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  1. 2015

Gefahr am Athe: Das Vorsommerferienvirus

von Maike Mayer

Es sind noch zwei Wochen bis zu den Ferien. Oder eher eine. Das Sommerseminar zählt ja kaum. Die letzten Unterrichtsstunden laufen und die Noten stehen sowieso schon fest. Was passiert jetzt noch in der Schule? Zumindest für uns Schüler häufig wenig. Egal auf welcher Seite des Lehrertisches, die Luft ist raus. Allesamt sind ferienreif. Die Schultage sind jetzt häufig ausgefüllt mit Filmen, Promi- und Galgenraten oder französischem, englischem oder was-auch-immer-Frühstück. Und falls dann doch noch einmal unterrichtsbezogene Themen behandelt werden, dann meistens in Referaten oder Gruppenarbeit. Hausaufgaben gibt es auch fast keine mehr. Weder Schüler noch Lehrer scheinen Energie zu haben, sich mit dem üblichen Unterrichtstrott abzugeben.

Bei dieser Unterrichtsmüdigkeit scheint es sich um einen typischen Vorsommerferienvirus zu handeln, das die gesamte Schule ähnlich der sicheren winterlichen Grippewelle, jedes Jahr wieder garantiert befällt. Denn vor Frühlings- oder Herbstferien ist davon eher wenig zu sehen. Arbeiten, Hausaufgaben, Tests; von Ruhe ist vor den Ferien während des Jahres eher wenig zu spüren. Aber stimmt, da geht es ja auch noch um die Zeugnisse. Hängt diese Faulenzphase vor den Ferien also mit dem Wegfallen des üblichen Ansporns fürs Lernen zusammen? Mit fehlenden Noten? Denn seien wir mal ehrlich: Auch wenn es durchaus einige Lehrer gibt, die immer wieder betonen, dass die Zeugnisse theoretisch auch nach den Konferenzen noch geändert werden können, wer befürchtet schon ernsthaft eine Änderung? Aber gut, für die Lehrer bieten die Noten während des Schuljahres auch keinen Ansporn, während sie gegen das typische Vorsommerferienvirus aber wohl auch nicht immun sind. Die Noten scheinen also nicht schuldig zu sein. Schade, es wäre doch so schön gewesen, sie aufgrund ihrer Schuld an der Unterrichtsmüdigkeit zu verurteilen.

Dann liegt es vielleicht daran, dass Schüler und Lehrer nach dem langen Schuljahr einfach erschöpft sind und eine längere Pause nötig haben? Wohl kaum. Ich habe das Sommerferienvirus in jedem Jahr meiner Schulzeit erlebt. Jedes Jahr beginnt es, sich erst schleichend, dann immer heftiger auszubreiten. Jedes Jahr. Immer ungefähr drei Wochen vor dem Schuljahresende. Läge dies aber an der Länge des Schuljahres, hätte die allgemeine Unterrichtsmüdigkeit im sehr langen Schuljahr 2013/14 wesentlich früher einschlagen müssen als sehr kurzen 2012/13. Hat sie aber nicht. Standardgemäß etwa drei Wochen vor den Sommerferien.

Dann bleibt eigentlich nur der, der immer schuld ist, wenn es niemand anderes ist: Das Wetter. Wenn es auf die Sommerferien zugeht, wird es heiß und bei Hitze kann man sich schlecht konzentrieren. Wobei.. Das Virus schien mir heute so schlimm wie nie. Und dabei bestätigt der Blick aus dem Fenster: Dieses Wetter ist Herbstferien-tauglich. Regen, zwischen 15 und 17 Grad. Von Hitze keine Spur. Außerdem gibt es für die wirklich heißen Tage hitzefrei. Mist, selbst da gibt es keinen Zusammenhang!

Vielleicht wird der Virus auch einfach jedes Jahr von Penny in unser Schulgebäude eingeschleust, wo er dann sofort beginnt, Lehrer und Schüler zu befallen. Denn wer hat nach sechs Stunden Frühstück in allen erdenklichen Varianten schon Lust, sich, besonders an heißen Tagen, noch etwas WARMES zu Essen aus der Kabuschka zu holen? Ein Eis von Penny wirkt da doch wesentlich verlockender. Ganz sicher. Der Virus wird von der Eislobby und dem Pennykonzern in unserer Schule ausgesetzt. Jedes Jahr wieder. Ob die verzweifelten Versuche der Schule, durch die Mensakarten und Eis in der Kabuschka dem Virus seine Wirkungsgrundlage zu entziehen, im nächsten Jahr funktionieren werden, bleibt fraglich. Für dieses Jahr ist es zu spät.

In diesem Sinne: Liebe Lehrer, dies ist nicht als Aufforderung gemeint, gegen die allgemeine Unterrichtsmüdigkeit vorzugehen. Falls Sie einen Impfstoff dagegen gefunden haben, verbreiten Sie ihn nicht weiter. Sind Sie von Natur aus immun dagegen, erlauben Sie dem Virus seine Wirkung zu entfalten. Lassen Sie Ihren Klassen die Zeit, in der sie von dem Virus befallen sind, genießen. Gönnen Sie ihnen und sich selbst diese Pause. Und an alle Schüler: Genießt es. Natürlich sind drei Doppelstunden Promiraten irgendwann langweilig. Aber wenn wir schon die ganze Zeit nach Spielen und Filmen schreien, sollten wir uns darüber freuen, wenn wir sie bekommen. In diesem Sinne: Eine schöne Zeit mit dem Vorsommerferienvirus. Und schöne Ferien.

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