Klassenfahrten, Kursfahrten, Kennenlernfahrten für die fünften
Klassen:
All das findet seit Beginn dieses Schuljahres nicht mehr statt,
weil die Lehrer eine Stunde pro Woche mehr unterrichten müssen.
Seit dem 1. August 2014 gilt die Maßnahme, die rund 80 Millionen
Euro in die Kassen des Kultusministeriums spülen soll. An mehr als
der Hälfte der 265 niedersächsischen Gymnasien wurden die
Klassenfahrten deshalb bereits gestrichen. Verhindern kann das
Kultusministerium dies nicht: In Niedersachsen gelten
Klassenfahrten als freiwillige Leistung, die nicht erbracht werden
muss.
Problematisch werden die fehlenden Klassenfahrten auf jeden Fall
auch für eine in diesem Zusammenhang selten beachtete Gruppe, die
Jugendherbergen. Allein der Landesverband Schleswig-Holstein hat
bisher 5000 Stornierungen mit Verweis auf die neue
Arbeitszeitregelung erhalten, in Niedersachsen werden deutlich
stärkere Auswirkungen erwartet.
Einige Klassenfahrten werden vermutlich trotz allem stattfinden: An
manchen Schulen überlegen nun die Eltern, ob sie die Klassenfahrten
begleiten können, was im Grunde durchaus möglich wäre. Allerdings
müssten die Begleiter sich selbst versichern. Dennoch sehen der
Landeselternverband sowie der Schulleitungsverband von Eltern
begleitete Klassenfahrten sehr kritisch. Die Hürden hierfür seien
sehr hoch, außerdem gäbe es vermutlich nur wenige Eltern, die
bereit wären eine solche Verantwortung zu übernehmen.
Viele Schüler und Eltern halten die Reaktion der Lehrkräfte für
übertrieben. Mit jetzt 24,5 Unterrichtsstunden liegen die
niedersächsischen Lehrer immer noch im Mittelfeld, in
Mecklenburg-Vorpommern ist die Unterrichtsverpflichtung mit 27
Stunden am höchsten. Außerdem sei die Streichung der Klassenfahrten
nicht unbedingt eine für das schulische Zusammenleben gute
Maßnahme, denn besonders die Kennlernfahrten seien wichtig für die
Gemeinschaft gewesen. In letzter Zeit werde häufig eine Zunahme von
Mobbing beklagt. Gerade die Klassenfahrten in der fünften Klasse
hätten aber dafür gesorgt, dass man sich überhaupt erstmal richtig
kennenlerne und damit viele Probleme verhindere. Da sei es doch
nicht unbedingt gut, diese nicht mehr stattfinden zu lassen,
wodurch die Lehrer dann statt für Klassenfahrten, Zeit investieren
müssten, um Probleme unter den Schülern zu klären. Am Athenaeum
wird versucht, das Problem zu mildern, indem zumindest noch zwei
auf einander folgende Tagesfahrten stattfinden, wie am
Elterninformationabend deutlich wurde.
Auf der Suche nach einer Möglichkeit die Klassenfahrten wieder
stattfinden zu lassen suchten am 4.2.2015 Mitglieder der SV,
Elternvertreter und Schüler in der Aula des Athenaeums gemeinsam
nach einem Ergebnis. Dass die etwas spärliche Werbung für den Abend
nur wenige Eltern erreicht hat, sodass nur knapp vier Stuhlreihen
in der Aula gefüllt sind, ist schade. In den zwei Stunden werden,
besonders die reelle Arbeitszeit der Lehrkräfte betreffend, viele
interessante Fakten genannt und so mancher Zuschauer zeigt sich
überrascht über die Zeit, die von Lehrern für
Unterrichtsvorbereitung, Korrekturen von Klassenarbeiten und
Ähnlichem verbracht wird. So läge die Gesamtarbeitszeit eines
Beamten in Niedersachsen normalerweise bei 1840 Stunden im Jahr,
ein Physik- und Mathelehrer, der für einen Lehrer noch
vergleichsweise wenig Arbeit habe, komme auf 2020 Stunden. Außerdem
sei der Vergleich mit anderen Bundesländern schwierig, weil es
jeweils unterschiedliche Entlastungsmodelle gebe.
Seitens der Lehrer wird immer wieder auf eine durch die neuen
Richtlinien der Landesregierung erfolgende Schwächung des
Gymnasiums und Gefährdung des traditionellen Unterrichts
hingewiesen. Warum dies problematisch ist, erklären sie allerdings
nicht. Die Vertreter der SV bemängeln mehrfach eine mangelnde
Verhandlungsbereitschaft der Lehrergewerkschaften, die eine
Verhandlung mit der Landesregierung, welche sich dazu bereit
erklärt habe, völlig ausschließe.
Zwischenzeitlich wird die Diskussion immer wieder von unsachlichen
Beiträgen gestört:
So müssen sich die Schüler vorwerfen lassen desinteressiert gewesen
zu sein, da sie sich anfangs nicht für die fehlenden Klassenfahrten
interessiert hätten und erst Maßnahmen ergriffen hätten, als diese
wirklich griffen. Im Gegenzug wird den Lehrern vorgeworfen, dass
Klassenfahrten genau wie alle anderen Aufgaben außerhalb des
Unterrichts zum Lehrerdasein gehörten und wer sich beispielsweise
am Korrigieren von Klassenarbeiten störe, solle überdenken, ob
Lehrer wirklich der richtige Beruf sei.
Während der Diskussion ist immer wieder zu sehen, wie schwer sich
viele der Lehrkräfte, die ungefähr ein Drittel des Publikums
ausmachen, damit tun, sich an ihre eigenen Regeln zu halten.
Zwischenrufe ohne Meldung sind keine Seltenheit.
Letztendlich gelingt es den Moderatoren dann aber doch, die
Diskussion wieder in geordnete Bahnen zu lenken.
Die wichtigsten Erkenntnisse des Abends: Schüler, Lehrer und Eltern
sollten vor allem ihre Kommunikation und Zusammenarbeit verbessern,
außerdem halten die Zuschauer ein stärkeres politisches Engagement
der Elternschaft für nützlich und wünschenswert.
Eine Lösung wurde insofern gefunden, als dass Eltern und Schüler in
Zukunft durch Öffentlichkeitsarbeit mehr Druck auf die Ministerin
ausüben wollen. Unsere große Schüler-Demonstration war ja ein gutes
Beispiel.
Wie bekommt man die Klassenfahrten zurück?
von Maike Mayer



