In der Woche vom 29. November bis zum 6. Dezember war das berühmte
Mathematikmuseum „Mathematicum“ aus Gießen zu Gast bei uns am Athe.
Zur Eröffnung am 29.11. hat Professor Beutelspacher, der Direktor
des Mathematikums, der sich dafür einsetzt, die Mathematik einer
breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen, einen etwa einstündigen
Vortrag vor ungefähr 80 Zuhörern im Forum des Athenaeums gehalten.
Das „Mathematikum“ hat auch einige Exponate ausgeliehen, die in der
Aula ausgestellt waren.
Zu Beginn seines Vortrages hat Professor Beutelspacher den Sinn
eines mathematischen Experiments erklärt. Durch ein mathematisches
Experiment beweise man im Gegensatz zu den Naturwissenschaften
keine Gesetze. Das Experiment diene stattdessen dazu, das Wirken
der Gesetze zu illustrieren.
Danach führte er auch gleich ein Experiment durch, das sie nicht in
ein Exponat verwandeln konnten. Dabei werden zwei Fäden in einer
Hand gehalten und man lässt die vier Enden der Fäden so
herabhängen, dass nicht mehr zu erkennen ist, welches Ende zu
welchem Faden gehört. Dann werden je zwei Fäden miteinander
verknotet, so dass entweder ein großer Ring oder zwei kleine
entstehen. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit für einen großen Ring
deutlich größer als für zwei kleine Ringe. Das liegt daran, dass
noch ein Ende desselben Fadens und zwei Enden des anderen Fadens
übrig sind, wenn man ein Ende hält. Dadurch liegt die
Wahrscheinlichkeit dafür, zwei Fäden miteinander zu verbinden, bei
etwa 67%.
Außerdem hat er bei einer zufällig ausgewählte Zahl die Anzahl an
Buchstaben gezählt, die für die Darstellung in Worten benötigt
werden. Bei der dort entstehenden Zahl wurde das wieder gemacht,
und das wurde so oft wiederholt, bis es nicht mehr ging. Die Zahl,
bei der man unabhängig von der Ausgangszahl stehen bleibt, ist die
Vier, da sie so viele Buchstaben hat, wie ihr Zahlenwert ausmacht.
Für Mathematiker logisch, für Laien erst einmal sehr verblüffend.
Mathe am Athe – Spannende Wahrscheinlichkeiten
von Michael Gisbrecht


Danach wurden zur der Ausstellung gehörende Exponate vorgestellt.
Ein Exponat war das Galton-Brett (s. Bild). Oben werden kleine
Kugeln eingelassen, die nach unten in verschiedene Auffangbecken
rollen. Dabei müssen sie sich an verschiedenen Stellen zwischen
zwei Richtungen „entscheiden“. Die mittleren Auffangbecken haben
dabei eine höhere Wahrscheinlichkeit, während sich nur äußerst
selten ein Kügelchen nach außen verirrt. Das hat, anders als viele
es sagen, nichts damit zu tun, dass ein Weg kürzer ist oder die
Schwerkraft die Kugel stärker zur Mitte zieht, sondern wird durch
die unterschiedliche Anzahl an Wegen bewirkt, die zu einem Becken
führen. In die äußersten führt nur jeweils ein Weg, sodass sich
eine Kugel immer für „links“ entscheiden müsste, um nach links
außen zu kommen. In die Mitte führen deutlich mehr Wege, und so
kommen die meisten Kugeln zur Mitte.

Auch gibt es einen Nachweis des sogenanntem Bentfordschen Gesetzes.
Dieses besagt, dass die Eins als Anfangsnummer in Ziffern deutlich
öfter als beispielsweise die neun vorkommt. Dabei wurden auf Seiten
aus dem „Stader Tageblatt“ die Zahlen mit Steinen unterschiedlicher
Farben markiert. Eine Seite wartete dabei mit einer Überraschung
auf: Die Zwei war einmal öfter zu finden als die Eins.
Das Gesetz kann verwendet werden, um Bilanzfälschungen zu
entdecken. Beispielsweise haben Forscher der technischen
Universität Ilmenau mithilfe dieses Gesetzes im Jahr 2011
nachgewiesen, dass Griechenland seine Bilanzen gefälscht hatte.
Auf einer Scheibe waren Buchstaben zu sehen. Löcher waren in eine
Platte eingelassen, wodurch nur bestimmte Buchstaben sichtbar sind.
Auf dem Foto ist die Scheibe so gedreht, dass dort eine sinnvolle
Botschaft zu lesen ist: Meistens ergibt sich nur Chaos.
Laut Professor Beutelspacher ist das Exponat mit der längsten
Aufenthaltsdauer der Besucher die Würfelschlange. Bei ihr werden
viele Würfel hintereinander gelegt. Dann geht man vom ersten Würfel
an jeweils um die Augenzahl nach vorne, die der Würfel zeigt. Das
wiederholt man bis es nicht mehr möglich ist. Die Würfel dahinter
werden entfernt, sodass er auch der letzte Würfel ist. Dann würfelt
man mit dem ersten Würfel erneut und beginnt alles wieder von
vorne. Mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit landet man am Ende auf
dem selben Würfel. Das kommt daher, dass man dann, wenn man einmal
auf einen Würfel kommt, den man im ersten Durchgang passierte,
wieder auf das selbe Resultat kommt. Dies ist umso
wahrscheinlicher, je mehr Würfel benutzt werden. Professor
Beutelspacher meinte in dem Vortrag, dass er bei sechzig Würfeln
ein Monatsgehalt darauf setzen würde.
Das war nur eine Auswahl aus vielen spannenden Experimenten, die
aus Platzgründen nicht alle im Einzelnen aufgeführt werden können.
Aber die Schüler haben ja die Gelegenheit, selber alle
Ausstellungsstücke zu begutachten rege wahr genommen.


