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  1. 2015

Wie bekommt man die Klassenfahrten zurück?

von Maike Mayer

Klassenfahrten, Kursfahrten, Kennenlernfahrten für die fünften Klassen:
All das findet seit Beginn dieses Schuljahres nicht mehr statt, weil die Lehrer eine Stunde pro Woche mehr unterrichten müssen. Seit dem 1. August 2014 gilt die Maßnahme, die rund 80 Millionen Euro in die Kassen des Kultusministeriums spülen soll. An mehr als der Hälfte der 265 niedersächsischen Gymnasien wurden die Klassenfahrten deshalb bereits gestrichen. Verhindern kann das Kultusministerium dies nicht: In Niedersachsen gelten Klassenfahrten als freiwillige Leistung, die nicht erbracht werden muss.

Problematisch werden die fehlenden Klassenfahrten auf jeden Fall auch für eine in diesem Zusammenhang selten beachtete Gruppe, die Jugendherbergen. Allein der Landesverband Schleswig-Holstein hat bisher 5000 Stornierungen mit Verweis auf die neue Arbeitszeitregelung erhalten, in Niedersachsen werden deutlich stärkere Auswirkungen erwartet.
Einige Klassenfahrten werden vermutlich trotz allem stattfinden: An manchen Schulen überlegen nun die Eltern, ob sie die Klassenfahrten begleiten können, was im Grunde durchaus möglich wäre. Allerdings müssten die Begleiter sich selbst versichern. Dennoch sehen der Landeselternverband sowie der Schulleitungsverband von Eltern begleitete Klassenfahrten sehr kritisch. Die Hürden hierfür seien sehr hoch, außerdem gäbe es vermutlich nur wenige Eltern, die bereit wären eine solche Verantwortung zu übernehmen.

Viele Schüler und Eltern halten die Reaktion der Lehrkräfte für übertrieben. Mit jetzt 24,5 Unterrichtsstunden liegen die niedersächsischen Lehrer immer noch im Mittelfeld, in Mecklenburg-Vorpommern ist die Unterrichtsverpflichtung mit 27 Stunden am höchsten. Außerdem sei die Streichung der Klassenfahrten nicht unbedingt eine für das schulische Zusammenleben gute Maßnahme, denn besonders die Kennlernfahrten seien wichtig für die Gemeinschaft gewesen. In letzter Zeit werde häufig eine Zunahme von Mobbing beklagt. Gerade die Klassenfahrten in der fünften Klasse hätten aber dafür gesorgt, dass man sich überhaupt erstmal richtig kennenlerne und damit viele Probleme verhindere. Da sei es doch nicht unbedingt gut, diese nicht mehr stattfinden zu lassen, wodurch die Lehrer dann statt für Klassenfahrten, Zeit investieren müssten, um Probleme unter den Schülern zu klären. Am Athenaeum wird versucht, das Problem zu mildern, indem zumindest noch zwei auf einander folgende Tagesfahrten stattfinden, wie am Elterninformationabend deutlich wurde.

Auf der Suche nach einer Möglichkeit die Klassenfahrten wieder stattfinden zu lassen suchten am 4.2.2015 Mitglieder der SV, Elternvertreter und Schüler in der Aula des Athenaeums gemeinsam nach einem Ergebnis. Dass die etwas spärliche Werbung für den Abend nur wenige Eltern erreicht hat, sodass nur knapp vier Stuhlreihen in der Aula gefüllt sind, ist schade. In den zwei Stunden werden, besonders die reelle Arbeitszeit der Lehrkräfte betreffend, viele interessante Fakten genannt und so mancher Zuschauer zeigt sich überrascht über die Zeit, die von Lehrern für Unterrichtsvorbereitung, Korrekturen von Klassenarbeiten und Ähnlichem verbracht wird. So läge die Gesamtarbeitszeit eines Beamten in Niedersachsen normalerweise bei 1840 Stunden im Jahr, ein Physik- und Mathelehrer, der für einen Lehrer noch vergleichsweise wenig Arbeit habe, komme auf 2020 Stunden. Außerdem sei der Vergleich mit anderen Bundesländern schwierig, weil es jeweils unterschiedliche Entlastungsmodelle gebe.
Seitens der Lehrer wird immer wieder auf eine durch die neuen Richtlinien der Landesregierung erfolgende Schwächung des Gymnasiums und Gefährdung des traditionellen Unterrichts hingewiesen. Warum dies problematisch ist, erklären sie allerdings nicht. Die Vertreter der SV bemängeln mehrfach eine mangelnde Verhandlungsbereitschaft der Lehrergewerkschaften, die eine Verhandlung mit der Landesregierung, welche sich dazu bereit erklärt habe, völlig ausschließe.
Zwischenzeitlich wird die Diskussion immer wieder von unsachlichen Beiträgen gestört:
So müssen sich die Schüler vorwerfen lassen desinteressiert gewesen zu sein, da sie sich anfangs nicht für die fehlenden Klassenfahrten interessiert hätten und erst Maßnahmen ergriffen hätten, als diese wirklich griffen. Im Gegenzug wird den Lehrern vorgeworfen, dass Klassenfahrten genau wie alle anderen Aufgaben außerhalb des Unterrichts zum Lehrerdasein gehörten und wer sich beispielsweise am Korrigieren von Klassenarbeiten störe, solle überdenken, ob Lehrer wirklich der richtige Beruf sei.
Während der Diskussion ist immer wieder zu sehen, wie schwer sich viele der Lehrkräfte, die ungefähr ein Drittel des Publikums ausmachen, damit tun, sich an ihre eigenen Regeln zu halten. Zwischenrufe ohne Meldung sind keine Seltenheit.
Letztendlich gelingt es den Moderatoren dann aber doch, die Diskussion wieder in geordnete Bahnen zu lenken.

Die wichtigsten Erkenntnisse des Abends: Schüler, Lehrer und Eltern sollten vor allem ihre Kommunikation und Zusammenarbeit verbessern, außerdem halten die Zuschauer ein stärkeres politisches Engagement der Elternschaft für nützlich und wünschenswert.

Eine Lösung wurde insofern gefunden, als dass Eltern und Schüler in Zukunft durch Öffentlichkeitsarbeit mehr Druck auf die Ministerin ausüben wollen. Unsere große Schüler-Demonstration war ja ein gutes Beispiel.

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