Nicht mehr lang bis zum Beginn von "Athe rockt". Warum wir da
hingehen? Nun ja, wir Jugendreporter sind nun mal unheimlich
„wichtig“☺ und haben deshalb Freikarten bekommen. Außerdem möchten
wir für die, die aus welchen Gründen auch immer nicht kommen
konnten, über den Abend berichten.
Als wir den alten Schlachthof betreten, werden wir bereits von
begeisterten Empfangsleuten erwartet und bekommen coole Stempel mit
einer Athene und unserem Alter. Da sich niemand für die
Einlasszeiten interessiert, sind wir vor sieben Uhr im Saal und
damit einige der Ersten. Als wir die drei Kartenverkäufer und
professionelle Stempelverteiler fragen, warum sie das heute machen,
bekommen wir die Antworten: "Ich bin in der SV.", "Ich hatte gerade
Bock drauf und sitze erst seit eben hier." und "Ich sitze
seinetwegen auch seit eben erst hier." Die Organisation überzeugt
also schon mal. Apropos Organisation: Schnell entdecken wir die
Ursache des Ganzen. Schülersprecher Marvin Ruder rennt geschäftig
durch die Räume und organisiert letzte Details. Zeit für uns hat er
trotzdem und erzählt uns prompt, dass er nicht die Ursache des
Ganzen sei. Dahin ist unser Erfolgserlebnis. Allerdings ist auch er
in der Lage, uns zu erklären, dass „Athe rockt“ vor einigen Jahren
bereits statt gefunden hat, aber wegen der Renovierung des alten
Schlachthofes abgebrochen wurde. Die Wiederbelebung des
Schulkonzertes läuft seit den Sommerferien und der tatsächliche
Ursprung der Idee sei Nils Ruff, der Schlagzeuger von "Seasons of
the Mind", der zweiten Band des Abends. Freundlich wie er ist,
drückt unser Schülervertreter uns auch direkt leuchtend gelbe
VIP-Bändern in die Hand, damit wir im Backstage-Bereich die Bands
belästigen können. Ooh, süßer Triumph.
Inzwischen erspähen wir erste den Saal betretende Gäste und stürzen
uns auf sie. Anschließend blockieren wir den Eingang und lassen die
Leute erst rein, wenn sie uns etwas über ihre Erwartungen erzählt
haben. Im Endeffekt outen sich alle Leute über 20 als Eltern oder
anderweitig Verwandte von Bandmitgliedern. Die restlichen Besucher,
hauptsächlich Schüler, sind zum Teil ebenfalls mit den
Bandmitgliedern bekannt, wurden von Freunden bequatscht, durch die
Facebookeinladung bekehrt oder sie sind einfach nur deswegen da,
weil das Konzert nur drei Euro kostete und sie eigentlich sowieso
nichts Besseres zu tun hatten. In unseren Notizen wird sich später
unglaublich oft "der 3-Euro-Gund" finden. Schade eigentlich.
Das Athe hat gerockt...
...und (getanzte) Prügeleien gab es nur beim Slamdancing
von Adriana Dinter und Melina Umland


Nachdem der erste "Ansturm " vorbei ist, entdecken wir neben der
Tür einen Tisch. Und auf diesem liegen Sticker. Viele Sticker.
"Seasons of the Mind" und "Axid Rain", die dritte und erfahrenste
Band, hatten jeweils einen Sticker ihrer Band ausgelegt. "The
Bunchies" aber überrollten uns mit einer Flut an Stickern mit
witzigen Sprüchen und klarer politischer Ausrichtung, die man im
Übrigen auch auf dem Bandplakat mit den Aufdruck "Antifaschistische
Aktion" erahnen konnte. Begeistert nehmen wir uns einen von jedem
Stickerhaufen und sind glücklich. Wir können noch nicht wissen,
dass die Sticker später allgegenwärtig sein werden.
Selbstverständlich begeben wir uns danach auch direkt hinter die
Bühne. Als wir im stillen, menschenleeren Flur vor den Räumen der
Bands stehen, drehen wir beinahe wieder um, als irgendwer im
Seiteneingang erscheint. "Gehörst du zu einer Band?" Ja, tut er. Er
nimmt uns auch gleich mit zu "Seasons of the Mind" und trommelt
seine Bandkollegen zusammen. Der mysteriöse Mann mit Bart stellt
sich als Nils Ruff vor, den wir ja sowieso gesucht haben. Genau wie
seine Bandkollegen ist er kein bisschen nervös und flätzt sich
gemütlich auf dem Sofa herum. Dabei erzählt er uns, dass er gerne
ein Konzert für junge Bands mit einfachen Mitteln gestalten möchte,
damit diese erste Bühnenerfahrungen sammeln können. Im Endeffekt
hatten zwar alle Bands schon ein wenige Erfahrung, aber was soll's.
Außerdem erzählen uns die Bandmitglieder noch, dass der
grammatikalische Fehler in ihrem Namen "beabsichtigt" sei und sie
gerne noch professionell ins Musikgeschäft einsteigen würden.

Als wir nach diesem freundlichen Gespräch den Raum verlassen, kommt
uns direkt die nächste Band zum Interview entgegen. Oder auch, um
zu ihrem Auftritt zu gehen. Eilig begeben wir uns vor die Bühne und
erwarten die Eröffnung von "The Bunchies".
"Ihr könnt ruhig näher kommen, ich habe nicht vor ins Publikum zu
pinkeln." Ach, was beginnt der Abend doch gut. Nachdem die Band die
traurig unterbesetzte Zuschauermenge vor der Bühne versammelt hat,
beginnt ihr Auftritt, bei dem zwischen den einzelnen Liedern
reichlich lustige Sprüche folgen. Trotz aller Souveränität des
Hauptsprechers der Band merkt man dieser doch etwas ihre Nervosität
an, wozu auch die Schwierigkeit eines furchtbar unmotivierten
Publikums kommt, welches die Band erst in hingebungsvoller
Kleinarbeit in Stimmung bringen muss. Nur einer ist von Anfang an
mit vollem Körpereinsatz dabei und motiviert schnell weitere
Tänzer.
Kleine Info aus Wikipedia am Rande: "Beim Slamdancing, oder auch
„slammen“, werden andere Mittänzer bewusst gestoßen, geschubst und
angerempelt. Für außenstehende Betrachter wirken solche Tänze oft
wie riesige Massenschlägereien, allerdings führen sie selten zu
ernsthaften Verletzungen, da sich die Beteiligten keine Schmerzen
zufügen wollen."

Nachdem "The Bunchies" mit aller Mühe die Stimmung bei den
Zuschauern gelockert hat, kündigen sie fröhlich "die Band mit dem
Grammatikfehler im Namen" an. Das Publikum verhielt sich bei
"Seasons of the Mind" bereits deutlich mutiger und tanzte zur
Musik. Man merkte der Band ihre größere Vorerfahrung an, außerdem
interagierten die Bandmitglieder mehr miteinander und wirkten
bühnenpräsenter. Während des Auftritts kündigt die Band allerdings
eine traurigte Nachricht an: Das "Athe rockt" ist ihr letztes
gemeinsames Konzert, danach lösen sie sich auf. Wir sind schwer
geschockt, das wäre im Interview ja schon mal einen Satz wert
gewesen. Vielleicht sehen wir sie ja in anderen Bands wieder. In
Naherwartung des Endes ihrer gemeinsamen Zeit verfeuern die "Season
of the Mind"-Mitglieder aber alle ihre Sticker - deutlich mehr, als
auf dem Tisch lagen. Als Resultat der Begeisterung für die Band und
der Stickerflut kleben diese später über all. Wirklich ÜBER-ALL. An
der Bühne, auf den Bandmitgliedern, auf den Gästen und auf den
Musikinstrumenten.
Nach diesem emotionalen Auftritt kommen dann "Axid Rain". Sie haben
bei Weitem das meiste Selbstvertrauen und die polarisierendste
Kleidung nach Manier des Rock-Klischees. Diese Band hat nichts mit
dem Athenaeum zu tun, sondern kommt aus der Nähe von Freiburg. Sie
sind begeistert, in Stade spielen zu können und kündigen ihr Anfang
nächsten Jahres erscheinendes Album an. Von den sowieso schon
spärlich vorhandenden Zuschauern sind zu so fortgeschrittener
Stunde nur noch etwa die Hälfte übrig: Die anderen stehen entweder
draußen oder sind bereits gegangen. Dafür feuert das noch
vorhandende Publikum - von den anderen Bands in Stimmung gebracht -
"Axid Rain" mit doppelter Motivation an. Auch die außergewöhnliche
Tanzgruppe hat im Laufe des Abends eine beachtliche Größe erreicht
und hält sich tapfer und sehr sportlich bis zum Schluss.
Nach dem Ende der Auftritte verschwinden die Gäste dafür
fluchtartig: Alle sind erschöpft, aber hoch begeistert. Danke an
die Bands und die Organisatoren der SV!
Es ist eine Schande für alle, die nicht erschienen sind, allerdings
vermuten wir, dass bei regelmäßiger Veranstaltung von "Athe rockt"
auch mehr Leute den Weg dorthin finden werden um die großartigen
Bands zu würdigen.


