Die Kirche ist wie zu jedem Konzert des Schulchors schon eine halbe
Stunde vor Beginn gut gefüllt. Die Hitze und das sich
zusammenbrauende Gewitter hält keinen davon ab, sich aus dem Haus
zu bewegen. In der Kirche zu St. Wilhadi in Stade ist es angenehm
kühl.
Pünktlich um halb acht wird die Kirche von Stimmen erfüllt. Man
dreht sich um. Singend ziehen der Schulchor des
Robert-Gerwig-Gymnasiums Hausach und der Schulchor des Gymnasiums
Athenaeum nach vorne und stellen sich auf. Sie sind – passend zum
Sommer – bunt gekleidet.
Latin-Jazz-Mass: Traditionelle Texte in lateinamerikanischen
Rhythmen
Ein halbes Jahr lang haben die beiden Chöre die Stücke eingeübt, um
sie nach wenigen gemeinsamen Probentagen dem Stader Publikum zu
präsentieren. Im Mittelpunkt der Auführung am 5.7.2015 stand die
Messe von Martin Völlinger, die 2008 uraufgeführt wurde. Sie
kombiniert lateinamerikanische schwungvolle Rhythmen wie Salsa und
Rumba mit traditionellen Texten wie Kyrie oder Agnus Dei.
Nach je einem Stück von Felix Mendelssohn-Bartholdy und Ernani
Aguiar begann der zentrale Teil.
Von Pop bis Bossa nova instrumental begleitet
Unter der Leitung von Musiklehrer Benjamin Warnat erfreuten die
SchülerInnen das Publikum mit ganz unterschiedlichen,
vergleichweise kurzen Liedern. Traditionell waren viele Texte auf
Latein, aber auch englische Pop-Balladen waren dabei. Außerdem
durfte Gospel nicht fehlen. Schön waren auch die Soli, die die
Stimmen von ganz vielen Mitgliedern des Chors präsentierten. Es
ließ sich ein Kontrast zwischen dem Tempo der Soli und dem des
gesamten Ensembles feststellen, aus dem die Stücke
abwechslungsreich komponiert waren. Den Rhythmus schufen ein
Klavier (Bernd Freydanck), ein Saxophon (Sebastian Albrecht), ein
Schlagzeug (Christian Hake) und ein Bass (Günter Köttgen).
Im Rahmen des Choraustauschs
Die vielleicht ungewöhnlich anmutende Kombination der Stile in der
zelebrierten Messe brachte den Sängerinnen und Sängern großen Spaß.
Die Masse der Chorleute wippte im Takt oder schwankte hin und her.
Besonders erheiternd für das Publikum war die Hüpferei bei der
Aufforderung, sich vor dem Herrn zu verbeugen. Allgemein scheint
der Choraustausch mit dem Schulchor des im Schwarzwald gelegenen
Robert-Gerwig-Gymnasiums Hausach sehr erfolgreich gewesen zu sein:
Am Montag wurden die Gastschüler zur Abfahrt begleitet und zurück
in der Schule sagte jemand: „Ich vermisse sie schon jetzt.“ Wie
gut, dass es demnächst zum Gegenbesuch nach Hausach geht und dort
die nächste Aufführung ansteht.
Begeisternder Abschluss
Das Stader Publikum konnte sich jedenfalls für diese Art von Musik
begeistern und die Chöre wurden durch Standing Ovations zu einer
Zugabe trotz Hitze überredet. Zum Abschluss wurden noch Blumen
verteilt: Die Chorleiter erhielten zum Dank für ihre Arbeit einen
großen Blumenstrauß; die Stader Abiturienten, die den Chor
verlassen werden, wurden mit Rosen verabschiedet. Nach einem
90-minütigen Programm hatte Benjamin Warnat das Recht, die Gäste
mit einem deutlichen „Auf Wiedersehen!“ nach Hause zu schicken.
Latino-Messe mit viel Rhythmus und doppeltem Chor
von Luise Kranzhoff





