Am Montag, den 28.07.2014, kam während des Athe-Sommer-Seminars
internationaler Besuch zu uns ins Athenaeum, um mit dem für seine
Arbeit ausgezeichneten Lehrer Dennis Röder zu reden.
Der japanische Journalist Takehito Kudo, der über Berlin und
Hamburg angereist war, wollte eine Reportage zum Bildungssystem in
Deutschland schreiben.
Primär war es Ziel des Gesprächs, etwas über das Image des
Lehrerberufes in Deutschland zu schreiben. Durch Zufall war der
Japaner, der für die weltgrößte Zeitung Yomiuri Shimbun aus Japan
als für Europa zuständiger Korrespondent arbeitet, auf den Artikel
zum Deutschen Lehrerpreis und bat daher um ein Gespräch mit dem
Preisträger Dennis Röder, der Lehrer an unserer Schule ist.
Nachdem der Termin um eine Woche verschoben worden war, weil Herr
Kudo sich gerade in der Ostukraine befand, erwartete ihn hier erst
einmal ein Stau zwischen Hamburg und Stade. Er reiste mit einer Art
Praktikantin aus der Ukraine an, deren Aufgabe es war zuzuhören,
die jedoch – im Unterschied zu ihm – kein Deutsch sprach.
Elfriede Schöning begrüßte ihn als Vertretung der Schulleitung und
führte ihn zunächst in das Seminar von Herrn Röder, der den
Schülern gerade etwas über Symbole und Codes von Neonazis erzählte.
Dann wurde das Gespräch im Büro des Schulleiters fortgesetzt.
Ich hatte mich darauf eingestellt, dass das Gespräch auf Englisch
geführt werden würde, umso überraschter war ich über das Deutsch
des Japaners. Ihm fehlten einige Vokabeln und seine Satzstruktur
stimmte nicht mit der deutschen Grammatik überein, daher war es
nicht so einfach, ihn immer zu verstehen. Er hielt sich jedoch
konsequent an Deutsch und wich nicht auf Englisch aus.
Zunächst erzählte Herr Röder etwas über sein Seminar: Er meinte,
viele Jugendliche wüssten so wenig über die Symbole der Neonazis
und ihre Bedeutung und Verbreitung in Deutschland und insbesondere
in Niedersachsen. Codes und Lifestyle würden vernachlässigt im
Unterricht. Der Japaner war verwirrt, ob der Unterricht immer so
locker sei und wie es zu dieser Idee gekommen sei, schien jedoch
interessiert an den Vorteilen des einzigartigen
Athe-Sommer-Seminars zu sein. Herr Kudo zeigte aber auch die großen
Unterschiede zur grundsätzlichen Unterrichtsgestaltung in Japan
auf. Dort seien Gruppenarbeiten und Diskussionen nicht so üblich
wie in Deutschland und der Unterricht dauere viel länger. Daher
schien der japanischer Journalist auch leicht verwirrt über die
kurze Schulzeit während des Athe-Sommer-Seminars zu sein. Was ihn
aber geradezu schockte, waren die sechs Wochen Sommerferien, die
vor der Tür stehen. Er berichtete von japanischen Lehrern, die nur
zehn Tage Ferien hätten, in denen von ihnen Hilfe bei der
Organisation von Sportfesten erwartet wird.
Obwohl es nur einen Bruchteil des gesamten Gespräches einnahm, kam
auch das Image von Lehrern, das ja bekanntlich nicht so gut ist in
Deutschland, zur Sprache. Herrn Röders Einschätzung nach trage ein
Lehrerpreis wie der, den er gewonnen habe, positiv zum Eindruck des
Berufes bei, der sich sowieso in letzter Zeit langsam aber stetig
bessere. Das ist natürlich kein Vergleich zu Japan, wo der
Lehrerberuf ein hohes Ansehen in der Gesellschaft genießt. Und
niemand würde auf die Idee kommen, japanische Lehrer als faul zu
bezeichnen. Fleiß scheint ohnehin die allgemeine japanische
Gesinnung zu bestimmen, was laut Herrn Röder und Frau Schöning auch
an den Austauschschülern, die immer mal wieder aus Japan zu uns ans
Athenaeum kämen, zu beobachten sei. Zu einem besseren Image des
Schulsystems in Deutschland tragen nach Frau Schönings Einschätzung
Studien und Kontrollen wie die Pisa-Prüfung und Schulinspektionen
bei.
Herr Kudo fragte außerdem nach Tipps, die Herr Röder anderen
Lehrern geben könne. Dieser nannte vor allem das individuelle
Eingehen auf Schülergruppen und aktuelle Themen aber auch das
Anleiten der Schüler zu selbstständigem Lernen mit frei
zugänglichen Medien wie dem Internet.
Herr Kudo machte sich Notizen und man darf nun gespannt sein, wie
er das Schulsystem in Deutschland einschätzt.
Als ich zum Abschluss ein Foto mit seiner Assistentin, ihm und
Herrn Röder machte, schien er sich ehrlich zu freuen, dass sein
Besuch bei uns auch bei unserer schulinternen Presse beachtet wird.
Yomiuri Shimbun zu Besuch zum Interview mit Dennis Röder
von Luise Kranzhoff




