Eine Reise durch den Mikrokosmos
von Richard M. Unkelbach und Paul Anton Rainer
Als wir den Raum B203 betreten, stößt uns ein deftiger
Zwiebelgeruch entgegen. Grund dafür ist nicht etwa ein Kochseminar,
nein, hier werden praktische wissenschaftliche Arbeiten
durchgeführt. Genauer gesagt gibt Frau Kruse Fünft- und
Sechstklässlern unter Assistenz von Frau Unverferth eine Einführung
ins Mikroskopieren.
Im Verlauf der Schulkarriere gerät man als Schüler normalerweise
erst in der siebten Klasse mit einem Mikroskop in Kontakt. Dabei
können sich auch jüngere Schülerinnen und Schüler schon mit großem
Eifer und viel Sorgfalt der Mikroskopie widmen, wie die
konzentrierte Arbeitsatmosphäre an allen Tischen zeigt.
Luca (11 Jahre) ist gerade dabei, eine selbstentnommene
Speichelprobe zu untersuchen. Die Zellen der Mundschleimhaut werden
dabei durch eine blaue Farbe sichtbar gemacht, mit welcher die
Probe zuvor versetzt wurde. "Das ist bereits mein viertes Präparat
heute", erklärt der junge Schüler stolz. Neben der Speichelprobe
sind bereits Zwiebelhaut, Wasserpest und Blätter der Kirschrose
unter dem Mikroskop gelandet - saubere Zeichnungen der
Mikroskopbilder geben dabei gut Auskunft über das, was Luca alles
durchs Mikroskop gesehen hat. Er berichtet, dass jedes Präparat
speziell vorbereitet werden müsse, so habe man die Blätter der
Kirschrose in kleinste Streifen geschnitten, um den Blattschnitt
schließlich stark vergrößert betrachten zu können. Besonders freue
er sich auf die Betrachtung von Wasser aus dem Schulgarten, ganze
Tiere solle man darin erkennen können, die für das bloße Auge unter
normalen Umständen unsichtbar bleiben. Seine Wahl des Seminars
rühre daher, dass er zu Hause mal mit einem, wie er es nennt,
"Billig-Mikroskop" hantiert habe und seine Kenntnisse nun vertiefen
wolle. Und mit der Zeit mache ihm das auch richtig Spaß, lediglich
die theoretische Einführung am Anfang habe er als eher langweilig
empfunden.
Unter Silans Mikroskop liegt ebenfalls Mundschleimhaut. Auf die
Frage, warum ihre Wahl auf dieses Seminar gefallen ist, antwortet
sie: "Die Beschreibung hörte sich interessant an und ich wollte die
Mikroskopie einmal ausprobieren." Außerdem zeige sie sich nach
eigener Aussage generell an biologischen Themen interessiert,
wodurch ihre Wahl noch einmal bekräftigt worden sei. Auch die
Sechstklässlerin erzählt von den bereits untersuchten
Anschauungsobjekten, unter denen sich auch noch ein Menschenhaar
befand. Resümierend bringt sie zum Ausdruck, dass das
Mikroskopieren sowie auch das anschließende Zeichnen gar nicht so
schwer sei und ihr das Seminar gefalle.