Positive Bilanz auch dieses Jahr bei Jugend forscht
von Luise Kranzhoff

Schüler am Freitagmorgen mit Koffern im Forum. Kisten werden die
Treppen hoch- und heruntergeschleppt. Dabei kann es sich nur um die
Jugend forscht AG des Athenaeums handeln, die am Freitag, den
27.02. nach Lüneburg zum alljährlichen Regionalwettbewerb aufbrach.
Auch im letzten Jahr haben die SchülerInnen fleißig an ihren
Projekten gearbeitet – natürlich mit Unterstützung durch die
betreuenden Lehrer Carmesin, Vanhoefer, Pape und Schneider. Aus
Stade traten unter Betreuung dieser Lehrer vom Athenaeum 14
Projekte an, wobei 11 vom Athenaeum stammten, eins vom
Vincent-Lübeck-Gymnasium (VLG), eins von der Integrativen
Gesamtschule (IGS) und eins von der Jobelmann-Schule (BBS).
Kreativität, Ausdauer und Spaß am Ausprobieren waren auch dieses
Jahr die Eigenschaften, die alle Teilnehmer gemein hatten:
So stellten Alexander Günther (17), Jan Berschauer (18) und Johanna
Wobig (16) ein Konzept vor, die Deichsicherheit durch „Einsatz
veredelter Reststoffe“ zu erhöhen. Dabei verwendeten sie
Rotschlamm, der in der Industrie in großen Mengen als nicht weiter
verwertbarer Reststoff anfällt. Sie haben sich vor allem damit
beschäftigt, den basischen Rotschlamm dauerhaft zu neutralisieren
und Wasserdurchlässigkeit, Scherfestigkeit und
Umweltverträglichkeit ihres Rotschlamm-Sand-Gemisches zu
untersuchen. Die Jury belohnte dieses Projekt mit einem ersten
Preis im Fachgebiet Geo- und Raumwissenschaften.
Mauritz Fethke (14) taucht seit mehreren Jahren mit seinem
„Bionischen Elefantenrüssel“ beim Wettbewerb auf, den er jedes Jahr
verbessert, sodass sein Stand dieses Jahr ziemlich groß und voller
beeindruckender, sich bewegender Teile war. Um die Vorteile des
Elefantenrüssels für den Menschen nutzbar zu machen, baut er stetig
an seinem Rüssel, der präzise gesteuert werden soll. Sein Ziel ist
es, dieses Konzept in der Landwirtschaft oder Medizin einzusetzen,
um Obst zu sortieren oder Kranken zu helfen. Auch er überzeugte die
Jury, sodass er einen ersten Preis im Fachgebiet Arbeitswelt
erhielt.
Einen zweiten Preis im Fachgebiet Technik belegte das Projekt von
Mika Dede (16) und mir (16), das mit dem Titel „Entwicklung einer
automatisch fokussierenden Solaranlage“ sehr weit gefasst ist.
Dieses Jahr präsentierten wir die von uns entwickelte Kühlung in
Form eines Wärmetauschers für eine Solaranlage, die gewährleisten
soll, dass die Solarzelle, auf die das Sonnenlicht mit einer Linse
fokussiert wird, nicht zerstört wird. Außerdem haben wir
nachgewiesen, dass die von uns bisher verwendete Linse nicht
geeignet ist, weil zu viel Energie durch Streulicht verloren geht.
Auch das Projekt „Beobachtung von Exoplaneten“ von Lennert Sprenger
(13) ergatterte einen zweiten Preis, allerdings im Fachbereich Geo-
und Raumwissenschaften. Er hat Planeten außerhalb unseres
Sonnensystems, sogenannte Exoplaneten, beobachtet, indem er die
Helligkeiten auf Fotos von Sternen ausgewertet hat. Dabei ist bei
einem Transit eine periodische Absenkung der Helligkeit des Sterns
zu erkennen, die durch die Abdeckung des Sterns durch den
Exoplaneten erzeugt wird.
Lukas Tomforde (15) erhielt den dritten Preis für sein Projekt
„Pneumatisch gesteuerter Greifer“, das das Ziel hat, einen Greifer,
wie er auch für den „Bionischen Elefantenrüssel“ verwendet werden
könnte, zu bauen. Dieser muss multifunktional sein, um sowohl in
der Industrie als auch im Alltag verwendet zu werden. Außerdem soll
er bei Widerstand nachgeben können.
Laura Leddin (16) hat ihr Projekt „Sonnenbeobachtung“ vorgestellt.
Sie hat durch Teleskope Fotos von der Sonne gemacht, um
Protuberanzen und Fackelgebiete zu dokumentieren. Nach einer
Analyse am Computer konnte sie die Anzahl der Sonnenflecken
bestimmen. Mit einem Radioteleskop gewann sie weitere Informationen
und konnte letztendlich Aussagen zur Sonnenaktivität machen. Für
ihre Arbeit erhielt auch sie einen dritten Preis.
Neben Platzierungen lassen sich auch Sonderpreise ergattern. So
erhielt Matthias Carmesin (18) den Sonderpreis für Umwelttechnik
für sein Projekt „Analyse und Neukonzeption von
Entsalzungssystemen“. Hinter diesem langen Titel steckt die
Bemühung, ein Konzept zur Entsalzung zu entwickeln, das weniger
Energie benötigt als herkömmliche Methoden. Dazu hat er
verschiedene Konzepte analysiert. Er geht auf das
Vincent-Lübeck-Gymnasium, gehört also zu den „Gastprojekten“.
„Aus welchem Sand macht man den stabilsten Beton?“ lautet die
Fragestellung, der Johanne Köster (11), Svenja Ruppert (12) und
Sabrina Ruttkowski (12) nachgegangen sind. Sie haben verschiedene
Sandsorten mikroskopiert und zur Herstellung von Beton schon eine
Form gebaut, mit deren Hilfe sie später auch die Festigkeit
untersuchen wollen.
Leonie Wellert (17) beschäftigte sich mit dem Thema „Von der Salbe
zur Creme – Duftstoffe in Emulsionen mit verschiedenen
Wassergehalten“. Auch kosmetische Fragen werden bei Jugend forscht
untersucht: Hier geht es darum, eine genaue Definition von „Salbe“
und „Creme“ zu ermitteln, außerdem Duftstoffe beizumischen und zu
untersuchen, bei welchen Wasseranteil der Duft an intensivsten
wahrgenommen wird. Dabei hat sie auch synthetische und natürlich
gewonnene Öle miteinander verglichen.
„Entwicklung und Bau eines Spektralprojektors mit erhöhter
Helligkeit“ - Dieses Projekt hat einen langen Titel und wird von
Helge Steffens (15) und Paul Brüning (12) betrieben. Mit ihrem
Projektor für ein Planetarium wollen sie Spektren, durch deren
Analyse schon viele astronomische Entdeckungen gemacht wurden,
richtig darstellen. Dabei kann die Helligkeit und Form des
Himmelskörpers projiziert werden. Es gab schon eine Vorführung des
Projektors im Planetarium Grünendeich und jetzt arbeiten die
Schüler auf eine neue Vorführung hin.
Der „Mobile Messestand“ von Helge Beckmann (17), der die BBS I
besucht, ist mittlerweile marktreif und man kann Bestellungen bei
ihm aufgeben. Ein unscheinbarer Holzkasten ist der Stand, wenn er
transportiert werden soll. Er lässt sich jedoch aufbauen, sodass er
durchaus etwas hergibt. Die Jury lobte Helges technisches Geschick
beim Bau des Messestandes, dem er sich schon längere Zeit widmet.
Marie Geest (15) und Noah Carstensen (14) bauen Modellflugzeuge und
untersuchen sie. Dieses Jahr haben sie ihre neusten Ergebnisse bei
der „Entwicklung von Verfahren zur Messung von Luftströmungen“
vorgestellt. Mit einem aus einer Feinwaage ausgebauten Sensor, den
sie an den Tragflächen ihres Flugzeuges befestigen, wollen sie die
Luftströmungen dokumentieren und auswerten.
„Bau einer Startrampe für Luft-Wasserraketen“ heißt das Projekt,
dem sich Aaron von Schassen (13) und Max Weida (13) von der IGS
widmeten. Ihre Rakete wird mit Druck gestartet, wobei die beiden
einen Startmechanismus gebaut haben. Sie testeten, wie hoch die
Rakete flog, wenn sie mit unterschiedlich viel Wasser befüllt war.
Nick Marx (15) hat sich mit dem „Ersatz von Batterien und Akkus
durch Netzgeräte sowie deren Testung“ beschäftigt. Mit diesem
Konzept möchte Nick die Umwelt schonen, die durch nicht
fachgerechtes Entsorgen von Batterien oft verschmutzt wird. Durch
verschiedene Prozesse geht bei Batterien Energie verloren, daher
der Vorschlag, bei Geräten, die sich in der Nähe einer
Stromversorgung befinden, auf Netzgeräte umzusteigen.
Dem „Leichtbau von Brücken“ widmete sich Benedikt Krummrei (15). Er
testete verschiedene Materialien und versuchte, sie vor allem durch
Einsatz wiederverwertbarer Stoffe stetig zu verbessern. Daran
arbeitet er noch weiterhin. So steht zum Beispiel aus, die Modelle
mit Gewichten zu testen und weitere Verbesserungen zu erarbeiten.
Die Jugend forscht AG am Athenaeum gehört wohl zu den am stärksten
besuchten Arbeitsgemeinschaften. Es übt einen Reiz auf die
SchülerInnen aus, so selbstständig experimentieren zu dürfen.
Mittlerweile finden die Treffen sogar in zwei Gruppen getrennt
dienstags und freitags statt. In Zukunft solle die Betreuung
einzelner Gruppen intensiviert und die Anzahl der Projekte erst
einmal nicht zu sehr weiter vergrößert werden, so lässt es sich aus
den Reihen der Betreuer vernehmen.
Mit dem diesjährigen Wettbewerb ist für die meisten
AG-TeilnehmerInnen die Arbeit an ihren Projekten längst nicht
beendet. Im Gegenteil: Im nächsten Jahr steht wieder ein Wettbewerb
an. Und da viele mehrere Jahre bleiben und die Atmosphäre locker
ist, fühlt man sich nicht nur einzelnen Teams, sondern auch der
gesamten Gruppe zugehörig.
Den Erstplatzierten, die sich auf dem Landeswettbewerb beweisen
dürfen, wünschen wir viel Erfolg. Natürlich geht dieser Wunsch auch
an alle anderen Jungforscher, denn sie haben noch viel vor.


