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  1. 2015

Ein bisschen Frieden

DS-Theaterstück „Weihnachten an der Front“

von Joshua Minow

Das ist es wohl, was sich viele der Soldaten, die zu Beginn des 1. Weltkrieges zum Teil noch freudig freiwillig in den Krieg zogen, wenige Monate später am sehnlichsten wünschten. Tod, Verletzungen, Hunger, Nässe, Kälte ließen die Zeit vor dem Krieg schnell als eine vollständig andere Welt erscheinen. Der erbarmungslose Stellungskrieg mit Scharfschützen und Artillerieangriffen erschöpfte die Soldaten physisch wie psychisch, so dass jede Atempause als ein besonderes Geschenk angesehen wurde. Weihnachten 1914 kam es an vielen Stellen der Front zu Szenen, in denen sich die gegnerischen Seiten trafen und für ein paar Stunden darauf besannen, was sie eigentlich waren - Menschen, die sich im Grunde genommen nicht wirklich von einander unterschieden. Eine dieser Zusammenkünfte wird von Jérôme Savary in seinem Stück „Weihnachten an der Front“ beschrieben.

Die wichtigsten Szenen aus diesem Stück wurden am 24. und 25. Juni 2015 von jeweils einem Kurs „Darstellendes Spiel“ der 11. Klassen, unterrichtet von Frau Liebethal, aufgeführt. Es geht um zwei Soldatengruppen, eine französische und eine deutsche, die sich an Heiligabend in ihren Gräben gegenüberstehen. Beide Seiten respektieren die Bedeutung dieses Abends und der Frontabschnitt bleibt relativ ruhig. In dieser Pause vom Krieg beginnen die Soldaten, ihre Zeit vor dem Krieg Revue passieren zu lassen. Sie treffen sich letztendlich im „No man’s land“, aber nicht als Feinde, sondern als Freunde und tauschen untereinander ihre Geschichten aus.

Auch wenn es sich um das gleiche Stück handelte, unterschieden sich die Inszenierungen doch voneinander. So war es zum Beispiel während der Vorführung am 24.06.15 für das Publikum verwirrend, dass Darsteller im Laufe des Abends verschiedene Charaktere französischer als auch deutscher Nationalität spielten. Lücken im Handlungsstrang wurden erst durch die 2. Aufführung vom 25.06.15 aufgeklärt. Während am Mittwoch ( 24.06. ) die Verbrüderungsszene noch mit der Ankündigung „...den Franzosen vor den Graben zu kac...“ eingeleitet wurde, ging man am Donnerstag einfach zu den Franzosen hinüber. Kleine Unterschiede also, die nur der vergleichende „Reporter“ entdecken konnte.

Im Hauptteil blickten die Akteure auf ihre Zeit vor dem Krieg zurück. Da gab es den Akrobaten ( mit erstaunlich gelungenen akrobatischen Einlagen ), der gern wieder bei seiner Freundin wäre oder den Zuhälter, der seine Prostituierten zwischenzeitlich an die Kirche verloren hatte. Nachdem die Soldaten die Schützengräben als Feinde verlassen hatten und beim Feiern und Erzählen fast so etwas wie Freunde wurden, mussten sie doch als Feinde wieder zurück in die Gräben. Der Kurs vom 25.06.15 sah das Ende weniger optimistisch als der andere Kurs. Dort überlebte niemand. Auch wenn es hier und da mal hakte und es an manchen Stellen unfreiwillig komisch wurde, ist es beiden Kursen gelungen, das Publikum 101 Jahre zurück in die Zeit des 1. Weltkrieges zu versetzen und es in die Welt der Figuren des Stücks mit ihren Wünschen und Hoffnungen eintauchen zu lassen. „Das Komische und auch das Groteske waren Teil des Regiekonzeptes“, erklärt Frau Liebethal.

Das aussagekräftige Bühnenbild sowie Licht und Ton, wie immer perfekt ausgeführt von der Licht- und Tontechnik-AG, ergänzten die Leistungen der Akteure in gelungener Weise. Kleinere Pannen, in denen u.a. auch ein Gummihuhn eine Rolle spielte, gehören zu Uraufführungen sowieso dazu. In anschließenden Gesprächen mit den Schauspielern stellte sich heraus, dass auch diese mit ihrem Spiel zufrieden, teilweise aber auch überrascht darüber waren, wie gut die Aufführungen trotz der im Schauspiel relativ unerfahrenen Beteiligten abliefen.
Das Plakat soll auch erwähnt werden – es wurde von Schülern entworfen und ist mit seinen dezenten Farben sehr gelungen.
So lässt sich abschließend vermuten, dass diese Aufführungen nicht nur einen positiven Eindruck beim Publikum hinterließen, sondern sich bestimmt ebenso positiv in den Noten der Kursteilnehmer widerspiegeln werden.

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