gut funktioniert, ist keinesfalls selbstverständlich, was auch vergleichbare Kantinen an anderen Schulen zeigen, die nicht so funktionieren und an denen nicht so viele Eltern bereit sind, mitzuarbeiten. Die Gründung der Kabuschka vor inzwischen über fünfzehn Jahren sei ein echter Glücksfall für die Schule gewesen, erzählt Dieter Offermann, denn „etwas Besseres konnte der Schule nicht passieren!“

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