Es sind noch zwei Wochen bis zu den Ferien. Oder eher eine. Das
Sommerseminar zählt ja kaum. Die letzten Unterrichtsstunden laufen
und die Noten stehen sowieso schon fest. Was passiert jetzt noch in
der Schule? Zumindest für uns Schüler häufig wenig. Egal auf
welcher Seite des Lehrertisches, die Luft ist raus. Allesamt sind
ferienreif. Die Schultage sind jetzt häufig ausgefüllt mit Filmen,
Promi- und Galgenraten oder französischem, englischem oder
was-auch-immer-Frühstück. Und falls dann doch noch einmal
unterrichtsbezogene Themen behandelt werden, dann meistens in
Referaten oder Gruppenarbeit. Hausaufgaben gibt es auch fast keine
mehr. Weder Schüler noch Lehrer scheinen Energie zu haben, sich mit
dem üblichen Unterrichtstrott abzugeben.
Bei dieser Unterrichtsmüdigkeit scheint es sich um einen typischen
Vorsommerferienvirus zu handeln, das die gesamte Schule ähnlich der
sicheren winterlichen Grippewelle, jedes Jahr wieder garantiert
befällt. Denn vor Frühlings- oder Herbstferien ist davon eher wenig
zu sehen. Arbeiten, Hausaufgaben, Tests; von Ruhe ist vor den
Ferien während des Jahres eher wenig zu spüren. Aber stimmt, da
geht es ja auch noch um die Zeugnisse. Hängt diese Faulenzphase vor
den Ferien also mit dem Wegfallen des üblichen Ansporns fürs Lernen
zusammen? Mit fehlenden Noten? Denn seien wir mal ehrlich: Auch
wenn es durchaus einige Lehrer gibt, die immer wieder betonen, dass
die Zeugnisse theoretisch auch nach den Konferenzen noch geändert
werden können, wer befürchtet schon ernsthaft eine Änderung? Aber
gut, für die Lehrer bieten die Noten während des Schuljahres auch
keinen Ansporn, während sie gegen das typische Vorsommerferienvirus
aber wohl auch nicht immun sind. Die Noten scheinen also nicht
schuldig zu sein. Schade, es wäre doch so schön gewesen, sie
aufgrund ihrer Schuld an der Unterrichtsmüdigkeit zu verurteilen.
Dann liegt es vielleicht daran, dass Schüler und Lehrer nach dem
langen Schuljahr einfach erschöpft sind und eine längere Pause
nötig haben? Wohl kaum. Ich habe das Sommerferienvirus in jedem
Jahr meiner Schulzeit erlebt. Jedes Jahr beginnt es, sich erst
schleichend, dann immer heftiger auszubreiten. Jedes Jahr. Immer
ungefähr drei Wochen vor dem Schuljahresende. Läge dies aber an der
Länge des Schuljahres, hätte die allgemeine Unterrichtsmüdigkeit im
sehr langen Schuljahr 2013/14 wesentlich früher einschlagen müssen
als sehr kurzen 2012/13. Hat sie aber nicht. Standardgemäß etwa
drei Wochen vor den Sommerferien.
Dann bleibt eigentlich nur der, der immer schuld ist, wenn es
niemand anderes ist: Das Wetter. Wenn es auf die Sommerferien
zugeht, wird es heiß und bei Hitze kann man sich schlecht
konzentrieren. Wobei.. Das Virus schien mir heute so schlimm wie
nie. Und dabei bestätigt der Blick aus dem Fenster: Dieses Wetter
ist Herbstferien-tauglich. Regen, zwischen 15 und 17 Grad. Von
Hitze keine Spur. Außerdem gibt es für die wirklich heißen Tage
hitzefrei. Mist, selbst da gibt es keinen Zusammenhang!
Vielleicht wird der Virus auch einfach jedes Jahr von Penny in
unser Schulgebäude eingeschleust, wo er dann sofort beginnt, Lehrer
und Schüler zu befallen. Denn wer hat nach sechs Stunden Frühstück
in allen erdenklichen Varianten schon Lust, sich, besonders an
heißen Tagen, noch etwas WARMES zu Essen aus der Kabuschka zu
holen? Ein Eis von Penny wirkt da doch wesentlich verlockender.
Ganz sicher. Der Virus wird von der Eislobby und dem Pennykonzern
in unserer Schule ausgesetzt. Jedes Jahr wieder. Ob die
verzweifelten Versuche der Schule, durch die Mensakarten und Eis in
der Kabuschka dem Virus seine Wirkungsgrundlage zu entziehen, im
nächsten Jahr funktionieren werden, bleibt fraglich. Für dieses
Jahr ist es zu spät.
In diesem Sinne: Liebe Lehrer, dies ist nicht als Aufforderung
gemeint, gegen die allgemeine Unterrichtsmüdigkeit vorzugehen.
Falls Sie einen Impfstoff dagegen gefunden haben, verbreiten Sie
ihn nicht weiter. Sind Sie von Natur aus immun dagegen, erlauben
Sie dem Virus seine Wirkung zu entfalten. Lassen Sie Ihren Klassen
die Zeit, in der sie von dem Virus befallen sind, genießen. Gönnen
Sie ihnen und sich selbst diese Pause. Und an alle Schüler: Genießt
es. Natürlich sind drei Doppelstunden Promiraten irgendwann
langweilig. Aber wenn wir schon die ganze Zeit nach Spielen und
Filmen schreien, sollten wir uns darüber freuen, wenn wir sie
bekommen. In diesem Sinne: Eine schöne Zeit mit dem
Vorsommerferienvirus. Und schöne Ferien.
Gefahr am Athe: Das Vorsommerferienvirus
von Maike Mayer



