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  1. 2015

Ein fast vergessener Ort unserer Schule – die Kriegsdenkmäler

von Maike Mayer

Das Denkmal neben der Aula ist vielen Schülern ein fremder Ort. Mit einem Seil abgesperrt, lange Zeit verdeckt von den Garderoben ist es kein sonderlich auffälliger Platz der Schule. Wer in seinen Pausen nicht das Bedürfnis hat, dass Athenaeum auf der Suche nach unbekannten Orten zu durchforsten, dem bleibt dieser unscheinbare Platz vermutlich auch sein Schulleben lang unbekannt. Zwei bunte Fenster im Hintergrund, grauer Fliesenboden, eine Tafel an der Wand, ein Altar in der Mitte. Nicht sonderlich auffällig.

Doch die Denkmäler hatten ihren Platz nicht immer so weit abseits des Schullebens. Bevor der Altbau im Jahr 1956 umgebaut wurde, waren sie integriert in die Aula, wenn auch noch nicht in der heutigen Form. Die Namen der Gefallenen des Lehrerseminars waren in einem Schrein, die der gefallenen Athenaeer auf einer Gedenktafel festgehalten und im rechten Flügel des Orgelprospekts untergebracht worden. Als man sich dafür entschied, die kaputte Orgel, deren Renovierung nicht mehr lohnenswert erschien, durch eine moderne elektronische Orgel zu ersetzen und die Orgelkammer in die bis heute bestehende Bühne umzuwandeln, mussten die Denkmäler ihren Platz räumen. Der größtenteils vom Kunstgewerbler Titze gefertigte Schrein, welcher die Namen der gefallenen Seminaristen des ersten Weltkrieges enthielt, wurde dabei nicht übernommen, anders als das Relief des Bildhauers Gothe aus dem Jahr 1921, welches neben dem Schrein für das Gedenken an die Seminaristen erstellt wurde. Das Bild soll das Thema des Nibelungenliedes aufgreifen und zeigt einen alten Barden, der den jüngeren Generationen vom Leiden und Sterben der Opfer erzählt.
Es wurde in das neue Denkmal für die Gefallenen des ersten Weltkrieges integriert, in dem an Seminaristen und Athenaeer gemeinsam erinnert wird, während es zunächst getrennte Denkmäler gab.

Die kupferfarbene Tafel mit den Namen der Opfer sowohl unter den Lehrern als auch unter den Schülern der Seminaristen sowie der Athenaeer hängt bis heute in der Gedenkstätte bei der Aula. Die notwendige Umgestaltung der bereits vorhandenen Denkmäler gab den endgültigen Anstoß, auch für die Gefallenen des zweiten Weltkrieges eine Erinnerungsstätte zu errichten, um die sich der Verein der Ehemaligen schon lange bemüht hatte. So wurde ein weiteres, möglichst passendes Denkmal zusätzlich zu der Tafel erstellt. In der Mitte der Gedenkstätte befindet sich ein Altar mit der Aufschrift „Den Gefallenen des Athenaeums zu Stade“. Um die Toten auch bei diesem Denkmal namentlich zu ehren, befand sich zunächst ein Buch mit ihren Namen im Inneren des Altares. Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 375-jährigen Jubiläum des Athenaeums wurde die Gedenkstätte geweiht.

Doch nicht lange hielt der Respekt der Schüler für Tafel und Altar an. Immer häufiger wurde das Denkmal des zweiten Weltkrieges als Mülleimer genutzt und zum Namensverzeichnis gesellten sich Bonbonpapier und Mandarinenschalen. Dies ging so weit, dass schließlich als Konsequenz das Buch ins Büro des Schulleiters wanderte, die Denkmäler abgesperrt wurden und mittlerweile mehr und mehr in Vergessenheit geraten.

Erfüllen sie damit heutzutage überhaupt noch ihren Zweck? Wohl kaum. Denn in dem Wort „Gedenkstätte“ steckt offensichtlich das Wort „Gedenken“. Eine Gedenkstätte, an die niemand denkt, die niemand kennt, regt nicht zum Gedenken an. Doch dafür wurde sie erbaut. Zum Erinnern, nicht zum Vergessen. Demnach ist durchaus die Frage angebracht, ob es nicht jetzt, in den Jahren in denen sich der erste Weltkrieg zum hundertsten Mal jährt und auch unsere Gedenkstätte im Athenaeum bereits älter als 50 Jahre ist, an der Zeit ist, dass Denkmal erneut zu überholen. Die klare christliche Ausprägung des Altars sowie der klare Ausschluss der Opfer anderer Länder der Weltkriege aus dem Gedenken (deutlich erkennbar beispielsweise am typisch deutschen Symbol des Nibelungenliedes) erscheinen längst nicht mehr zeitgemäß. Auch die abgeschiedene Platzierung des Denkmales ist nicht gerade vorteilhaft für die eigentlichen Aufgaben einer Gedenkstätte. Immer wieder wird betont, wie wichtig es ist, sich an die Weltkriege zu erinnern und die Denkmäler könnten durchaus ihren Beitrag dazu leisten. Aber nicht so.

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