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  1. 2014

Alles begann vor 14 Milliarden Jahren an einem Ort...

Am 24.01.14 um 17 Uhr kamen 22 Personen im Planetarium in Grünendeich zusammen. Anlass war nichts Geringeres als die Uraufführung des spektralen Planetariums, dessen Spektralprojektor die Arbeitsgemeinschaft für Astronomie des Gymnasiums Athenaeums selbst entwickelt hatte.

Dr. Hans-Otto Carmesin, ein Mathematik- und Physiklehrer und zudem engagierter Leiter der „Jugend forscht“ und „Astronomie AG“ am Athenaeum, hatte die Arbeit der Schüler betreut und begrüßte den Landrat, der die Räumlichkeiten zur Verfügung stellte, den Schulleiter und alle anderen „Freunde der Astronomie“. In seiner Begrüßungsrede griff er auf, dass schon vor genau 200 Jahren Joseph von Fraunhofer das erste Spektrometer baute. Diese Entdeckung ermöglichte, die chemische Zusammensetzung der Sonne und anderer Sterne zu untersuchen. Bisher ist es aber für Besucher nicht möglich gewesen, die Spektren mit eigenen Augen zu sehen. Dies zu ändern, sei den Schülern mit den „primitiven Mitteln“ einer Physiksammlung gelungen.
Das Thema der Vorstellung war das Alter des Universums. Herr Carmesin stellte jedoch in Aussicht, dass sich die AG vielleicht im Anschluss an dieses Projekt auch mit der Suche nach außerirdischen Lebensformen befassen könnte.

In Form eines Schauspiels stellten die Schüler ihre Ergebnisse vor. Die Handlung beruhte auf einer wahren Geschichte: Ein Schüler fährt mit dem Fahrrad über die Köhlbrandbrücke, wird erwischt und darf zur Strafe nicht auf eine Kursfahrt mitfahren. Deswegen plant er mit seinen Freunden, ein Projekt zu starten, das seinen Vater umstimmt. Und hier kommen die Erkenntnisse über das Alter des Universums ins Spiel: Stück für Stück wurde den Zuschauern die Vorgehensweise nah gebracht. Zunächst beeindruckten die bunten Aufnahmen von Galaxien und Sternhaufen. Wie diese Farben zustande kommen, erklärten die Schüler. Durch Spektralbrillen konnte die Farbzusammensetzung des Lichts von Quecksilber- und Wasserstofflampen erkannt werden. Die Ergebnisse wurden als „spektrale Fingerabdrücke“ festgelegt und mit den Farben der Galaxien, die durch die Spektralbrillen zu erkennen waren, verglichen. Anhand der prozentualen Verschiebung der spektralen Fingerabdrücke konnte festgestellt werden, wie schnell die Galaxie sich bewegt und vor wie vielen Jahren sich die Erde und die jeweilige Galaxie an der gleichen Stelle befunden haben. Das verblüffende Ergebnis war: Alle Galaxien – auch unsere Milchstraße – befanden sich vor rund 14 Milliarden Jahren an der gleichen Stelle. Vor 14 Milliarden Jahren ist also das Universum entstanden und dehnt sich seitdem aus.

Die Besucher zeigten sich beeindruckt und stellten auch während der Pause zahlreiche Fragen. Für viele waren einige Faktoren des Universums sehr schwer vorstellbar, fast irrational. So manch ein Vater hätte sich sicherlich dazu bereit erklärt, seinen Sohn dank dieses Projektes doch mit auf die Kursfahrt fahren zu lassen.
Interessierte haben die Gelegenheit, die Vorführung am 07.02. um 17 Uhr, am 14.02. um 18 Uhr, am 20.02. um 19 Uhr oder am 27.02. um 19 Uhr mit eigenen Augen im Haus der Maritimen Landschaft Unterelbe in Grünendeich zu erleben.

2.02.2014; Reporter: Luise Kranzhoff

Die Zukunft der Planetarien

In unserer AG haben wir neulich einen neuen Auftrag bekommen: Die Vorgeschichte des Vortrags von Hans-Otto Carmesin und seiner Crew darzustellen und den fertigen Artikel auf die Homepage der Schule zu stellen. Da wir allerdings weder viel von Astronomie oder Spektroskopie verstehen und leider auch keine Lehrer sind und dementsprechend schlecht im Erklären sind, überlassen wir die Erklärungen heute dem Meister persönlich.
(Versprecher wurden von der Redaktion markierungslos gekürzt bzw. korrekt aufgeschrieben;
ebenso wurden persönliche Verweise und die Diskussion über Gott und Leben im All entfernt)
Jugendreporter: Melina Umland, Februar 2014

JR – Jugendreporter

C – Herr Dr. Hans-Otto Carmesin
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JR: „Einmal die erste Frage: Sie stellen ja so ein Projekt vor…und was genau ist das?“

C: “Ja, so ein Planetarium hat ja jeder schon mal gesehen. In einem Planetarium sieht man die Himmelskugel, so wie sie also nachts bei klarem Himmel aussieht und man sieht die Sterne; eigentlich in einer Farbe, die der Projektor darstellt. Jetzt ist es so, dass vor 200 Jahren Frauenhofer die Spektren der Sonne entdeckt hat und überhaupt die Spektroskopie als Wissenschaft auf den Weg gebracht hat. Und aus den Spektren kann man ganz viel ablesen.“

JR: „Was genau ist Spektroskopie?“

C: „Spektroskopie, das ist ein Zweig der Wissenschaft, der sich damit beschäftigt, das Licht in die Einzelfarben zu zerlegen, wie das der Regenbogen auch macht und daraus alle möglichen Informationen zu gewinnen, z.B. welches Material das Licht aussendet, reflektiert oder durchlässt, welche Temperatur das Material hat, wie es sich bewegt oder welchen Druck es hat. Man kann ganz viele Sachen daraus rauskriegen. Das kann man mit bloßem Auge so nicht sehen. Das liegt daran, dass wir zwar den Eindruck haben, die Welt sei jetzt komplett bunt, aber das Licht bekommt unser Gehirn ja über die Netzhaut und den Farbeindruck, ja über die Zapfen in der Netzhaut. Da gibt es für die Farben nur drei Typen. Das heißt primär sieht unser Auge nur drei Farben, deswegen hat auch der Farbfernseher nur drei Farbkanäle und jedes Smartphone und jeder Computer bietet eigentlich nur drei Farbkanäle an. Durch die Mischung entsteht dann der Eindruck, man könnte viel mehr Farben sehen. Das stimmt ja eigentlich gar nicht. Das merkt man erst, wenn man zum Beispiel das Licht durch ein Spektrum schickt, dann sieht man, dass es viel mehr Farbkanäle gibt. Und dann kann man ganz genau sehen, wo auch die Lücken im Spektrum sind und das sind alles Informationen, die man daraus gewinnen kann. […] In der Technik wird das ständig verwendet, viele Analysen im Lebensmittelbereich oder auch Informationen über Werkstoffe und Materialien in Chemie werden durch Spektren gewonnen, weil das einfach viel genauer und kostengünstiger ist als Chemie und außerdem hat man das ganze Wissen über die Atmosphäre durch Spektroskopie, weil man da oben natürlich nicht so einfach Proben nehmen kann. Erst Recht Informationen über Dinge außerhalb der Erde werden mit Spektren gewonnen. Und jetzt ist es so, dass man halt seit 200 Jahren ganz viele Informationen über Spektren gewinnt, auch in der Astronomie, und da würde ich doch als Gast des Planetariums erwarten, dass mir das gezeigt wird! Das ist ja wohl heutzutage nicht so, wenn man irgendwo auf der Welt in ein Planetarium geht, bekommt man ganz einfarbige Himmelskugeln zu sehen. Und DAS ändern wir! Bei UNS sieht man die Spektren!
Und zwar geht das so: Jeder Besucher bekommt eine Spektralbrille aufgesetzt, die gibt er am Ende wieder ab. Das wirkt genauso gut, wie ein wissenschaftliches Spektrometer und dann haben wir natürlich dazu passend einen Spektralprojektor, den wir selber entwickelt und gebaut haben. Der ist natürlich viel besser als Farbfernsehen, das ja nur drei Farbkanäle hat. Unser Spektralprojektor hat dutzende Farbkanäle und dadurch kann man die ganzen Entdeckungen der letzten zweihundert Jahre erstmals im Planetarium SEHEN!“

JR: „Okay, aber wie äußert sich das denn, weil ich meine, diese Information, die man mit Spektren erkennen kann, die wird man ja kaum mit bloßem Auge sehen können?“

C: „Aber natürlich! Nein, als mit bloßem Auge nicht, aber jeder unserer Gäste bekommt eine Spektralbrille, wie man im Kino eine 3D-Brille bekommt, so und bei uns bekommt man […] nicht nur 3D-Informationen, sondern viel mehr und das sieht man natürlich nur durch eine Brille!“

JR: „Okay, im Kino sieht der Film dann 3D aus, wie sieht denn dann die Himmelskuppel aus, ist die dann einfach bunt?“

C: „Also, bei uns ist es so, dass unser Spektralprojektor bestimmte Objekte darstellt, die wir auch wechseln können, aber man sieht nie alle Objekte gleichzeitig. Man wird sich dann auf bestimmte Dinge konzentrieren. Diese Dinge sieht man aber schon mit bloßem Auge, aber mit der Spektralbrille sieht man das Spektrum und Veränderungen im Spektrum und weiß dadurch ganz genau, wie sie sich z.B. bewegen oder aus welchem Material sie bestehen. Dadurch kann man z.B. Bewegungsabläufe im Universum bis hin zum Urknall ganz genau durchblicken oder auch sehen, woraus die Sterne und Galaxien so bestehen. Also, das machen wir jetzt in unserer Präsentation, da greifen wir ein Thema raus, auf das wir uns besonders konzentrieren. […]“


Am 24.01. konnte man im Athenaeum besagtes Thema bewundern, welches in einem Anschlussartikel anschaulich von Luise Kranzhoff beschrieben wird.

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