Asnate Else - eine Lettin im „winterwarmen“ Deutschland
Asnate kommt aus Lettland, ist 17 Jahre alt und liebt Deutschland.
Im Moment besucht sie die 11. Klasse des Athenaeums. Am 10. August
machte sie sich aus ihrer Heimatstadt mit dem Namen Valmiera, die
im Norden des Landes liegt, auf den Weg nach Hamburg, um dort ein
einwöchiges Orientierungsseminar zu besuchen. Hamburg machte sofort
großen Eindruck auf sie; immerhin hat die Stadt fast so viele
Einwohner wie ganz Lettland und das Shoppen macht besonders viel
Spaß.
Jetzt wohnt Asnate bis zum 3. Juli 2015 in Neuenkirchen. Mit klaren
Vorstellungen, was ihre Zukunft betrifft, kam sie nach Deutschland:
Sie möchte das Abitur bestehen, dabei ihr Deutsches Sprachdiplom
machen und danach in Köln Sport oder Tanzchoreografie studieren.
Deutsch ist sowieso ihre bevorzugte Sprache. Daher lernt sie es
auch in der Schule in Lettland. Die derzeitige Lektüre in
Deutschland gefällt ihr nicht, das Fach findet sie aber allgemein
auch hier sehr interessant.
Das Schulsystem hier unterscheidet sich sehr von dem in ihrem
Heimatland. So gibt es dort 17 Fächer; sie besucht eine
Ganztagsschule, die täglich neun bis zehn Stunden dauert. Der
Unterricht ist anders gestaltet als bei uns: Die Schüler schreiben
nur von der Tafel ab, bei uns gibt es eine Art Unterrichtsgespräch.
Die Umstellung auf mündliche Beteiligung findet Asnate zwar
schwierig, aber das System gefällt ihr sehr gut. Klausuren werden
in Lettland alle zwei Wochen geschrieben, sind dafür aber viel
kürzer.
Hier fällt ihr das Fach Chemie besonders schwer. Physik, Chemie und
Biologie sind in Lettland in dem Fach Naturwissenschaften
zusammengefasst, nehmen also keine so große Rolle ein. Auch wenn
ihr Mathematik nicht viel Spaß macht, so hat sie doch einen
Vorteil: In Lettland benutzt man in der Schule keinen
Taschenrechner. Das von vielen deutschen Schüler gefürchtete
Kopfrechnen ist für Asnate also kein Problem.
Als sie hier ankam, stellte sie erst einmal fest, dass das in
Lettland allgemein verbreitete Klischee vom pünktlichen und
ordentlichen Deutschen nicht zutrifft, jedenfalls nicht unbedingt
auf Stader. Dafür sind die Athenaer ihrer Ansicht nach freundlicher
als die lettischen Schüler, die sie kennt. Von allen Seiten werde
man angesprochen, meint Asnate
Eine besondere Situation ist für sie, dass sie in Deutschland fünf
Gastgeschwister hat und zu Hause in Lettland ein Einzelkind ist.
Mit ihrer Gastfamilie war sie dieses Jahr schon zweimal im Urlaub:
in Polen und in Ägypten. Ansonsten trifft sie sich oft mit
Freunden, wobei sie mit den anderen Gastschülern eher weniger
unternimmt und die meisten auch bis jetzt gar nicht kennt. Mehrere
Konzerte hat sie schon besucht. Eine Gastschwester spielt im
Orchester mit, daher hat sich Asnate das Konzert in der Kirche
angehört.
Selber ist sie auch musikalisch. Seit sieben Jahren spielt sie
Klavier und übt sich in verschiedenen Arten des Tanzens: Von
Volkstanz bis Cheerleading hat sie vieles ausprobiert. Außerdem
singt sie im Chor.
Weihnachten wird in Lettland eigentlich genauso gefeiert wie in
Deutschland, aber im Winter ist es dort wesentlich kälter. Wir
frieren und jammern, wenn die Temperatur knapp unter den Nullpunkt
sinkt; Asnate ist -20 bis -30°C gewohnt.
Interview: Luise Kranzhoff und Henry Reinecke
Austauschschüler am Athenaeum, z. B. Asnate und McKenna:
Unsere Schule ist wie in jedem Jahr ein Anlaufpunkt für eine recht große Zahl von Austauschschülern aus aller Welt. In diesem Schuljahr treffen sich hier junge Menschen aus Lettland, den USA, Mexiko, Taiwan und Argentinien. Sie alle sind Teil einer Klassen- oder Kursgemeinschaft in den Jahrgängen 10 bis 12. Sicher sind schon viele Mitschüler ihnen begegnet. Hier gibt es nun die Möglichkeit noch mehr über sie zu erfahren. Die Jugendreporter haben sie zum Interview geladen. Aber natürlich ist ein persönliches Gespräch auf dem Schulhof noch besser - traut euch…


McKenna Parker - eine Amerikanerin , die sich auf deutsche
Weihnachten freut
Eigentlich hatte McKenna gar nicht geplant, als Austauschschülerin
zu uns nach Deutschland zu kommen. Doch dann wurde sie von der
Familie einer deutschen Schülerin gefragt, welche in Utah bei
McKenna auch ein Auslandsjahr verlebt hatte, ob sie nicht auch
gerne mal hierher kommen würde. McKennas Mutter freute sich über
das Angebot und den Auslandsaufenthalt ihrer Tochter in
Deutschland, wohingegen ihr Vater vorher noch etwas abgeneigt war,
dass seine einzige Tochter für ein halbes Jahr nach Deutschland
gehen sollte.
In den USA hat McKenna drei ältere Brüder, zwei Hunde, vier Pferde
und jede Menge Freunde, welche sie neben ihrer Familie natürlich
sehr vermisst.
Viele Erwartungen hatte die Siebzehnjährige nicht an Deutschland,
einzig dass die Schule schwer sein würde. Außerdem dachte sie, dass
auch hier im Norden jeder mal in der Freizeit eine Lederhose trägt.
Anscheinend ist das Klischee, Bayern sei Deutschland, immer noch
weit verbreitet. Ihre Erwartungen die Schule betreffend haben sich
anscheinend bestätigt, denn sie berichtet, sie sei sehr verwundert,
dass wir hier in Deutschland so intensiv Englisch lernen, es sei
wie normaler Englischunterricht in ihrer US-amerikanischen Heimat,
und selbst sie hätte hier manchmal Schwierigkeiten beim
Englischunterricht. Dafür findet sie aber den deutschen Akzent im
englischen sehr witzig.
Auch gab es viele Erfahrungen, welche sie vorher gar nicht erwartet
hatte, z.B. das es in Deutschland viel mehr Regeln gebe und man
unter anderem nicht einfach so „mit einer Pistole auf dem Feld
herum schießen“ könne, wie es bei ihr auf dem Land möglich ist.
Oder auch, dass Jugendliche hier schon ein- bis zweijährige
Beziehungen miteinander führten, wohingegen in den USA schon ein
paar Monate eine lange Beziehung darstellten. Bei den Amerikanern
sind die uns aus den Highschool-Filmen bekannten „Dates“, bei denen
der Junge das Mädchen abholt und sie zusammen essen gehen, sehr
viel wichtiger.
McKenna unternimmt viel mit ihrer Tauschfamilie und freut sich
schon sehr auf ein gemeinsames Weihnachtsfest. Frohe Weihnachten!
Interview: Adriana Dinter und Melina Umland



