In einer Tüte sind drei rote, vier gelbe und drei grüne Gummibären.
Ohne hineinzuschauen, nimmt Tim gleichzeitig zwei Gummibärchen aus
der Tüte. Mit welcher Wahrscheinlichkeit sind es ein roter und ein
grüner Gummibär? – Wem diese Frage nicht zu knifflig erscheint, der
könnte beim Pangea-Mathematik-Wettbewerb mitmachen. Jedenfalls wenn
er die dritte bis zehnte Klasse besucht. Johannes Hedicke hatte als
Zehntklässler am Athenaeum genau diese Frage in der
Zwischenprüfung, und er hat sie spielend gemeistert. Am Ende kam
der Fredenbecker im Finale auf Bundesebene auf den dritten Platz.
In der Auflösung des Pangea-Wettbewerbs ist übrigens zu lesen, dass
es sich bei den Gummibärchen um eine Wahrscheinlichkeit von 20
Prozent handelt. Begründen müssen die Schüler ihr Ergebnis nicht.
Es reicht, aus fünf vorgeschlagenen Lösungen die richtige
herauszufinden. Das mache auch den Unterschied zur
Mathematik-Olympiade aus, erklärt Johannes Hedicke. Bei dem
Wettkampf der olympischen Mathe-Genies, der gerade in Kapstadt in
Südafrika international fortgeführt wird, muss das richtige
Ergebnis geschrieben werden – ohne eine Vorgabe. Bei der
Mathe-Olympiade hatte es übrigens Hedicke auf den dritten Platz der
Landesgruppe geschafft.
Am Stader Gymnasium Athenaeum gehört Hedicke zur Gruppe von
Mathe-Einser-Kandidaten, die schon mal am Sonnabend zweieinhalb
Stunden extra komplizierte Aufgaben mit ihrem Lehrer Niklas Schwarz
üben, fern der Aufgaben, die sonst im Unterricht angehender
Abiturienten vorkommen.
Mathe-Ass rechnet sich zu Bronze
so erschienen im Stader Tageblatt am 03.07.2014


Auch Roman Rammner gehört zu dieser Gruppe. Er ist zwei Klassenstufen tiefer als Hedicke im Jahrgang acht. Hier hat er ebenfalls erfolgreich am Pangea-Wettbewerb teilgenommen. Auf Bundesebene wurde er Fünfter – als bester Niedersachse. Anfangs waren alle Klassen des Athenaeums beim Pangea-Wettbewerb in Mathematik dabei. Nur die Besten kamen nach Hamburg zur Zwischenrunde. Die nationale Endrunde fand in Gießen statt, erst schriftlich, dann auf der Bühne. Vor mehreren Hundert Zuhörern mussten Hedicke und Rammner das Finale der besten Zehn bestreiten. Von Nervosität keine Spur bei Johannes Hedicke: „Ich habe mich einfach auf die Aufgaben konzentriert“, sagt der 16-Jährige, der in der Verwandtschaft keine Mathematik-Vorbilder hat und von den vier Kindern der Familie auch der einzige mit einer derartigen Vorliebe für Zahlen ist.
Hedicke nimmt die Herausforderung, Lösungen zu finden, stets
sportlich. Ihm macht es Spaß, knifflige Aufgaben zu lösen und
Einblicke in die Mathematik zu bekommen, wie sie später einmal im
Studium gefordert sein könnte. Wobei sich der
Nachwuchs-Rettungsschwimmer des DLRG, der in seiner Freizeit gern
Gitarre spielt oder liest, noch nicht festlegen möchte, was er nach
der Schule beruflich macht.
Bei der Preisverleihung in Hannover gab es für die Mathe-Asse einen
kleinen Vortrag von einem der vielen Experten aus dem
Pangea-Gremium. Thema des Vortrags im Theater am Aegi: eine
Gleichung, die das Wachstum eines Schneckenhauses beschreibt. Die
Schirmherrschaft für den diesjährigen Pangea-Wettbewerb hat
übrigens die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Dr.
Johanna Wanka, übernommen. Die CDU-Politikerin ist Professorin für
Ingenieurmathematik an der Hochschule Merseburg. Ihr Mann ist
ebenfalls deutscher Professor für angewandte Mathematik.
Pangea-Statistik
Beim Finale des Pangea-Mathematik-Wettbewerbs traten 77
Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen drei bis zehn in ihren
Altersklassen gegeneinander an. Etwas auffällig: Fünf der acht
Bundessieger kamen aus Baden-Württemberg. Insgesamt nahmen etwa 107
000 Kinder und Jugendliche von 1200 Schulen teil, die meisten aus
Nordrhein-Westfalen, dahinter Baden-Württemberg, dann
Niedersachsen.


