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  1. 2014

Yomiuri Shimbun zu Besuch zum Interview mit Dennis Röder

von Luise Kranzhoff

Am Montag, den 28.07.2014, kam während des Athe-Sommer-Seminars internationaler Besuch zu uns ins Athenaeum, um mit dem für seine Arbeit ausgezeichneten Lehrer Dennis Röder zu reden.
Der japanische Journalist Takehito Kudo, der über Berlin und Hamburg angereist war, wollte eine Reportage zum Bildungssystem in Deutschland schreiben.
Primär war es Ziel des Gesprächs, etwas über das Image des Lehrerberufes in Deutschland zu schreiben. Durch Zufall war der Japaner, der für die weltgrößte Zeitung Yomiuri Shimbun aus Japan als für Europa zuständiger Korrespondent arbeitet, auf den Artikel zum Deutschen Lehrerpreis und bat daher um ein Gespräch mit dem Preisträger Dennis Röder, der Lehrer an unserer Schule ist.
Nachdem der Termin um eine Woche verschoben worden war, weil Herr Kudo sich gerade in der Ostukraine befand, erwartete ihn hier erst einmal ein Stau zwischen Hamburg und Stade. Er reiste mit einer Art Praktikantin aus der Ukraine an, deren Aufgabe es war zuzuhören, die jedoch – im Unterschied zu ihm – kein Deutsch sprach.
Elfriede Schöning begrüßte ihn als Vertretung der Schulleitung und führte ihn zunächst in das Seminar von Herrn Röder, der den Schülern gerade etwas über Symbole und Codes von Neonazis erzählte. Dann wurde das Gespräch im Büro des Schulleiters fortgesetzt.
Ich hatte mich darauf eingestellt, dass das Gespräch auf Englisch geführt werden würde, umso überraschter war ich über das Deutsch des Japaners. Ihm fehlten einige Vokabeln und seine Satzstruktur stimmte nicht mit der deutschen Grammatik überein, daher war es nicht so einfach, ihn immer zu verstehen. Er hielt sich jedoch konsequent an Deutsch und wich nicht auf Englisch aus.
Zunächst erzählte Herr Röder etwas über sein Seminar: Er meinte, viele Jugendliche wüssten so wenig über die Symbole der Neonazis und ihre Bedeutung und Verbreitung in Deutschland und insbesondere in Niedersachsen. Codes und Lifestyle würden vernachlässigt im Unterricht. Der Japaner war verwirrt, ob der Unterricht immer so locker sei und wie es zu dieser Idee gekommen sei, schien jedoch interessiert an den Vorteilen des einzigartigen Athe-Sommer-Seminars zu sein. Herr Kudo zeigte aber auch die großen Unterschiede zur grundsätzlichen Unterrichtsgestaltung in Japan auf. Dort seien Gruppenarbeiten und Diskussionen nicht so üblich wie in Deutschland und der Unterricht dauere viel länger. Daher schien der japanischer Journalist auch leicht verwirrt über die kurze Schulzeit während des Athe-Sommer-Seminars zu sein. Was ihn aber geradezu schockte, waren die sechs Wochen Sommerferien, die vor der Tür stehen. Er berichtete von japanischen Lehrern, die nur zehn Tage Ferien hätten, in denen von ihnen Hilfe bei der Organisation von Sportfesten erwartet wird.
Obwohl es nur einen Bruchteil des gesamten Gespräches einnahm, kam auch das Image von Lehrern, das ja bekanntlich nicht so gut ist in Deutschland, zur Sprache. Herrn Röders Einschätzung nach trage ein Lehrerpreis wie der, den er gewonnen habe, positiv zum Eindruck des Berufes bei, der sich sowieso in letzter Zeit langsam aber stetig bessere. Das ist natürlich kein Vergleich zu Japan, wo der Lehrerberuf ein hohes Ansehen in der Gesellschaft genießt. Und niemand würde auf die Idee kommen, japanische Lehrer als faul zu bezeichnen. Fleiß scheint ohnehin die allgemeine japanische Gesinnung zu bestimmen, was laut Herrn Röder und Frau Schöning auch an den Austauschschülern, die immer mal wieder aus Japan zu uns ans Athenaeum kämen, zu beobachten sei. Zu einem besseren Image des Schulsystems in Deutschland tragen nach Frau Schönings Einschätzung Studien und Kontrollen wie die Pisa-Prüfung und Schulinspektionen bei.
Herr Kudo fragte außerdem nach Tipps, die Herr Röder anderen Lehrern geben könne. Dieser nannte vor allem das individuelle Eingehen auf Schülergruppen und aktuelle Themen aber auch das Anleiten der Schüler zu selbstständigem Lernen mit frei zugänglichen Medien wie dem Internet.
Herr Kudo machte sich Notizen und man darf nun gespannt sein, wie er das Schulsystem in Deutschland einschätzt.
Als ich zum Abschluss ein Foto mit seiner Assistentin, ihm und Herrn Röder machte, schien er sich ehrlich zu freuen, dass sein Besuch bei uns auch bei unserer schulinternen Presse beachtet wird.

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