Dass es an vier Tagen in der Woche Essen in der Kabuschka gibt, ist
keinesfalls selbstverständlich. Denn die Schule, oder besser
gesagt, der Landkreis Stade, ist nicht dazu verpflichtet, eine
warme Mahlzeit zur Verfügung zu stellen, solange das Athenaeum
keine Ganztagsschule ist. Obwohl viele Schüler durch AGs oder
Nachmittagsunterricht große Teile des Tages dort verbringen, sind
nur die neuen fünften Klassen seit diesem Jahr offiziell
Ganztagsschüler mit dem Anspruch auf ein Mittagessen in der Schule.
Dennoch gibt es zumindest an drei Tagen die Woche für alle, die
wollen, egal ob Schüler oder Lehrer, ob Ganztagsschüler oder nicht,
Essen in der Kabuschka. Eine tolle Leistung, die wir auch Regine
Wachenfeld zu verdanken haben.
Die Organisatorin der Kabuschka sitzt im Lagerraum der Küche im
Untergeschoss des Altbaus. Auf dem Tisch liegen Säcke gefüllt mit
Nudeln und Reis, der eine Kühlschrank und die vier Gefrierschränke
brummen, die zusammen mit den kleinen Vorratsschränken den
kompletten Stauraum der Kabuschka bilden. Platz für größere
Einlagerungen gebe es nicht, erklärt Regine Wachenfeld, alles, was
auf den Teller kommen soll, müsse somit frisch eingekauft und
zeitnah verarbeitet werden. Gerade ist die erste große Pause, bis
die ersten Schüler um zwanzig nach Eins zum Essen kommen, dauert es
noch einige Stunden. Doch bis dahin ist noch einiges zu tun, was
auch daran liegt, dass in der Kabuschka so viel wie möglich selber
gemacht und nur das Nötigste fertig eingekauft wird. Außerdem
werden jeden Tag mehrere Gerichte, davon mindestens eins
vegetarisch, angeboten.
So steckt in einem Tag in der Kabuschka viel Arbeit. Bevor das
Essen zubereitet und ausgeteilt werden kann, müssen die Gerichte
erst einmal geplant und das Nötige im Großhandel eingekauft werden.
Dabei muss sogar das Essverhalten der Schüler mit eingerechnet
werden. Von einem höchstwahrscheinlich beliebten Gericht werden zum
Beispiel größere Mengen benötigt als von einem weniger beliebten.
An zwei Tagen der Woche ist diese Planung und Koordination die
Aufgabe von Regine Wachenfeld, die auch mal bis zu zwölf Stunden
dafür arbeitet. Selbstverständlich ehrenamtlich, wie alle Eltern,
die sich in der Mensa engagieren und Teile ihrer Freizeit dort
verbringen. Inzwischen seien sie in der Kabuschka ein
eingeschweißtes Team, und das nette Miteinander entschädige für
Vieles, erklärt die Organisatorin. Doch diese Arbeit könnte mehr
gewürdigt werden, denn Lob für die Arbeit der Kabuschka hört sie
von Seiten der Schülern selten, eher im Gegenteil. Zum Beispiel
lautete eine Antwort im Abi-Buch auf die Frage, worauf man in
seiner Zeit nach dem Abitur gut verzichten könne, „Das Essen in der
Kabuschka.“ Wenn Organisatorin Wachenfeld so etwas liest, ist sie
enttäuscht, doch ans Aufhören denkt sie nicht, denn „Hinschmeißen
ist nicht mein Stil.“ Doch nicht nur die Schüler, sondern auch die
Schule selber könne noch zur Verbesserung der Situation in der
Kabuschka beitragen, wenn die Pausenzeiten beispielsweise so gelegt
würden, dass sich der Andrang etwas mehr verteilt. Doch dies ist
leider nur schwer mit der Stundenplanung zu vereinbaren, weswegen
wohl auch in Zukunft der größte Teil der Schüler nach der sechsten
Stunden zum Essen kommen wird.
Über 15 Jahre Kabuschka: „Etwas Besseres konnte der Schule nicht passieren!“
von Julius Kamper


Dass die Arbeit der Eltern in der Kabuschka mehr gewürdigt werden
könnte, sagt auch Elfriede Schöning, zuständig für die Finanzen der
Schule, und appelliert, den Dank mehr zu zeigen, denn unsere Mensa
biete einige Vorteile gegenüber einem Caterer, der mit seinem Essen
Geld verdienen will und muss. So gebe es zum Beispiel in der
Kabuschka eine große Auswahl, das Essen sei gesund und zusätzlich
noch günstig. Außerdem verwende unsere Mensa regionale Produkte und
keine Erdbeeren vom anderen Ende der Welt, wie es bei manchen
Caterern leider die Praxis ist, was auch Fälle in der Vergangenheit
gezeigt haben. „Die Vielfalt, Qualität und der Preis in der
Kabuschka sind unschlagbar.“, erklärt auch Dieter Offermann,
stellvertretender Schulleiter des Athenaeums, der am Konzept der
Kabuschka festhalten will, obwohl die Schule häufig Angebote von
Caterern bekomme, die sich mit ihren Auszeichnungen und
Zertifikaten rühmten.
Trotzdem ist natürlich nicht alles gut in der Kantine, und es gibt
Vieles, was noch verbessert werden könnte. Zum Beispiel wären da
die langen Schlangen vor der Essensausgabe, in der viele Schüler
einen nicht unerheblichen Teil ihrer Pause verbringen oder die
fehlenden Sitzmöglichkeiten. So musste der Großteil bisher sein
Mittagessen mit dem Teller auf den Knien im Forum essen, da es
einfach zu wenig Tische gibt. Auch die Warmhaltung des Essens
könnte verbessert werden, denn aktuell muss dieses direkt aus dem
Topf auf den Tellern landen, um noch warm zu bleiben.

Doch mit der neuen Mensa, die, wenn alles nach Plan läuft, in einem
halben Jahr eröffnet wird, soll Vieles verbessert werden. Dort, wo
bis zum letzten Schuljahr noch die Erdkunde ihre Fachräume hatte,
soll eine moderne Kantine mit Küche, Lagerraum und Platz zum Essen
entstehen. Dank sogenannter Konvektomaten könne das Essen länger
warmgehalten werden, wodurch die Essensausgabe von der Zubereitung
in der Küche getrennt werden könne, erklärt Elfriede Schöning mit
Blick auf die Pläne der neuen Mensa. Auch der Abwasch, der im
Moment noch viel Zeit in Anspruch nimmt, soll durch eine Spülstraße
in Zukunft schneller erledigt werden können. Viel Freiraum hat der
Landkreis, der die neuen Räume der Kabuschka finanziert, bei der
Planung dieser allerdings nicht gelassen. Die genauen Vorgaben
regeln zum Beispiel, wo gegessen werden soll und wie viele Schüler
theoretisch in dem Essensraum Platz haben. Obwohl dieser für einen
Schüler sehr knapp bemessen ist, zeigt sich Haushaltskoordinatorin
Schöning zuversichtlich, dass keiner mehr außerhalb der Kabuschka
essen muss. Auch das ist, neben vielen weiteren Dingen, übrigens
vom Landkreis vorgegeben.
Dann werden auch Regine Wachenfeld und die Eltern, die dort
ehrenamtlich tätig sind, entlastet. Mit der neuen Mensa soll
nämlich eine Hauswirtschaftsmeisterin eingestellt werden, die dann
die Planung und Koordination, für die bisher noch Regine Wachenfeld
zuständig ist, übernimmt. Ihre Aufgaben reichen dann von der
Planung der Gerichte über den Einkauf im Großhandel bis hin zur
Aufgabenverteilung an die Eltern, ein Vollzeitjob, für den die
Hauswirtschaftsmeisterin natürlich ein Gehalt bekommen wird. Das
Essen wird dadurch wohl etwas teurer werden, aber es wird immer
noch günstiger als in den meisten anderen Schulkantinen bleiben.
In der Schulleitung ist man froh, die Kabuschka mit ihren Vorteilen
zu haben und nicht auf einen Caterer zurückgreifen zu müssen. Dass
dieses Konzept so gut funktioniert, ist keinesfalls
selbstverständlich, was auch vergleichbare Kantinen an anderen
Schulen zeigen, die nicht so funktionieren und an denen nicht so
viele Eltern bereit sind, mitzuarbeiten. Die Gründung der Kabuschka
vor inzwischen über fünfzehn Jahren sei ein echter Glücksfall für
die Schule gewesen, erzählt Dieter Offermann, denn „etwas Besseres
konnte der Schule nicht passieren!“


