Wycieczka do Gniezna – Ein polnisches Erlebnis
von Luise Kranzhoff
Am 11. Juni war es endlich so weit. Die deutschen Schüler, die am
Polenaustausch teilgenommen hatten, brachen nach Gniezno in Polen
für einen Gegenbesuch auf.
Bis zum 18. Juni lebten sie in Gastfamilien und ließen sich von
polnischer Kultur, Sprache und Freundlichkeit beeindrucken.
Die Reise stand uns am Mittwoch bevor, denn immerhin ging es in ein
fremdes Land, wo wir uns nicht verständigen konnten, wir würden
viel Unterricht verpassen und direkt nach dem Tag unserer Heimkehr
alle eine Klassenarbeit schreiben.
Acht Stunden waren wir dann mit dem Zug und bei großer Hitze
unterwegs. Auf der Fahrt lernten wir die ersten Worte Polnisch,
denn wir waren interessiert daran, eine slawische Sprache
kennenzulernen.
Wir fuhren über Hamburg und Berlin und dann das letzte Stück von
Posen nach Gniezno mit einem alten Zug, der relativ langsam war.
Dadurch bekamen wir schon einen ersten Eindruck von dem Land.
Am Bahnhof wurden wir dann freudig von unseren Gastfamilien in
Empfang genommen. Sie halfen uns mit unseren Koffern und bei ihnen
zu Hause hatten wir Gelegenheit, etwas zu essen und zu duschen,
bevor wir uns im Stadtzentrum mit den anderen trafen.
Ich bin erst später in den Austausch eingestiegen, daher stellten
sich die polnischen Austauschschüler zunächst vor. Es war eine
bunte Mischung aus Jugendlichen, die zum Teil sehr gut Deutsch oder
Englisch konnten, und anderen, die eher Probleme mit einer der
Sprachen oder beiden hatten. Wir einigten uns still darauf, uns vor
allem auf Englisch zu unterhalten.
Als wir durch die alte Innenstadt zu einem See liefen, stellten wir
fest, dass man noch einige deutsche Bauten erkennen konnte, denn
Gniezno war einmal das deutsche Gnesen. Doch die Stadt hatte zwei
Gesichter. Zum Teil war sie gut restauriert, dazwischen befanden
sich aber auch viele heruntergekommene Häuser.
Dass viele Polen katholisch sind, ließ sich auch beobachten, denn
die Kirchen waren allesamt in einem sehr guten Zustand.
Während unser Zeit in Polen lernten wir nicht nur die Schüler, die
allesamt sehr nett und interessiert waren, besser kennen, sondern
schauten uns auch ein Museum zur Geschichte Polens an, das sich im
Schulgebäude befand. Außerdem fuhren wir in die umliegenden Orte:
In Thorn (Torun) ist zum Beispiel Kopernikus geboren, es lassen
sich die Überreste einer Burg des deutschen Kreuzritterordens
besichtigen und die berühmten Thorner Lebkuchen Kathrinchen konnten
wir uns auch nicht entgehen lassen.
Posen (Poznan) ist eine schöne Stadt mit beeindruckender
Architektur. Aber das ist nicht ihr einziger Vorzug. Auch shoppen
kann man dort sehr gut.
In Powidz befindet sich der größte Militärflughafen Polens. Für
einige war das sicherlich auch ein tolles Erlebnis.
Neben dem von den Lehrern organisierten Programm ließen sich auch
die polnischen Schüler Aktivitäten für uns einfallen. So grillten
wir einige Male zusammen, fuhren Tretboot, schwammen in Seen und
abends ging eine große Gruppe in einen Pub.
Wir lachten sehr viel zusammen. Natürlich gab es
Verständigungsprobleme, aber das nahm sich niemand zu Herzen und am
Ende konnte man seine Gedanken zur Not auch meistens mit einem
herzhaften Lachen zum Ausdruck bringen.
Die Jugendlichen unterscheiden sich eigentlich kaum von uns. Sie
hören die gleiche Musik und ihr Lieblingsladen zum Shoppen ist
H&M. Nur die gesellschaftlichen Unterschiede zwischen den
einzelnen Schülern fielen ins Auge.
Zwischen den polnischen und den deutschen Schülern haben sich
Freundschaften entwickelt und man lacht immer noch über die
schrägen Situationen, die sich auf der Reise ereignet haben. Wir
planen, uns wiederzutreffen, am liebsten noch diesen Sommer, und
gemeinsam etwas zu unternehmen.
Der Abschied trieb fast allen Tränen in die Augen.
Erinnerungsfotos sind aber genug vorhanden: Wir bekamen die
Nachricht, dass eine polnische Schülerin 761 Fotos gemacht hat.
Erschöpft, aber voller schöner Eindrücke fuhren wir nach Hause.

Kennenlernen am ersten Tag: Stundenlange Gespräche über einfach alles leiteten den Austausch ein.

Auf die Smiley-Liste im Deutschraum mussten wir bei der Verständigung eigentlich nie zurückgreifen.

Fußball verbindet die Welt: Deutsche und polnische Schüler traten freundschaftlich gegeneinander an.

Gniezno, eine alte und schöne Stadt

Angekommen im Paradies von Thorn… Neben traditionellen Lebkuchen gab es dort Süßigkeiten für jedermanns Geschmack. Aber immer die Warnung vor schlechten Zähnen beachten (rechts)!

Deutsche Lehrer „quälen“ polnische Schüler am Pranger bei den Ruinen des deutschen Kreuzritterordens…

Kaufland in Gniezno… Warum haben wir keine Süßigkeiten-Bars?!

Gemeinsames Grillen… Vielleicht sollte man einen anderen Grillchef anstatt eines Vegetariers einsetzen!

Wir probierten das typisch polnische Gericht Bigos: Ein gruselig aussehendes Brot, gefüllt mit Sauerkraut und Fleisch

Gemeinsames Tretboot fahren… Der Steuermann verlässt das Schiff und kurz danach fällt die Steuerung aus. Mitten auf dem See saßen wir kurzzeitig fest.

Kultur stand auch auf dem Plan: die schöne Stadt Posen (Poznan)

Salami… Wir würden es „Käse“ nennen.

Minigolf ist scheinbar nur in Deutschland so beliebt. Für die meisten Polen war es ein erstmaliges und exotisches Erlebnis.

Der größte polnische Militärflughafen. Sicher auch für einige eine interessantes Erlebnis…


