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  1. 2015

Eine Auswahl an Rezensionen zur Abiturlektüre "Im Westen nichts Neues"

entstanden im Deutschlurs eN von Frau Post

Rezension zu „Im Westen Nichts Neues“ von Paul Anton Rainer

Schon seit Jahrzehnten gilt Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“ (1929) als Standardwerk nicht nur deutscher Kriegsliteratur, das nun, über einhundert Jahre nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs, eine Renaissance erlebt – so erschien passend zum Jubiläum eine Neuauflage im Verlag Kiepenheuer & Witsch, die bedingt durch das niedersächsische Curriculum für die Oberstufe im Fach Deutsch bereits ein breite Leserschaft gefunden hat. Dabei drängt sich die Frage auf: Langweilige Pflichtlektüre oder lohnende Erweiterung des eigenen Horizonts?

„Im Westen nichts Neues“ bringt die Auswirkungen des Ersten Weltkrieges am Beispiel einer Kompagnie von Frontsoldaten im jungen Erwachsenenalter auf eine sehr eindringliche und nicht überzeichnet wirkende Weise zum Ausdruck. Damit leistet der Roman, in welchen Remarque eigene Kriegserlebnisse hat einfließen lassen, einen im Grundsatz verlässlichen Beitrag gegen das Vergessen. Dies ist mangels Zeitzeugen, die ihr Wissen an Folgegenerationen weitergeben können, als sehr sinnvoll zu erachten – sei es zur Erforschung oder Aufarbeitung der Familienchronik, zur historischen Grundbildung oder zum Lernen aus der Vergangenheit, um die Gegenwart besser verstehen und beurteilen zu können. Vor dem Hintergrund, dass sich insbesondere das Lesen von Schullektüre bei Jugendlichen zunehmend weniger Beliebtheit erfreut, hilft die einfache, klare Sprache des Werks dabei, auch „Lesemuffel“ zur Lektüre zu bewegen. Nicht zu aufdringliche sprachliche Gestaltungsmittel offenbaren eine klare Haltung des Autors und unterstützen den Inhalt, ohne den Fokus von ihm abzurücken.

Doch wieso ist überhaupt ein Roman wie „Im Westen nichts Neues“ nötig, schließlich ist der Erste Weltkrieg ausführlich im Lehrplan des Fachs Geschichte verankert? Doch der Roman füllt nahezu floskelartige Schlagwörter aus dem Geschichtsunterricht wie Zerstörung, Elend und Tod stellvertretend für eine ganze Generation mit Gedanken, Emotionen und dem ständigen Versuch, der Verzweiflung zu entgehen. Ebendiese Merkmale sind es, die beim Leser einen bleibenden Eindruck vom Kriegsgeschehen hinterlassen und zur Meinungsbildung anregen. Derartige Effekte vermag kaum eine andere Schullektüre zu erzielen.

Einzig und allein Hinweise auf eine Kommerzialisierung des Krieges mithilfe des Romans hinterlassen einen bitteren Beigeschmack. Den mündigen Leser sollte dieser Umstand jedoch keineswegs in seiner Entscheidung für die Lektüre beeinflussen, immerhin handelt es sich um einen Roman und nicht um ein Sachbuch. Scheu vor diesem literarischen Klassiker ist somit unbegründet.


Rezension zu „Im Westen nichts Neues“ von Luisa Hölz

„Ein vollkommenes Kunstwerk“, sagt Stefan Zweig. Die Meinungen zu dem Roman „Im Westen nichts Neues“, der 1929 von Erich Maria Remarque verfasst wurde, könnten unterschiedlicher nicht sein, vor allem, da er zu einer kritischen Zeit veröffentlicht wurde. Mittlerweile gehört der Roman, in dem es um einen jungen Soldaten an der Westfront im Ersten Weltkrieg und seinen Alltag geht, zur Pflichtlektüre in der gymnasialen Oberstufe.
Das Thema ist, obwohl das Ende des Ersten Weltkrieges schon fast 100 Jahre her ist, noch immer aktuell und mitreißend, da es bis heute Kriege gibt, die sich in ihnen Auswirkungen im Wesentlichen kaum zu damals unterscheiden.
Die Sprache ist in dem gesamten Roman sehr einfach und leicht verständlich, da der Protagonist Paul Bäumer teilweise gefühllos die Geschehnisse des Krieges beschreibt. Sprachliche Mittel lassen sich ebenso nur wenige finden, was passend wirkt, da es die „Wahrheit der Darstellung“ unterstreicht. Dieser sachliche Schreibstil von Remarque kann teilweise aber auch kalt wirken, beispielsweise wenn der Tod von Kameraden beschrieben wird.
Kritiker merken an, dass Remarque die Entstehung und Schuldfrage des Krieges außer Acht lässt, was meiner Meinung nach aber in Ordnung ist, da er aus der Sicht eines einfachen Soldaten, der die Schuldfrage vermutlich auch nicht genau beantworten kann, das Leben an der Front schildern wollte.
Teilweise gibt es zwar längere Passagen, die nicht so interessant sind und die man als Leser eher durchstehen muss, allerdings kann der Roman diese Passagen mit einigen handlungsreichen und spannenden Szenen ausgleichen.
Einige Charaktere sind eher flach und Stereotypen als wirkliche Persönlichkeiten, es gibt aber auch Figuren, wie der Protagonist Paul Bäumer, die einer Wandlung durchlaufen und einen interessanten Hintergrund haben.
Meiner Meinung nach passt der Roman „Im Westen nichts Neues“ als Pflichtlektüre gut in die Oberstufe, da er einerseits zusammen mit dem Bereich der Kriegslyrik einen interessanten und lehrreichen Unterrichtsbereich darstellt und andererseits immer noch aktuell und für ältere Schüler gut geeignet ist. Im Gegensatz zu anderen Lektüren, wie zum Beispiel „Emilia Galotti“, ist der Roman „zeitnah“ und auch für Schüler spannend. Über die langweiligeren, beschreibenden Passagen lässt sich angesichts der aufwühlenden Szenen im Schützengraben hinweg lesen.



Rezension zu "Im Westen nichts Neues"
von Meike Friedrichs


„Dieses Buch soll weder eine Anklage noch ein Bekenntnis sein. Es soll nur den Versuch machen, über eine Generation zu berichten, die vom Kriege zerstört wurde – auch wenn sie seinen Granaten entkam.“ Das sind die Worte, die den Leser des Romans „Im Westen nichts Neues“ von Erich Maria Remarque, auf der ersten Seite erwarten und zum Nachdenken bringen. Der Roman beschreibt das Leben eines deutschen Soldaten im Ersten Weltkrieg und die damit verbundenen Gefühle und Gedanken, die durch die Augen des jungen Protagonisten geschildert werden.
Im Laufe des Romans werden keine Details ausgelassen, auch wenn sie noch so blutig sind, und diese versetzen den Leser einige Male in erschüttertes Staunen. Die Charaktere des Romans sind einfach gestrickt, sympathisch, normale Leute – Schüler, Handwerker und Briefträger. Der Leser kann sich mit den Personen identifizieren, ohne jedoch den Schrecken des Kriegs begreifen zu können, was aus der heutigen Perspektive unmöglich erscheint.
Betrachtet man die Entstehungsgeschichte und die Meinungen anderer Kriegsveteranen im Nachhinein, wird deutlich, dass der Roman, so wahr und realitätsnah er im ersten Augenblick scheinen mag, mehr als nur eine Methode des Autors, die Kriegserlebnisse zu verarbeiten, ist. Die Botschaft des Werkes als unpolitisch zu betrachten wäre in diesem Zusammenhang also nicht korrekt, da es vielmehr als eine Anklage zu verstehen ist; eine Anklage an die damalige kriegsverherrlichende Politik und an die Erwachsenen, die ihre Kinder so unvoreingenommen in den Krieg schickten.
Der Roman, der im Erscheinungsjahr 1929 weltweit ein Erfolg war, fand sich später auf der Liste der verbotenen Literatur des NS-Regimes wieder und gelang erst in den Jahrzehnten danach erneut zur weltweiten Bekanntheit. Ich halte die Verwendung als Schullektüre in der Oberstufe für sinnvoll, da der Inhalt des Romans sowohl literarisch als auch geschichtlich wertvoll ist und eine neue Dimension der Epik aufzeigt. Für Schüler, die sich jahrelang mit Schiller und Lessing herum „ärgern“ mussten, sicherlich eine willkommene Abwechslung.


Rezension zu „Im Westen Nichts Neues“ von lea Grissmer

Der 1.Weltkrieg ist eine, in der Literatur viel diskutierte Thematik. Eines der bekanntesten Beispiele ist der Roman „Im Westen Nichts Neues“ von Erich Maria Remarque aus dem Jahr 1929. Er portraitiert den Krieg in einer schonungslosen und reellen Weise, die bis heute Diskussionsstoff bietet.
Der Roman handelt von dem 19-jährigen Frontsoldaten Paul Bäumer, dessen Kameraden und ihre Erlebnisse im Krieg. Diese Jugendlichen wurden mit großer Überzeugung von ihren Vorgesetzten, insbesondere ihrem Klassenlehrer, für den Krieg begeistert und glauben am Anfang selbst fest daran, dass ihre Teilnahme am Krieg eine große Ehre ist. Doch der Kriegsalltag holt die Soldaten schnell ein und sie müssen feststellen, dass Bürokratie, Mangel und Schmerz einen großen Anteil ihres Lebens ausmachen werden.
Meiner Meinung nach sollte „Im Westen Nichts Neues“ weiterhin als Schullektüre im Kernkurrikulum vorhanden sein. Der Roman stellt nicht nur die Disparitäten zwischen der Kriegsjugend und den Daheimgebliebenen dar, sondern beschäftigt sich ebenfalls mit den Beziehungen an der Front. So wird klar, dass trotz der Vielzahl an grausamen Erlebnissen, ein massives Kameradschaftsgefühl zwischen den Soldaten entsteht und sich diese in allen Lebenslagen unterstützen. Dabei erscheint die Kritik, die Remarque am Krieg äußert, durchaus schlüssig. Wenn dieser beispielsweise die bürokratischen Vorschriften, gemacht von Politkern und Offizieren, die der Front fern bleiben durften, in den Fokus rückt, wird selbst heutzutage dem Leser die Nutzlosigkeit der Lappalien deutlich.
Des Weiteren beschreibt der Autor in bildhafter Deutlichkeit die Leiden der einfachen Soldaten, die durch den Stellungskrieg weit über ihre Grenzen hinaus gepeinigt wurden. Der Leser erhält so ein genaues Bild der Umstände, das er zu weiten Teilen auf den gesamten Verlauf des 1. Weltkrieges anwenden kann. In dieser Beziehung bildet der Roman also auch geschichtliches Wissen aus und erklärt uns eine gesamte Generation, die durch das Erlebte so stark geprägt wurde.
Gerade da Remarque selber im Krieg kämpfte und persönliche Erlebnisse in dem Roman verarbeiten wollte, erscheinen seine Erzählungen so plastisch. Dabei wählt er ein ausgewogenes Maß an Natur-, Kriegs- und Erfahrungsbeschreibungen, sodass kaum Langeweile beim Leser entsteht.
Insgesamt ist der Roman „Im Westen Nichts Neues“ also positiv zu bewerten. Sowohl das Leseerlebnis, als auch die nachfolgenden Lernerfolge sind wichtig für die Schülerinnen und Schüler und bieten eine gute Grundlage für Diskussionen, Analysen und Vergleiche.

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