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  1. 2013

Die Welt bei uns zu Gast

Das Athenaeum ist beliebte Austauschschule

Seit Jahren schon wird am Athenaeum muttersprachlich nicht immer nur deutsch gesprochen. Einige unserer Schülerinnen und Schüler sind neben den vielen zweisprachigen Stader Mitschülern als Gäste hier und kommen oft von weit hier.

2012 waren es teilweise sogar mehr als zehn Gäste aus aller Welt, die für einige Wochen oder ein ganzes Schuljahr bei uns am Unterricht teilnahmen, weil ihre Gastfamilien im Einzugsgebiet wohnen. Sie nehmen an allen Fächern teil, können beurteilt werden, müssen aber keine Zeugnisse mit nach Hause bringen. Wichtiger sind natürlich die Kontakte zu den Gleichaltrigen!

Die Jugendreporter und Frau Post haben sich mit einigen von ihnen zum Gespräch getroffen. Zuerst gingen alle noch etwas vorsichtig miteinander um, aber nach den ersten Fragen und lebhaften Berichten der vier Gastschülerinnen Kamyla, Camila, Océane und Nozomi war das Eis gebrochen. Alle erklärten nacheinander, dass sie eben nicht wie einige ihre Freunde in ein englisch-sprachiges Land hatten reisen wollen, sondern mit Deutschland und deutsch ein wenig gegen den Strom schwimmen wollten und die Herausforderung nicht bereut hätten. Ihre Heimatschulen seien schon ganz anders organisiert als unsere Schule, aber gerade das mache den Reiz aus. Besonders die Aktivitäten mit den Familien und im Winter die Besuche auf dem Weihnachtsmarkt und das Keksebacken gefallen den Mädchen gut, sagen sie.

Nach den persönlichen Interviews ging es dann hinaus in den Schnee zum Gruppenfoto mit den Reportern.

Kamyla Teixiera, Brasilien

Als Kamyla im August dieses Jahres als Austauschschülerin nach Deutschland kam, konnte sie nur zwei Wörter deutsch. Das waren „Hallo“ und „Danke“, erzählt die Brasilianerin. Ihr Deutsch habe sie in acht Wochen an der Volkshochschule und in den drei Monaten, in denen sie jetzt schon hier ist, gelernt. Auch ihr Englisch sei nicht das allerbeste gewesen, in der Schule hätten sie kaum Englisch gelernt und Sprachkurse seien teuer in Brasilien. Aber das habe sie nicht davon abhalten können, Deutschland einmal zu besuchen. Kamyla wollte schon immer mal nach Deutschland und die Kultur und Geschichte hier kennen lernen. Also kam sie mit der Organisation „Rotary International“ als Austauschschülerin für ein Jahr von Brasilien nach Deutschland und erlebte erstmal einen kleinen Kulturschock.

Die Schule sei schwieriger als daheim, wo diese ganz anders aufgebaut ist als hier. Dort absolvierte sie neben der „normalen“ Schule noch eine Technikschule mit dem Thema „Organische Landwirtschaft“. Außerdem ist es hier, vor allem im Winter, viel kälter als in Brasilien, wo die Temperaturen selbst in der kalten Jahreszeit selten unter den Gefrierpunkt fallen. Aber davon abgesehen gefällt es ihr hier sehr gut. Sie hat schon viel erlebt in den dreieinhalb Monaten hier. Beispielsweise machte sie eine Tour durch verschiedene Städte, und da Deutschland so schön klein ist, kann man auch viel sehen, erzählt Kamyla. Im wesentlich größeren Brasilien hätte diese Tour wahrscheinlich Tage gedauert. Natürlich hat die 17-Jährige auch hin und wieder Heimweh und vermisst ihre Familie in der Heimat, aber wenn sie etwas unternimmt, vergisst sie das. Und wenn sie doch mal mit ihnen Reden will, gibt es ja noch Facebook oder Skype.

Sechs Monate bleibt Kamyla jetzt noch in Deutschland, dann geht ihr Austauschjahr auch schon zu Ende. Aber bis dahin möchte sie noch viel erleben und im Juni 2013 mit vielen Erfahrungen im Gepäck zurück nach Brasilien fliegen.

Interview: Julius Kamper

Camila Vasquez, Chile

Camila Vansquez ist 17 Jahre alt und kommt aus Santiago de Chile. Dort lebt sie mit ihren Eltern und ihrer Schwester. Sie spielt leidenschaftlich gern Volleyball, doch hier fehlt ihr leider die Zeit dazu.

Durch die Vermittlung von Rotary hat sie nacheinander drei Gastfamlien. Sie unternimmt viel mit ihren Gastfamilien, wie zum Beispiel Plätzchen backen mit der Gastschwester, zusammen im Restaurant essen oder auf den Weihnachtsmarkt gehen. Weihnachten mit Schnee, wie hier in Deutschland, war für sie sowieso immer ein Traum.

Auch, weil viele ihrer Mitschüler ihr verpflichtendes Auslandsjahr in englischsprachigen Ländern machen, findet sie es cool deutsch zu lernen, besonders weil es eine größere Herausforderung ist. Es hat aber auch einige Zeit gebraucht, bis sie sich an die Besonderheiten der deutschen Schule gewöhnte. Sie hab festgestellt, dass die Leute sind hier nicht so schnell Kontakt aufnehmen, wie in ihrem Heimatland. Unter den anderen Austauschschülern fand sie hingegen sofort neue Freunde. Die Schüler in ihrem Spanischkurs sind zwar sehr nett und offener als andere, jedoch wechseln die Deutschen generell meist nur einige Worte mit ihr. Und obwohl sie Deutschland trotzdem sehr schön findet, vermisst sie natürlich doch ihre Familie und ihre Freunde.

Interview: Adriana Dinter

Océane Jacquat, Schweiz

Océane Jacquat stammt aus dem französischen Teil der Schweiz. Sie ist ein halbes Jahr bis zum Januar 2013 in Deutschland zu Besuch. Einen großen kulturellen Unterschied hat sie bis jetzt nicht erlebt, da die Schweiz ja nicht allzu weit von Deutschland entfernt ist. Zum Beispiel ist Weihnachten gleich gestaltet, auch dort fängt Advent am erstem Dezember an und Nikolaus ist am sechstem. Aber hier wird die Vorweihnachtszeit wichtiger genommen, wir haben Weihnachtsmärkte und in der Schweiz bekommen nur die Kleinen Adventskalender.

Mittlerweile hat sie viele Freunde gefunden, dabei hat sie sich erst mit den Austauschschülern angefreundet und erst später kamen die Einheimischen. Auch versteht sie besser Deutsch und den deutschen Unterricht als zu Beginn. Im Unterricht kommt sie in einige Fächern besser mit als in anderen, was vor allem davon abhängt, ob sie dieses Fach früher mochte. Mathe und Chemie sind nicht so gut, Französisch, Deutsch und Musik sind besser für sie. Das Athe hat ihrer Meinung nach den Austausch sinnvoll organisiert und die Lehrer und Schüler verstehen die Austauschschüler gut. Nach der Rückkehr wird sie ihre Familie in den Arm nehmen und viel Zeit mit ihr und ihren Freunden verbringen. Selbstverständlich wird sie allen von ihren Erlebnissen berichten.

Ihre Zeit in Deutschland wird sie gut in Erinnerung behalten: ihre Gastfamilie war toll, sie hat viel deutsch gelernt und auch sonst viel kennen gelernt. Auch hat sie vor Deutschland später noch einmal zu besuchen, da die Reise nicht allzu lang ist und sie ihre Gastfamilie gerne noch einmal wieder sehen will.

Inverview: Michael Gisbrecht

Nozomi Takuma, Japan

Die 18-jährige Nozomi Takuma kommt aus Oita in Japan und ist seit dem 24. Februar 2012 in Deutschland Austauschschülerin. Sie hat sich für dieses Land entschieden, weil sie Deutsch für eine wichtige Sprache hält, allgemein seien Sprachen wichtig. Außerdem würden die meisten für ein Auslandsjahr in ein englischsprachiges Land gehen und sie probiere gerne etwas Neues aus.
Der erste Eindruck zeigt, dass sie eher schüchtern ist, aber sie meint, sie freue sich immer, wenn jemand sie anspreche. Stetig bemüht sie sich, ihr Deutsch zu verbessern. Ihr fällt es manchmal immer noch schwer alles zu verstehen, wenn wir Deutschen so schnell und vor allem laut sprechen. Wir seien oft ungeduldig und wollen schnell eine Antwort.

In ihrem Heimatland wohnt sie in der Stadt Oita, die zwar viel größer als Stade ist, aber laut Nozomi längst nicht so schöne alte Häuser habe.

Am Athenaeum gefällt ihr vor allem Kunst. In Japan sind die Naturwissenschaften zu einem Fach zusammengefasst und man kann auch Unterricht im Kochen und Nähen nehmen. Dafür gibt es hier aber viele AGs – ein Punkt, der ihr gut gefällt. Natürlich ist an unserer Schule Deutsch das Fach, was Nozomi am schwersten fällt. Neben der Schule sind die deutsche Kultur und Regeln ganz anders als die japanischen. Gerade jetzt, zur Weihnachtszeit, erlebt Nozomi immer wieder Überraschungen. Zwar wird Weihnachten in Japan auch gefeiert, aber es gibt dort keine Weihnachtsmärkte, sodass der Besuch von dem Weihnachtsmarkt in Leipzig mit ihrer Gastfamilie ein echtes Erlebnis war. Die viele Dekoration mit Lichterketten erschienen ihr auch als Neuheit.

Auch unser traditionelles Singen in der Weihnachtszeit war ihr so nicht bekannt. Insgesamt freut sie sich, in Deutschland zu sein, und so viele unterschiedliche neue Erfahrungen zu machen. In ihrer Freizeit hört sie auch hier Musik, malt, tanzt, backt und geht shoppen.

Interview: Luise Kranzhoff


Pimpisa Choonhakamolrak, Thailand

Bericht: Gastschwester Malin Pape

Drei Tage vor den Sommerferien bekamen meine Eltern eine Anfrage von der Organisation AFS, ob wir Anfang September als Wellcome-Familie eine Austauschschülerin für ca. sechs Wochen bei uns aufnehmen würden. Wir entschieden uns für Pimpisa, 16 Jahre alt, aus Bangkok.

Am Anreisetag waren wir alle sehr aufgeregt; aber wahrscheinlich nicht halb so aufgeregt wie Pimpisa. Die ersten zwei Wochen hatte sie einen Deutschkurs, der in der Volkshochschule stattfand. Das war sehr hilfreich, da sie nur wenig Deutsch sprach. Unsere Unterhaltungen fanden also mit einer Mischung aus wenig Deutsch und sehr viel Englisch statt

In der Schule fiel es Louis, das ist ihr Spitzname, in den meisten Fächern sehr schwer, dem Unterricht zu folgen, der völlig anders als der Unterricht in Thailand ist. Dort sind die Klassen mit ca. 50 Schülern sehr groß und es gibt keine Noten für mündliche Beteiligung.

Nach den Herbstferien kam Louis dann in ihre Jahresfamilie und war sehr froh, auf dem Athenaeum bleiben zu können. Leider klappte es nicht ganz so gut, so dass sie ein drittes Mal umzog, diesmal weiter weg, deswegen musste Louis auch die Schule wechseln.

Ich habe aber den Eindruck, dass es ihr hier in Deutschland gut gefällt und sie gerne zum Athenaeum gegangen ist. Besonders die „deutsche Spezialität“ Döner hat ihr gut geschmeckt.

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