Ein quaderförmiger Bau aus Glas, direkt neben dem Harburger
Rathaus. Auf einem grünen Streifen steht „Hamburger Abendblatt“.
Die Jugendreporter des Athenaeums sind auf dem Weg zur Harburger
Tochterredaktion der Zeitung, wo sie von dem Redakteur Frank Ilse
empfangen werden. Mit der Redaktionskonferenz hat man extra auf sie
gewartet, damit sie den täglichen Ablauf einer Zeitung mit seinen
verschiedenen Stufen kennen lernen können.
In der Konferenz wird geklärt, welches Thema jeder Journalist
bearbeitet und welche Themen wichtig und aktuell genug sind, um sie
in der nächsten Ausgabe zu bringen. Die sechs Seiten, die die
Harburger Redaktion täglich im Hamburger Abendblatt gestaltet,
können leicht gefüllt werden; es besteht eher Platzmangel, da auch
viele Anzeigen erscheinen.
Die Journalisten sind in offene Kategorien eingeteilt: Eine Crew
beschäftigt sich mit dem Harburger Bezirk, eine andere legt den
Schwerpunkt auf Nachrichten aus dem Landkreis, und zuletzt gibt es
zwei Leute, die für den Sport verantwortlich sind.
Jugendreporter lernen von Profis:
Wie funktioniert eine Zeitung und welche Eigenschaften zeichnen einen guten Journalisten aus?
von Luise Kranzhoff


Welcher Artikel auf welcher Seite wie erscheint, hat einen Sinn.
Auf der ersten Seite sollte möglichst eine aktuelle Nachricht
stehen. Es ist günstig, wenn das Thema viele Menschen betrifft.
Traditionell bringt die Zeitung auf der zweiten Seite dann Themen
aus Harburg.
Alle Seiten werden mit einer Art „Baukastensystem“ erstellt. Dabei
hat der leitende Redakteur eine Übersicht aller Seiten, in der er
den bereits millimeterweise verkauften Platz für Anzeigen sehen
kann, aber auch, wie weit die Seiten schon gefüllt sind. Er weist
den Journalisten jeweils für ihre Artikel einen bestimmten Platz
zu, den sie dann passend füllen müssen.
Frank Ilse zeigt den Jugendreportern, wie er aus den überwiegend
von den Journalisten selber gelieferten Bildern die passenden
auswählt und in die Seite einfügt. Sobald er dies getan hat, werden
die Bilder in die Bildverarbeitung geschickt. An roten, gelben und
grünen Markierungen kann der Redakteur sehen, inwieweit die Seiten
der Zeitung bereits fertig sind.
Die Jugendreporter dürfen den Aufmacher für eine Seite aussuchen
und entscheiden sich für eine Geschichte über eine Tierärztin. Mit
vielen „Ooohs“ beobachten sie, wie Frank Ilse Fotos von der
Tierärztin mit einem irritiert guckenden Huhn, zwei Hunden und
einem Raben in das Seitenlayout einfügt.
Die Kunst des Journalismus
Die Kunst eines Journalisten ist es, „komplizierte Sachverhalte so
einfach wie möglich für jedermann darzustellen“, sagt Frank Ilse.
Die Jugendreporter bitten nun um einige Tipps für ihre eigene
Arbeit. Laut Frank Ilse kommt es vor allem auf schöne Fotomotive
an. Die bekomme man, wenn man immer und überall seine Kamera dabei
habe und die Leute auch zu Fotos arrangiere. Beim Schreiben ist es
dann der Übersichtlichkeit halber wichtig, einige Absätze mit
Zwischenüberschriften zu versehen.
Oft müsse man sich als Redakteur „auf die Eindrücke anderer
verlassen“, so Ilse; außerdem sollte man unter dauerhaftem Druck
arbeiten können.
Die Jugendreporter haben viel durch den Besuch beim Hamburger
Abendblatt gelernt. Als sie nach einem interessanten Vormittag
wieder gehen, startet in der Redaktion der Stress darum, „die
gesamte Strecke zu füllen“, weil bis 17:30 Uhr der sechsseitige
Regional-Beitrag zum Hamburger Abendblatt fertig sein muss.




