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  1. 2015

Jugendreporter lernen von Profis:

Wie funktioniert eine Zeitung und welche Eigenschaften zeichnen einen guten Journalisten aus?

von Luise Kranzhoff

Ein quaderförmiger Bau aus Glas, direkt neben dem Harburger Rathaus. Auf einem grünen Streifen steht „Hamburger Abendblatt“. Die Jugendreporter des Athenaeums sind auf dem Weg zur Harburger Tochterredaktion der Zeitung, wo sie von dem Redakteur Frank Ilse empfangen werden. Mit der Redaktionskonferenz hat man extra auf sie gewartet, damit sie den täglichen Ablauf einer Zeitung mit seinen verschiedenen Stufen kennen lernen können.

In der Konferenz wird geklärt, welches Thema jeder Journalist bearbeitet und welche Themen wichtig und aktuell genug sind, um sie in der nächsten Ausgabe zu bringen. Die sechs Seiten, die die Harburger Redaktion täglich im Hamburger Abendblatt gestaltet, können leicht gefüllt werden; es besteht eher Platzmangel, da auch viele Anzeigen erscheinen.
Die Journalisten sind in offene Kategorien eingeteilt: Eine Crew beschäftigt sich mit dem Harburger Bezirk, eine andere legt den Schwerpunkt auf Nachrichten aus dem Landkreis, und zuletzt gibt es zwei Leute, die für den Sport verantwortlich sind.

Welcher Artikel auf welcher Seite wie erscheint, hat einen Sinn.
Auf der ersten Seite sollte möglichst eine aktuelle Nachricht stehen. Es ist günstig, wenn das Thema viele Menschen betrifft. Traditionell bringt die Zeitung auf der zweiten Seite dann Themen aus Harburg.
Alle Seiten werden mit einer Art „Baukastensystem“ erstellt. Dabei hat der leitende Redakteur eine Übersicht aller Seiten, in der er den bereits millimeterweise verkauften Platz für Anzeigen sehen kann, aber auch, wie weit die Seiten schon gefüllt sind. Er weist den Journalisten jeweils für ihre Artikel einen bestimmten Platz zu, den sie dann passend füllen müssen.
Frank Ilse zeigt den Jugendreportern, wie er aus den überwiegend von den Journalisten selber gelieferten Bildern die passenden auswählt und in die Seite einfügt. Sobald er dies getan hat, werden die Bilder in die Bildverarbeitung geschickt. An roten, gelben und grünen Markierungen kann der Redakteur sehen, inwieweit die Seiten der Zeitung bereits fertig sind.
Die Jugendreporter dürfen den Aufmacher für eine Seite aussuchen und entscheiden sich für eine Geschichte über eine Tierärztin. Mit vielen „Ooohs“ beobachten sie, wie Frank Ilse Fotos von der Tierärztin mit einem irritiert guckenden Huhn, zwei Hunden und einem Raben in das Seitenlayout einfügt.

Die Kunst des Journalismus
Die Kunst eines Journalisten ist es, „komplizierte Sachverhalte so einfach wie möglich für jedermann darzustellen“, sagt Frank Ilse.

Die Jugendreporter bitten nun um einige Tipps für ihre eigene Arbeit. Laut Frank Ilse kommt es vor allem auf schöne Fotomotive an. Die bekomme man, wenn man immer und überall seine Kamera dabei habe und die Leute auch zu Fotos arrangiere. Beim Schreiben ist es dann der Übersichtlichkeit halber wichtig, einige Absätze mit Zwischenüberschriften zu versehen.
Oft müsse man sich als Redakteur „auf die Eindrücke anderer verlassen“, so Ilse; außerdem sollte man unter dauerhaftem Druck arbeiten können.

Die Jugendreporter haben viel durch den Besuch beim Hamburger Abendblatt gelernt. Als sie nach einem interessanten Vormittag wieder gehen, startet in der Redaktion der Stress darum, „die gesamte Strecke zu füllen“, weil bis 17:30 Uhr der sechsseitige Regional-Beitrag zum Hamburger Abendblatt fertig sein muss.

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