Warum sie sich für dieses Land entschieden hat? Dafür gibt es viele
Gründe: Zum einen sollte die Landschaft beeindruckend sein, die
Leute nett, das Schulsystem entspannt. Viel mehr Erwartungen hatte
Rieke Heitmann nicht, als sie sich dieses Jahr Anfang September
nach Klasse 10 auf die große Reise machte. Natürlich verspricht sie
sich außerdem, ein exzellentes Englisch zu sprechen, wenn sie
wiederkommt.
Die ersten Eindrucke überzeugten sie sofort: Die Berge überall, das
Englisch, was gar nicht so schwer zu verstehen war. Alles erschien
einfacher und der Start war trotz kleinem Jetlag sehr entspannt,
immerhin streikten die Lehrer ihrer Schule und sie hatte Zeit, sich
einzugewöhnen, die Gastfamilie und die Gegend kennen zu lernen.
Schon in der Anfangszeit fielen ihr viele Besonderheiten auf: So
ist es – anders als bei uns – in Kanada üblich, zu jeder
Gelegenheit Smalltalk zu führen. Auch das Schulsystem war ganz
anders und ihrer Meinung viel besser als unseres. Es wird viel Auto
gefahren und es gibt kaum Züge.
Ihre Gastfamilie ist ein etwas älteres Ehepaar. Ken, der Gastvater,
ist oft nicht da, aber Marion kümmert sich um Rieke. Sie essen
gemeinsam, unternehmen viel und haben auch schon Ausflüge in die
USA gemacht.
Die Wochenenden sind vollgestopft mit Programm: Rieke unternimmt
viel mit Freunden oder der Tochter und dem Enkelkind ihrer
Gastfamilie, Farrah und Brocklyn. Gerade zu dieser Zeit ergeben
sich auch viele saisonale Aktivitäten. So konnte Rieke zum Beispiel
ein Lebkuchenhaus bauen und freut sich schon auf das Baumschmücken,
das demnächst ansteht.
Athenaer erkunden die Welt:
Rieke Heitmann genießt die Zeit in Kanada
von Luise Kranzhoff


In der Schule ist sie von mündlichen Noten erlöst. Es werden nur
sogenannte Assessments, also abgegebene schriftliche Leistungen wie
Hausaufgaben oder Mitschriften im Unterricht benotet. Pro Halbjahr
gibt es vier Fächer, der Stundenplan wechselt wöchentlich und die
Clubs, die in etwa unseren AGs entsprechen, nehmen eine größere
Rolle ein als bei uns. Rieke versucht sich in Culture und Archery
(Bogenschießen). Begeistert berichtet sie, man könne so viel machen
und sie habe noch zu vielen anderen Aktivitäten Lust. Besonders
freut sie sich allerdings auf das Skifahren. In Kanada ist es
ziemlich schlagartig Winter geworden, wodurch auch der Schulweg zum
Teil bei Eis und Schnee problematisch wird.
Und natürlich wird man in einem fremden Land auch mit Vorurteilen
konfrontiert: Deutschland ist bekannt für sein Bier und die Sprache
hört sich wütend und abgehackt an, behaupten jedenfalls die
Kanadier. Und das Wichtigste ist: Deutschland ist gleichbedeutend
mit Bayern.
Die Begeisterung über dieses Land ist groß, aber natürlich vermisst
Rieke Familie, Freunde und vor allem, dass man auch alleine überall
hinkommt.
Wenn sie wiederkommt, wird sie viele Geschichten zu erzählen haben.
Schon jetzt erzählt sie lebhaft von einem Bär, der sich nächtlich
am Müll zu schaffen macht, den deutschen Austauschschülern, die
nach Hause geschickt werden, weil sie sich zunutze machen, dass man
so leicht an Drogen kommt, zahlreichen Ausflügen in die USA und den
klischeehaften Schulbussen...




