„Der erste Weltkrieg ist aktueller denn je.“ Immer wieder betont
Jan Effinger von der deutschen Kriegsgräberfürsorge, die dem
Athenaeum diese Ausstellung zur Verfügung stellt, in seiner
Eröffnungsrede die Gegenwärtigkeit und Aktualität dieses Themas.
Viele Konflikte, die gegenwärtig die Welt erschüttern, hätten ihre
Wurzeln im ersten Weltkrieg, so beispielsweise der Krieg im Nahen
Osten oder auch der Ukrainekonflikt. Auf drei Stellwänden wird
anschaulich und reich bebildert über die Geschichte des ersten
Weltkrieges berichtet. Die Ausstellung, die im Athenaeum noch bis
zum 5. Dezember zur Verfügung steht, geht auf den Ausbruch, den
Verlauf und die Nachkriegszeit sowie auf die europäischen Staaten
und das Leben der Menschen während dieser Zeit ein.
Im Zusammenhang mit dieser Ausstellung fand am 27.11. 2014 der
Vortrag „Europa und der 1. Weltkrieg – die Friedensbotschaft von
Fiquelmont“ statt.
Im Jahr 1981 entdeckt Fernand Boulanger bei Bauarbeiten auf dem
Dachboden seines Bauernhofes im französischen Fiquelmont ein
angelaufenes kleines Schnapsfläschchen. Die Flasche ist alt und
lässt sich auf normalem Wege nicht öffnen, so dass er ein Stück
Glas herausbricht. Zum Vorschein kommt ein für ihn unlesbares Stück
Papier, doch er hat die richtige Vermutung: Diese Flasche wurde von
den deutschen Soldaten, die sich während des ersten Weltkrieges auf
dem Bauernhof aufhielten, dort hinterlassen. Schließlich gelangt
das Papier in die Hände von Spezialisten der französischen
Luftwaffe, die eine beeindruckende Friedensbotschaft entziffern. In
der am 17. Juli 1916 geschriebenen Botschaft drücken die 6 Soldaten
den damals noch sehr ungewöhnlichen Wunsch nach einem geeinten
Europa aus. Nur dies könne dauerhaft für Wohlstand und Frieden
sorgen.
Eine Flaschenpost aus dem Krieg:
Die Friedensbotschaft von Fiquelmont
von Maike Mayer


Diese Botschaft entstand als Abschied von dem Bauernhof. Das
Husarenregiment wird versetzt, wohin sie kommen, wissen die
Soldaten nicht. „Vielleicht braucht das Monster Militär neue
Opfer“, so schreiben sie in ihrer Flaschenpost. Gemeint ist die
Schlacht von Verdun. Obwohl die Deutschen diese Stadt von drei
Seiten auf einmal angriffen, war bereits vor dem Angriff klar, dass
Verdun aufgrund seiner erstklassigen Verteidigungsanlagen nur unter
hohen Verlusten auf beiden Seiten einzunehmen war. Durch neue
Waffen wie Maschinengewehre, Flammenwerfer und Chlorgasangriffe
fallen hier in 5 Monaten 200.000 Soldaten. Nur vier Kilometer
konnte die deutsche Armee während dieser Zeit erobern.
Lebhaft erzählt Ingo Espenschied, der gemeinsam mit seinem
französischem Kollegen Richard Stock die Präsentation entwickelt
hat, mit Hilfe der Friedensbotschaft von Fiquelmont die Geschichte
des ersten Weltkrieges. Eindrucksvoll begleitet wird sein Vortrag
von der großen Kinoleinwand, die ständig mit unterstützenden
Bildern gefüllt ist. Diese Bilder sowie Tonaufnahmen und Videos
werden häufig in den Vortrag mit eingebunden, ohne dass das Ganze
unpassend wirkt. Vom Bauernhof in Lothringen nimmt einen der
Vortrag mit ins Europa vor dem Weltkrieg, in die Schlacht von
Verdun und schließlich auch ins Nachkriegsdeutschland von den
ersten europäischen Ideen über den zweiten Weltkrieg zur Gründung
der Europäischen Union und schließlich zu den zentralen
Gedenkfeierlichkeiten zum Ausbruch des ersten Weltkrieges, die in
diesem Jahr stattfanden. Hier schließt sich der Kreis zu der
Flaschenpost, die die Husaren ihm vor rund hundert Jahren in
Fiquelmont hinterließen: Der französische Präsident Holland setzt
sie ans Ende seiner Rede bei den zentralen Gedenkfeierlichkeiten
zum Beginn des ersten Weltkrieg. Damit endet auch der Vortrag.
Die Reaktionen der Schüler fallen überwiegend positiv aus, einzig
zum Ende sei die Erzählung für sie etwas langatmig gewesen,
größtenteils aber interessant und anschaulich. Hat man den Vortrag
verpasst, besteht noch bis zum 5. Dezember die Möglichkeit sich die
Ausstellung im Forum anzusehen.


