Seit Jahren schon wird am Athenaeum muttersprachlich nicht immer
nur deutsch gesprochen. Einige unserer Schülerinnen und Schüler
sind neben den vielen zweisprachigen Stader Mitschülern als Gäste
hier und kommen oft von weit hier.
2012 waren es teilweise sogar mehr als zehn Gäste aus aller Welt,
die für einige Wochen oder ein ganzes Schuljahr bei uns am
Unterricht teilnahmen, weil ihre Gastfamilien im Einzugsgebiet
wohnen. Sie nehmen an allen Fächern teil, können beurteilt werden,
müssen aber keine Zeugnisse mit nach Hause bringen. Wichtiger sind
natürlich die Kontakte zu den Gleichaltrigen!
Die Jugendreporter und Frau Post haben sich mit einigen von ihnen
zum Gespräch getroffen. Zuerst gingen alle noch etwas vorsichtig
miteinander um, aber nach den ersten Fragen und lebhaften Berichten
der vier Gastschülerinnen Kamyla, Camila, Océane und Nozomi war das
Eis gebrochen. Alle erklärten nacheinander, dass sie eben nicht wie
einige ihre Freunde in ein englisch-sprachiges Land hatten reisen
wollen, sondern mit Deutschland und deutsch ein wenig gegen den
Strom schwimmen wollten und die Herausforderung nicht bereut
hätten. Ihre Heimatschulen seien schon ganz anders organisiert als
unsere Schule, aber gerade das mache den Reiz aus. Besonders die
Aktivitäten mit den Familien und im Winter die Besuche auf dem
Weihnachtsmarkt und das Keksebacken gefallen den Mädchen gut, sagen
sie.
Nach den persönlichen Interviews ging es dann hinaus in den Schnee
zum Gruppenfoto mit den Reportern.
Kamyla Teixiera, Brasilien
Als Kamyla im August dieses Jahres als Austauschschülerin nach
Deutschland kam, konnte sie nur zwei Wörter deutsch. Das waren
„Hallo“ und „Danke“, erzählt die Brasilianerin. Ihr Deutsch habe
sie in acht Wochen an der Volkshochschule und in den drei Monaten,
in denen sie jetzt schon hier ist, gelernt. Auch ihr Englisch sei
nicht das allerbeste gewesen, in der Schule hätten sie kaum
Englisch gelernt und Sprachkurse seien teuer in Brasilien. Aber das
habe sie nicht davon abhalten können, Deutschland einmal zu
besuchen. Kamyla wollte schon immer mal nach Deutschland und die
Kultur und Geschichte hier kennen lernen. Also kam sie mit der
Organisation „Rotary International“ als Austauschschülerin für ein
Jahr von Brasilien nach Deutschland und erlebte erstmal einen
kleinen Kulturschock.
Die Schule sei schwieriger als daheim, wo diese ganz anders
aufgebaut ist als hier. Dort absolvierte sie neben der „normalen“
Schule noch eine Technikschule mit dem Thema „Organische
Landwirtschaft“. Außerdem ist es hier, vor allem im Winter, viel
kälter als in Brasilien, wo die Temperaturen selbst in der kalten
Jahreszeit selten unter den Gefrierpunkt fallen. Aber davon
abgesehen gefällt es ihr hier sehr gut. Sie hat schon viel erlebt
in den dreieinhalb Monaten hier. Beispielsweise machte sie eine
Tour durch verschiedene Städte, und da Deutschland so schön klein
ist, kann man auch viel sehen, erzählt Kamyla. Im wesentlich
größeren Brasilien hätte diese Tour wahrscheinlich Tage gedauert.
Natürlich hat die 17-Jährige auch hin und wieder Heimweh und
vermisst ihre Familie in der Heimat, aber wenn sie etwas
unternimmt, vergisst sie das. Und wenn sie doch mal mit ihnen Reden
will, gibt es ja noch Facebook oder Skype.
Sechs Monate bleibt Kamyla jetzt noch in Deutschland, dann geht ihr
Austauschjahr auch schon zu Ende. Aber bis dahin möchte sie noch
viel erleben und im Juni 2013 mit vielen Erfahrungen im Gepäck
zurück nach Brasilien fliegen.
Interview: Julius Kamper
Camila Vasquez, Chile
Camila Vansquez ist 17 Jahre alt und kommt aus Santiago de Chile.
Dort lebt sie mit ihren Eltern und ihrer Schwester. Sie spielt
leidenschaftlich gern Volleyball, doch hier fehlt ihr leider die
Zeit dazu.
Durch die Vermittlung von Rotary hat sie nacheinander drei
Gastfamlien. Sie unternimmt viel mit ihren Gastfamilien, wie zum
Beispiel Plätzchen backen mit der Gastschwester, zusammen im
Restaurant essen oder auf den Weihnachtsmarkt gehen. Weihnachten
mit Schnee, wie hier in Deutschland, war für sie sowieso immer ein
Traum.
Auch, weil viele ihrer Mitschüler ihr verpflichtendes Auslandsjahr
in englischsprachigen Ländern machen, findet sie es cool deutsch zu
lernen, besonders weil es eine größere Herausforderung ist. Es hat
aber auch einige Zeit gebraucht, bis sie sich an die Besonderheiten
der deutschen Schule gewöhnte. Sie hab festgestellt, dass die Leute
sind hier nicht so schnell Kontakt aufnehmen, wie in ihrem
Heimatland. Unter den anderen Austauschschülern fand sie hingegen
sofort neue Freunde. Die Schüler in ihrem Spanischkurs sind zwar
sehr nett und offener als andere, jedoch wechseln die Deutschen
generell meist nur einige Worte mit ihr. Und obwohl sie Deutschland
trotzdem sehr schön findet, vermisst sie natürlich doch ihre
Familie und ihre Freunde.
Interview: Adriana Dinter
Océane Jacquat, Schweiz
Océane Jacquat stammt aus dem französischen Teil der Schweiz. Sie
ist ein halbes Jahr bis zum Januar 2013 in Deutschland zu Besuch.
Einen großen kulturellen Unterschied hat sie bis jetzt nicht
erlebt, da die Schweiz ja nicht allzu weit von Deutschland entfernt
ist. Zum Beispiel ist Weihnachten gleich gestaltet, auch dort fängt
Advent am erstem Dezember an und Nikolaus ist am sechstem. Aber
hier wird die Vorweihnachtszeit wichtiger genommen, wir haben
Weihnachtsmärkte und in der Schweiz bekommen nur die Kleinen
Adventskalender.
Mittlerweile hat sie viele Freunde gefunden, dabei hat sie sich
erst mit den Austauschschülern angefreundet und erst später kamen
die Einheimischen. Auch versteht sie besser Deutsch und den
deutschen Unterricht als zu Beginn. Im Unterricht kommt sie in
einige Fächern besser mit als in anderen, was vor allem davon
abhängt, ob sie dieses Fach früher mochte. Mathe und Chemie sind
nicht so gut, Französisch, Deutsch und Musik sind besser für sie.
Das Athe hat ihrer Meinung nach den Austausch sinnvoll organisiert
und die Lehrer und Schüler verstehen die Austauschschüler gut. Nach
der Rückkehr wird sie ihre Familie in den Arm nehmen und viel Zeit
mit ihr und ihren Freunden verbringen. Selbstverständlich wird sie
allen von ihren Erlebnissen berichten.
Ihre Zeit in Deutschland wird sie gut in Erinnerung behalten: ihre
Gastfamilie war toll, sie hat viel deutsch gelernt und auch sonst
viel kennen gelernt. Auch hat sie vor Deutschland später noch
einmal zu besuchen, da die Reise nicht allzu lang ist und sie ihre
Gastfamilie gerne noch einmal wieder sehen will.
Inverview: Michael Gisbrecht
Nozomi Takuma, Japan
Die 18-jährige Nozomi Takuma kommt aus Oita in Japan und ist seit
dem 24. Februar 2012 in Deutschland Austauschschülerin. Sie hat
sich für dieses Land entschieden, weil sie Deutsch für eine
wichtige Sprache hält, allgemein seien Sprachen wichtig. Außerdem
würden die meisten für ein Auslandsjahr in ein englischsprachiges
Land gehen und sie probiere gerne etwas Neues aus.
Der erste Eindruck zeigt, dass sie eher schüchtern ist, aber sie
meint, sie freue sich immer, wenn jemand sie anspreche. Stetig
bemüht sie sich, ihr Deutsch zu verbessern. Ihr fällt es manchmal
immer noch schwer alles zu verstehen, wenn wir Deutschen so schnell
und vor allem laut sprechen. Wir seien oft ungeduldig und wollen
schnell eine Antwort.
In ihrem Heimatland wohnt sie in der Stadt Oita, die zwar viel
größer als Stade ist, aber laut Nozomi längst nicht so schöne alte
Häuser habe.
Am Athenaeum gefällt ihr vor allem Kunst. In Japan sind die
Naturwissenschaften zu einem Fach zusammengefasst und man kann auch
Unterricht im Kochen und Nähen nehmen. Dafür gibt es hier aber
viele AGs – ein Punkt, der ihr gut gefällt. Natürlich ist an
unserer Schule Deutsch das Fach, was Nozomi am schwersten fällt.
Neben der Schule sind die deutsche Kultur und Regeln ganz anders
als die japanischen. Gerade jetzt, zur Weihnachtszeit, erlebt
Nozomi immer wieder Überraschungen. Zwar wird Weihnachten in Japan
auch gefeiert, aber es gibt dort keine Weihnachtsmärkte, sodass der
Besuch von dem Weihnachtsmarkt in Leipzig mit ihrer Gastfamilie ein
echtes Erlebnis war. Die viele Dekoration mit Lichterketten
erschienen ihr auch als Neuheit.
Auch unser traditionelles Singen in der Weihnachtszeit war ihr so
nicht bekannt. Insgesamt freut sie sich, in Deutschland zu sein,
und so viele unterschiedliche neue Erfahrungen zu machen. In ihrer
Freizeit hört sie auch hier Musik, malt, tanzt, backt und geht
shoppen.
Interview: Luise Kranzhoff




