Programmieren. Viele verbinden damit langweilen, scheinbar nicht
enden wollenden Programmcode oder schlechte Erinnerungen an den
Informatikunterricht in der Schule. Nicht so Mika Dede: Der
16-jährige programmiert nun schon seit vier Jahren. Jugendreporter
Julius Kamper (17) hat mit ihm über sein Hobby gesprochen.
Hätte Mika Dede früher nicht immer so lange auf seinen Zug warten
müssen, vielleicht wäre er nie zum Programmieren gekommen. Als der
heute 16-Jährige vor inzwischen fast vier Jahren mal wieder am
Stader Bahnhof wartete, sah er in der Auslage des Bahnhofskiosks
eine Programmierzeitschrift liegen. Zwar hatte Mika sich schon
länger für Technik interessiert, mit dem Programmieren war er aber
bis dahin noch nicht wirklich in Kontakt gekommen. Kurz
entschlossen kaufte er sich trotzdem das Magazin, das neben einer
Einführung in das Thema auch die Grundprinzipien des Programmierens
erklärte. Mika gefiel es, die scheinbar unendlichen Möglichkeiten
des Entwicklens auszuprobieren, und so blieb er dabei.
Durch „learning by doing“ brachte er sich mit Hilfe von Büchern,
Zeitschriften und Internet-Tutorials das Programmieren selber bei.
Am Anfang sei vor allem viel Ausdauer nötig gewesen, erinnert sich
Mika an seine ersten Programmierversuche. So schlummern auf seiner
Festplatte noch heute unvollendete Projekte, für die ihm vor ein
paar Jahren noch die Kenntnisse fehlten. Trotzdem sei beim
Programmieren jedes Problem irgendwie lösbar: Man müsse es in viele
kleine Schritte aufteilen und jedes einzeln lösen, erklärt der
Jugendliche aus Hammah.
Im Laufe der Zeit probierte er von „Java“ über „C#“ bis hin zu
„JavaScript“ viele Programmiersprachen aus, landete aber
schließlich bei „Scala“. Jede Sprache habe seine eigenen
Besonderheiten und biete andere Möglichkeiten, erklärt Mika. Da
sich die Programmiersprachen teilweise aber auch sehr ähnlich sind,
sei es nicht schwer gewesen, sie zu lernen: „Wenn man eine
Programmiersprache erst einmal kann, hilft es beim Lernen von
anderen“.
Einen ungefähren Plan und eine Idee, was das Programm am Ende
können soll, hat Mika oft schon, bevor er die ersten Zeilen des
Programmcodes tippt. Weitere Funktionen und Ideen kämen dann mit
der Zeit hinzu. Auch sein erstes größeres Projekt, das er in
„Scala“ verwirklichte, wurde immer umfangreicher: Anfangs sollte es
eigentlich nur von arabischen in römische Zahlen umrechnen können,
doch während des Programmierens kamen ihm immer mehr Ideen, die er
zusätzlich einbaute. So konnte das Programm am Ende auch aus dem
dezimalen ins binäre und hexadezimale System umrechnen und
umgekehrt. Mit kleinen zwischenzeitlichen Unterbrechungen
programmierte er insgesamt mehrere Monate an dem Projekt.
Der Informatikunterricht in der Schule kommt Mikas Meinung nach
noch immer zu kurz: Zwar ist es ab der zehnten Klasse möglich,
Informatik als Fach zu wählen, aber längst nicht alle Interessenten
bekommen auch einen der begehrten Plätze in einem der Kurse. Zudem
sei es seiner Meinung nach in der zehnten Klasse schon fast zu
spät, mit dem Programmieren zu beginnen. Es gäbe auch einfache
Programme, mit denen eine Einführung in in das Thema schon in den
unteren Klassen möglich sei. Wenn die Grundlagen schon früh gelegt
würden, sei später dann auch viel mehr möglich.
Mika Interessen liegen aber nicht nur im Bereich der Software: Bei
mehreren Praktika in einem Computerladen lernte er auch die
Hardware eines PCs besser kennen. Dort half er zum Beispiel bei
Aufträgen, behob Fehler oder baute von Kunden bestellte Computer
zusammen. Es sei spannend gewesen, auch mal einen Blick in das
Innenleben eines PCs zu werfen, erzählt der Jugendliche.
Obwohl ihm das Entwickeln von Programmen Spaß mache, wie Mika
versichert, käme ein Job als Softwareentwickler für ihn wohl nicht
in Frage. Sich jeden Tag mit Programmcodes oder Ähnlichem
beschäftigen zu müssen, würde ihm irgendwann wohl zu eintönig
werden. Stattdessen könne er sich vorstellen, im Bereich der
Ingenieurwissenschaften zu arbeiten. Auch dort müsse man - ähnlich
wie beim Programmieren - ein Problem in viele kleine Schritte
unterteilen, um der Lösung näher zu kommen. Und darin hat Mika ja
jetzt viel Übung.
„Learning by doing“ - Mika Dede programmiert
ao erschienen im Stader Tageblatt am 28.02.15



