Rezension zu „Im Westen Nichts Neues“ von Paul Anton Rainer
Schon seit Jahrzehnten gilt Erich Maria Remarques „Im Westen nichts
Neues“ (1929) als Standardwerk nicht nur deutscher Kriegsliteratur,
das nun, über einhundert Jahre nach dem Ausbruch des Ersten
Weltkriegs, eine Renaissance erlebt – so erschien passend zum
Jubiläum eine Neuauflage im Verlag Kiepenheuer & Witsch, die
bedingt durch das niedersächsische Curriculum für die Oberstufe im
Fach Deutsch bereits ein breite Leserschaft gefunden hat. Dabei
drängt sich die Frage auf: Langweilige Pflichtlektüre oder lohnende
Erweiterung des eigenen Horizonts?
„Im Westen nichts Neues“ bringt die Auswirkungen des Ersten
Weltkrieges am Beispiel einer Kompagnie von Frontsoldaten im jungen
Erwachsenenalter auf eine sehr eindringliche und nicht überzeichnet
wirkende Weise zum Ausdruck. Damit leistet der Roman, in welchen
Remarque eigene Kriegserlebnisse hat einfließen lassen, einen im
Grundsatz verlässlichen Beitrag gegen das Vergessen. Dies ist
mangels Zeitzeugen, die ihr Wissen an Folgegenerationen weitergeben
können, als sehr sinnvoll zu erachten – sei es zur Erforschung oder
Aufarbeitung der Familienchronik, zur historischen Grundbildung
oder zum Lernen aus der Vergangenheit, um die Gegenwart besser
verstehen und beurteilen zu können. Vor dem Hintergrund, dass sich
insbesondere das Lesen von Schullektüre bei Jugendlichen zunehmend
weniger Beliebtheit erfreut, hilft die einfache, klare Sprache des
Werks dabei, auch „Lesemuffel“ zur Lektüre zu bewegen. Nicht zu
aufdringliche sprachliche Gestaltungsmittel offenbaren eine klare
Haltung des Autors und unterstützen den Inhalt, ohne den Fokus von
ihm abzurücken.
Doch wieso ist überhaupt ein Roman wie „Im Westen nichts Neues“
nötig, schließlich ist der Erste Weltkrieg ausführlich im Lehrplan
des Fachs Geschichte verankert? Doch der Roman füllt nahezu
floskelartige Schlagwörter aus dem Geschichtsunterricht wie
Zerstörung, Elend und Tod stellvertretend für eine ganze Generation
mit Gedanken, Emotionen und dem ständigen Versuch, der Verzweiflung
zu entgehen. Ebendiese Merkmale sind es, die beim Leser einen
bleibenden Eindruck vom Kriegsgeschehen hinterlassen und zur
Meinungsbildung anregen. Derartige Effekte vermag kaum eine andere
Schullektüre zu erzielen.
Einzig und allein Hinweise auf eine Kommerzialisierung des Krieges
mithilfe des Romans hinterlassen einen bitteren Beigeschmack. Den
mündigen Leser sollte dieser Umstand jedoch keineswegs in seiner
Entscheidung für die Lektüre beeinflussen, immerhin handelt es sich
um einen Roman und nicht um ein Sachbuch. Scheu vor diesem
literarischen Klassiker ist somit unbegründet.
Rezension zu „Im Westen nichts Neues“ von Luisa Hölz
„Ein vollkommenes Kunstwerk“, sagt Stefan Zweig. Die Meinungen zu
dem Roman „Im Westen nichts Neues“, der 1929 von Erich Maria
Remarque verfasst wurde, könnten unterschiedlicher nicht sein, vor
allem, da er zu einer kritischen Zeit veröffentlicht wurde.
Mittlerweile gehört der Roman, in dem es um einen jungen Soldaten
an der Westfront im Ersten Weltkrieg und seinen Alltag geht, zur
Pflichtlektüre in der gymnasialen Oberstufe.
Das Thema ist, obwohl das Ende des Ersten Weltkrieges schon fast
100 Jahre her ist, noch immer aktuell und mitreißend, da es bis
heute Kriege gibt, die sich in ihnen Auswirkungen im Wesentlichen
kaum zu damals unterscheiden.
Die Sprache ist in dem gesamten Roman sehr einfach und leicht
verständlich, da der Protagonist Paul Bäumer teilweise gefühllos
die Geschehnisse des Krieges beschreibt. Sprachliche Mittel lassen
sich ebenso nur wenige finden, was passend wirkt, da es die
„Wahrheit der Darstellung“ unterstreicht. Dieser sachliche
Schreibstil von Remarque kann teilweise aber auch kalt wirken,
beispielsweise wenn der Tod von Kameraden beschrieben wird.
Kritiker merken an, dass Remarque die Entstehung und Schuldfrage
des Krieges außer Acht lässt, was meiner Meinung nach aber in
Ordnung ist, da er aus der Sicht eines einfachen Soldaten, der die
Schuldfrage vermutlich auch nicht genau beantworten kann, das Leben
an der Front schildern wollte.
Teilweise gibt es zwar längere Passagen, die nicht so interessant
sind und die man als Leser eher durchstehen muss, allerdings kann
der Roman diese Passagen mit einigen handlungsreichen und
spannenden Szenen ausgleichen.
Einige Charaktere sind eher flach und Stereotypen als wirkliche
Persönlichkeiten, es gibt aber auch Figuren, wie der Protagonist
Paul Bäumer, die einer Wandlung durchlaufen und einen interessanten
Hintergrund haben.
Meiner Meinung nach passt der Roman „Im Westen nichts Neues“ als
Pflichtlektüre gut in die Oberstufe, da er einerseits zusammen mit
dem Bereich der Kriegslyrik einen interessanten und lehrreichen
Unterrichtsbereich darstellt und andererseits immer noch aktuell
und für ältere Schüler gut geeignet ist. Im Gegensatz zu anderen
Lektüren, wie zum Beispiel „Emilia Galotti“, ist der Roman
„zeitnah“ und auch für Schüler spannend. Über die langweiligeren,
beschreibenden Passagen lässt sich angesichts der aufwühlenden
Szenen im Schützengraben hinweg lesen.
Rezension zu "Im Westen nichts Neues" von Meike Friedrichs
„Dieses Buch soll weder eine Anklage noch ein Bekenntnis sein. Es
soll nur den Versuch machen, über eine Generation zu berichten, die
vom Kriege zerstört wurde – auch wenn sie seinen Granaten entkam.“
Das sind die Worte, die den Leser des Romans „Im Westen nichts
Neues“ von Erich Maria Remarque, auf der ersten Seite erwarten und
zum Nachdenken bringen. Der Roman beschreibt das Leben eines
deutschen Soldaten im Ersten Weltkrieg und die damit verbundenen
Gefühle und Gedanken, die durch die Augen des jungen Protagonisten
geschildert werden.
Im Laufe des Romans werden keine Details ausgelassen, auch wenn sie
noch so blutig sind, und diese versetzen den Leser einige Male in
erschüttertes Staunen. Die Charaktere des Romans sind einfach
gestrickt, sympathisch, normale Leute – Schüler, Handwerker und
Briefträger. Der Leser kann sich mit den Personen identifizieren,
ohne jedoch den Schrecken des Kriegs begreifen zu können, was aus
der heutigen Perspektive unmöglich erscheint.
Betrachtet man die Entstehungsgeschichte und die Meinungen anderer
Kriegsveteranen im Nachhinein, wird deutlich, dass der Roman, so
wahr und realitätsnah er im ersten Augenblick scheinen mag, mehr
als nur eine Methode des Autors, die Kriegserlebnisse zu
verarbeiten, ist. Die Botschaft des Werkes als unpolitisch zu
betrachten wäre in diesem Zusammenhang also nicht korrekt, da es
vielmehr als eine Anklage zu verstehen ist; eine Anklage an die
damalige kriegsverherrlichende Politik und an die Erwachsenen, die
ihre Kinder so unvoreingenommen in den Krieg schickten.
Der Roman, der im Erscheinungsjahr 1929 weltweit ein Erfolg war,
fand sich später auf der Liste der verbotenen Literatur des
NS-Regimes wieder und gelang erst in den Jahrzehnten danach erneut
zur weltweiten Bekanntheit. Ich halte die Verwendung als
Schullektüre in der Oberstufe für sinnvoll, da der Inhalt des
Romans sowohl literarisch als auch geschichtlich wertvoll ist und
eine neue Dimension der Epik aufzeigt. Für Schüler, die sich
jahrelang mit Schiller und Lessing herum „ärgern“ mussten,
sicherlich eine willkommene Abwechslung.
Rezension zu „Im Westen Nichts Neues“ von lea Grissmer
Der 1.Weltkrieg ist eine, in der Literatur viel diskutierte
Thematik. Eines der bekanntesten Beispiele ist der Roman „Im Westen
Nichts Neues“ von Erich Maria Remarque aus dem Jahr 1929. Er
portraitiert den Krieg in einer schonungslosen und reellen Weise,
die bis heute Diskussionsstoff bietet.
Der Roman handelt von dem 19-jährigen Frontsoldaten Paul Bäumer,
dessen Kameraden und ihre Erlebnisse im Krieg. Diese Jugendlichen
wurden mit großer Überzeugung von ihren Vorgesetzten, insbesondere
ihrem Klassenlehrer, für den Krieg begeistert und glauben am Anfang
selbst fest daran, dass ihre Teilnahme am Krieg eine große Ehre
ist. Doch der Kriegsalltag holt die Soldaten schnell ein und sie
müssen feststellen, dass Bürokratie, Mangel und Schmerz einen
großen Anteil ihres Lebens ausmachen werden.
Meiner Meinung nach sollte „Im Westen Nichts Neues“ weiterhin als
Schullektüre im Kernkurrikulum vorhanden sein. Der Roman stellt
nicht nur die Disparitäten zwischen der Kriegsjugend und den
Daheimgebliebenen dar, sondern beschäftigt sich ebenfalls mit den
Beziehungen an der Front. So wird klar, dass trotz der Vielzahl an
grausamen Erlebnissen, ein massives Kameradschaftsgefühl zwischen
den Soldaten entsteht und sich diese in allen Lebenslagen
unterstützen. Dabei erscheint die Kritik, die Remarque am Krieg
äußert, durchaus schlüssig. Wenn dieser beispielsweise die
bürokratischen Vorschriften, gemacht von Politkern und Offizieren,
die der Front fern bleiben durften, in den Fokus rückt, wird selbst
heutzutage dem Leser die Nutzlosigkeit der Lappalien deutlich.
Des Weiteren beschreibt der Autor in bildhafter Deutlichkeit die
Leiden der einfachen Soldaten, die durch den Stellungskrieg weit
über ihre Grenzen hinaus gepeinigt wurden. Der Leser erhält so ein
genaues Bild der Umstände, das er zu weiten Teilen auf den gesamten
Verlauf des 1. Weltkrieges anwenden kann. In dieser Beziehung
bildet der Roman also auch geschichtliches Wissen aus und erklärt
uns eine gesamte Generation, die durch das Erlebte so stark geprägt
wurde.
Gerade da Remarque selber im Krieg kämpfte und persönliche
Erlebnisse in dem Roman verarbeiten wollte, erscheinen seine
Erzählungen so plastisch. Dabei wählt er ein ausgewogenes Maß an
Natur-, Kriegs- und Erfahrungsbeschreibungen, sodass kaum
Langeweile beim Leser entsteht.
Insgesamt ist der Roman „Im Westen Nichts Neues“ also positiv zu
bewerten. Sowohl das Leseerlebnis, als auch die nachfolgenden
Lernerfolge sind wichtig für die Schülerinnen und Schüler und
bieten eine gute Grundlage für Diskussionen, Analysen und
Vergleiche.



