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  1. 2014

Das Athe hat gerockt...
...und (getanzte) Prügeleien gab es nur beim Slamdancing

von Adriana Dinter und Melina Umland

Nicht mehr lang bis zum Beginn von "Athe rockt". Warum wir da hingehen? Nun ja, wir Jugendreporter sind nun mal unheimlich „wichtig“☺ und haben deshalb Freikarten bekommen. Außerdem möchten wir für die, die aus welchen Gründen auch immer nicht kommen konnten, über den Abend berichten.

Als wir den alten Schlachthof betreten, werden wir bereits von begeisterten Empfangsleuten erwartet und bekommen coole Stempel mit einer Athene und unserem Alter. Da sich niemand für die Einlasszeiten interessiert, sind wir vor sieben Uhr im Saal und damit einige der Ersten. Als wir die drei Kartenverkäufer und professionelle Stempelverteiler fragen, warum sie das heute machen, bekommen wir die Antworten: "Ich bin in der SV.", "Ich hatte gerade Bock drauf und sitze erst seit eben hier." und "Ich sitze seinetwegen auch seit eben erst hier." Die Organisation überzeugt also schon mal. Apropos Organisation: Schnell entdecken wir die Ursache des Ganzen. Schülersprecher Marvin Ruder rennt geschäftig durch die Räume und organisiert letzte Details. Zeit für uns hat er trotzdem und erzählt uns prompt, dass er nicht die Ursache des Ganzen sei. Dahin ist unser Erfolgserlebnis. Allerdings ist auch er in der Lage, uns zu erklären, dass „Athe rockt“ vor einigen Jahren bereits statt gefunden hat, aber wegen der Renovierung des alten Schlachthofes abgebrochen wurde. Die Wiederbelebung des Schulkonzertes läuft seit den Sommerferien und der tatsächliche Ursprung der Idee sei Nils Ruff, der Schlagzeuger von "Seasons of the Mind", der zweiten Band des Abends. Freundlich wie er ist, drückt unser Schülervertreter uns auch direkt leuchtend gelbe VIP-Bändern in die Hand, damit wir im Backstage-Bereich die Bands belästigen können. Ooh, süßer Triumph.

Inzwischen erspähen wir erste den Saal betretende Gäste und stürzen uns auf sie. Anschließend blockieren wir den Eingang und lassen die Leute erst rein, wenn sie uns etwas über ihre Erwartungen erzählt haben. Im Endeffekt outen sich alle Leute über 20 als Eltern oder anderweitig Verwandte von Bandmitgliedern. Die restlichen Besucher, hauptsächlich Schüler, sind zum Teil ebenfalls mit den Bandmitgliedern bekannt, wurden von Freunden bequatscht, durch die Facebookeinladung bekehrt oder sie sind einfach nur deswegen da, weil das Konzert nur drei Euro kostete und sie eigentlich sowieso nichts Besseres zu tun hatten. In unseren Notizen wird sich später unglaublich oft "der 3-Euro-Gund" finden. Schade eigentlich.

Nachdem der erste "Ansturm " vorbei ist, entdecken wir neben der Tür einen Tisch. Und auf diesem liegen Sticker. Viele Sticker. "Seasons of the Mind" und "Axid Rain", die dritte und erfahrenste Band, hatten jeweils einen Sticker ihrer Band ausgelegt. "The Bunchies" aber überrollten uns mit einer Flut an Stickern mit witzigen Sprüchen und klarer politischer Ausrichtung, die man im Übrigen auch auf dem Bandplakat mit den Aufdruck "Antifaschistische Aktion" erahnen konnte. Begeistert nehmen wir uns einen von jedem Stickerhaufen und sind glücklich. Wir können noch nicht wissen, dass die Sticker später allgegenwärtig sein werden.

Selbstverständlich begeben wir uns danach auch direkt hinter die Bühne. Als wir im stillen, menschenleeren Flur vor den Räumen der Bands stehen, drehen wir beinahe wieder um, als irgendwer im Seiteneingang erscheint. "Gehörst du zu einer Band?" Ja, tut er. Er nimmt uns auch gleich mit zu "Seasons of the Mind" und trommelt seine Bandkollegen zusammen. Der mysteriöse Mann mit Bart stellt sich als Nils Ruff vor, den wir ja sowieso gesucht haben. Genau wie seine Bandkollegen ist er kein bisschen nervös und flätzt sich gemütlich auf dem Sofa herum. Dabei erzählt er uns, dass er gerne ein Konzert für junge Bands mit einfachen Mitteln gestalten möchte, damit diese erste Bühnenerfahrungen sammeln können. Im Endeffekt hatten zwar alle Bands schon ein wenige Erfahrung, aber was soll's. Außerdem erzählen uns die Bandmitglieder noch, dass der grammatikalische Fehler in ihrem Namen "beabsichtigt" sei und sie gerne noch professionell ins Musikgeschäft einsteigen würden.

Als wir nach diesem freundlichen Gespräch den Raum verlassen, kommt uns direkt die nächste Band zum Interview entgegen. Oder auch, um zu ihrem Auftritt zu gehen. Eilig begeben wir uns vor die Bühne und erwarten die Eröffnung von "The Bunchies".
"Ihr könnt ruhig näher kommen, ich habe nicht vor ins Publikum zu pinkeln." Ach, was beginnt der Abend doch gut. Nachdem die Band die traurig unterbesetzte Zuschauermenge vor der Bühne versammelt hat, beginnt ihr Auftritt, bei dem zwischen den einzelnen Liedern reichlich lustige Sprüche folgen. Trotz aller Souveränität des Hauptsprechers der Band merkt man dieser doch etwas ihre Nervosität an, wozu auch die Schwierigkeit eines furchtbar unmotivierten Publikums kommt, welches die Band erst in hingebungsvoller Kleinarbeit in Stimmung bringen muss. Nur einer ist von Anfang an mit vollem Körpereinsatz dabei und motiviert schnell weitere Tänzer.
Kleine Info aus Wikipedia am Rande: "Beim Slamdancing, oder auch „slammen“, werden andere Mittänzer bewusst gestoßen, geschubst und angerempelt. Für außenstehende Betrachter wirken solche Tänze oft wie riesige Massenschlägereien, allerdings führen sie selten zu ernsthaften Verletzungen, da sich die Beteiligten keine Schmerzen zufügen wollen."

Nachdem "The Bunchies" mit aller Mühe die Stimmung bei den Zuschauern gelockert hat, kündigen sie fröhlich "die Band mit dem Grammatikfehler im Namen" an. Das Publikum verhielt sich bei "Seasons of the Mind" bereits deutlich mutiger und tanzte zur Musik. Man merkte der Band ihre größere Vorerfahrung an, außerdem interagierten die Bandmitglieder mehr miteinander und wirkten bühnenpräsenter. Während des Auftritts kündigt die Band allerdings eine traurigte Nachricht an: Das "Athe rockt" ist ihr letztes gemeinsames Konzert, danach lösen sie sich auf. Wir sind schwer geschockt, das wäre im Interview ja schon mal einen Satz wert gewesen. Vielleicht sehen wir sie ja in anderen Bands wieder. In Naherwartung des Endes ihrer gemeinsamen Zeit verfeuern die "Season of the Mind"-Mitglieder aber alle ihre Sticker - deutlich mehr, als auf dem Tisch lagen. Als Resultat der Begeisterung für die Band und der Stickerflut kleben diese später über all. Wirklich ÜBER-ALL. An der Bühne, auf den Bandmitgliedern, auf den Gästen und auf den Musikinstrumenten.

Nach diesem emotionalen Auftritt kommen dann "Axid Rain". Sie haben bei Weitem das meiste Selbstvertrauen und die polarisierendste Kleidung nach Manier des Rock-Klischees. Diese Band hat nichts mit dem Athenaeum zu tun, sondern kommt aus der Nähe von Freiburg. Sie sind begeistert, in Stade spielen zu können und kündigen ihr Anfang nächsten Jahres erscheinendes Album an. Von den sowieso schon spärlich vorhandenden Zuschauern sind zu so fortgeschrittener Stunde nur noch etwa die Hälfte übrig: Die anderen stehen entweder draußen oder sind bereits gegangen. Dafür feuert das noch vorhandende Publikum - von den anderen Bands in Stimmung gebracht - "Axid Rain" mit doppelter Motivation an. Auch die außergewöhnliche Tanzgruppe hat im Laufe des Abends eine beachtliche Größe erreicht und hält sich tapfer und sehr sportlich bis zum Schluss.
Nach dem Ende der Auftritte verschwinden die Gäste dafür fluchtartig: Alle sind erschöpft, aber hoch begeistert. Danke an die Bands und die Organisatoren der SV!
Es ist eine Schande für alle, die nicht erschienen sind, allerdings vermuten wir, dass bei regelmäßiger Veranstaltung von "Athe rockt" auch mehr Leute den Weg dorthin finden werden um die großartigen Bands zu würdigen.

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