Ende 2013 beschließt der niedersächsische Landtag unter der
rot-grünen Leitung den Haushalt für 2014. Darin finden sich fatale
Fehlentscheidungen: Die sowieso schon überbeanspruchten Lehrkräfte
sollen mehr arbeiten! Damit spart die Landesregierung unglaubliche
Summen ein und verhindert gleichzeitig die Einstellung neuer
Lehrkräfte.
Ein Aufschrei geht durch die Schulen.
Zuerst fühlen sich nur Lehrer angegriffen und ungerecht behandelt,
die Schüler bleiben überwiegend außen vor. Doch dann der Schock.
Irgendwie müssen die Lehrkräfte die zusätzliche Belastung
ausgleichen, das ist allen klar. Doch bei den Pflichtleistungen wie
Unterrichtsvor- und Nachbereitung können und wollen sie das nicht.
Es bleibt nur ein Ausweg: Freiwillige Leistungen wie Klassenfahrten
und Ausflüge werden gestrichen.
Diese Maßnahme ist beides in einem, Ausgleichsmaßnahme und
Protestschrei.
Und die Schüler haben reagiert.
Allein das Athenaeum hat zusammen mit den umliegenden Schulen zwei
Demonstrationen in einem Jahr umgesetzt. Medien und Personen
öffentlichen Interesses haben die Entscheidung sowie die
Verantwortliche Frauke Heiligenstadt massiv kritisiert.
„Entgegen aller berechtigter Kritik und ohne eine empirische
Grundlage hat die Ministerin die Mehrarbeit für Gymnasiallehrer
durchgepeitscht.“, so CDU-Fraktionschef Björn Thümler.
Und einige Lehrer und Rektoren sind so weit gegangen, wie sie nur
konnten:
Sie haben vor dem Obersten Landesgericht Klage gegen die
Entscheidung der Landesregierung eingereicht. Die Begründung: Das
Land habe als „Dienstherr“ für das Wohl und den Schutz der Beamten
zu sorgen, so steht es im Artikel 33 Absatz 4 des Grundgesetzes,
der das „öffentlich-rechtliche Dienst- und Treueverhältnis“ regelt.
Eine Arbeitsstundenerhöhung könne nur durchgeführt werden, wenn
vorher die tatsächliche Arbeitszeit, die gerade bei Lehrkräften ja
keineswegs nur aus Unterrichtsstunden besteht, ermittelt wird, so
die Kläger.
Und am 9.6.2015 dann tatsächlich das Urteil: Das Oberlandesgericht
Niedersachsens erklärt die Arbeitszeiterhöhung der Lehrkräfte an
Gymnasien für verfassungswidrig und damit für nichtig! Die
Regierung um Ministerpräsident Weil und Kultusministerin
Heiligenstadt muss die Arbeitszeiterhöhung rückgängig machen und
die Lehrkräfte für die bereits geleistete Mehrarbeit entschädigen.
Nach dieser phänomenalen Niederlage der rot-grünen Bildungspolitik
wurden aus Parteien wie der FDP Stimmen laut, die Frauke
Heiligenstadts Rücktritt forderten, was jedoch sowohl von
politischen Sprechern als auch von Ministerpräsident Weil als
„grundlos“ zurückgewiesen wurde. Des Weiteren sucht die Regierung
nun nach Möglichkeiten, gegen das Urteil vorzugehen.
Doch die Lehrer können sich freuen, genauso die Schüler. Auch wenn
das Urteil frühestens nächstes Schuljahr rechtskräftig wird, ist
eins bewiesen: Mit Niedersachsens Schulen kann man nicht machen,
was man will.
Wir wehren uns.
Und wir haben gewonnen.
Durchgefallen, Frau Heiligenstadt!
von Melina Umland



