Konzentriert aber trotzdem entspannt – so könnte man die Atmosphäre
beschreiben, die an diesem Freitag Nachmittag in der Aula des
Athenaeums herrscht. Hier, wo Schüler schon seit Jahrzehnten ihre
Theaterstücke der Öffentlichkeit vorführen, probt an diesem Tag der
Chor des Athenaeums. Chorleiter Herr Warnat begleitet am Flügel und
gibt Tipps, um ihn herum sitzen in einem Halbkreis viele Schüler
aus allen Altersstufen, alle mit ihren Notenblättern vorm Gesicht.
Gerade wird an einem Stück geübt, das Teil eines neuen
Gemeinschaftsprojektes werden soll.
Zusammen mit einem Schulchor aus Hausach im Schwarzwald soll es im
Rahmen eines Choraustausches zwei Konzerne geben – eines in Stade,
und eines in Hausach. Musikrichtung Latin-Jazz. Ein Genre, mit dem
der Chor in der Vergangenheit noch nicht so häufig in Berührung
gekommen ist. Gerade wird noch geübt. Es ist nur zu erahnen, wie es
am Ende klingen wird.
Zwischen „Linie 1“ und Chorfahrt
von Julius Kamper


Viele spannende Projekte
Rebecca, Katharina und Merten sind an diesem Nachmittag mittendrin.
Die drei Oberstufenschüler gehören zu den erfahrensten
Chormitgliedern und sind schon seit mehreren Jahren dabei. Nach dem
„kleinen Chor“ für die fünften und sechsten Klassen, der von Herrn
Waldermann geleitet wird, ist für viele in der siebten Klassen der
Wechsel in die AG von Herrn Warnat der nächste Schritt. So war es
zum Beispiel bei Katharina, die inzwischen schon seit mehr als vier
Jahren im Chor singt.
In den letzten Jahren haben sie die verschiedensten Projekte
miterlebt. Von den jährlichen Weihnachtskonzerten über den Auftritt
beim Jubiläumskonzert von Sandeep Bhagwati bis hin zu anderen
Auftritten war Vieles dabei. Doch ihr Lieblingsprojekt war ein
anderes, erzählen die drei einstimmig. Für sie ist es das Musical
„Linie 1“, an dem der Chor im letzten Jahr mitwirkte. Es erzählt
die Geschichte eines Mädchens vom Land, das sich auf der Suche nach
einem vermeintlichen Freund nach Berlin begibt und dort bei einer
Fahrt mit der U-Bahn die verschiedensten Gestalten aus der damals
geteilten Stadt kennen lernt. Das Original wurde ein Welterfolg,
und auch die Aufführung der Athe-Schüler im Stadeum erntete viel
Lob.
Linie 1 - Mehr als „nur“ Singen
Trotz der unzähligen Übungsstunden habe die Arbeit an dem Musical
trotzdem Spaß gemacht, so die drei. Vor allem aber sei es mehr
gewesen als „nur“ Singen. Die Schauspiel- und Gesangelemente hätten
„Linie 1“ zu etwas Besonderem gemacht. „Am Ende waren alle stolz,
ein so großes Projekt auf die Beine gestellt zu haben“, so Rebecca.
Vor allem, weil der Weg hin zur Premiere nicht immer einfach war.
Teilweise habe schlicht die Motivation gefehlt, die gleichen Szenen
immer und immer wieder zu üben. Doch spätestens nach der gelungenen
Premiere waren sich alle sich einig: Der Aufwand hatte sich
gelohnt.
Bei solchen Auftritten macht sich selbst bei den bühnenerfahrenen
Chormitgliedern die Nervosität bemerkbar. Obwohl sie in den bis zu
vier Jahren, in denen sie jetzt schon im Chor singen, schon den ein
oder anderen Auftritt hinter sich gebracht haben, hätten sie vor
großen Konzerten nach wie vor etwas Lampenfieber. Dabei gäbe es
keinen Grund zur Sorge, denn es geht nur selten etwas schief. Mal
verpasst jemand den Einsatz, mal vergisst jemand beim
Weihnachtskonzert den Einstieg und mal gibt es Tonprobleme. Aber
riesige Pannen seien noch nicht vorgekommen, so die drei.
Neben dem Singen und dem Arbeiten an den verschiedensten Projekten
steht bei vielen auch das Gemeinschaftsgefühl im Vordergrund. Bei
der gemeinsamen Chorfahrt, die in jedem Jahr stattfindet,
verbringen die jungen Musiker gerne ihre Freizeit zusammen. Denn
schließlich soll das Singen im Chor nicht nur Arbeit sein.


