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  1. 2015

Vortrag am 27.11.15:

,,Autismus: Ein autobiografischer Alltagsbericht"

von Barbara Post

Ohoo, die Technik in der Aula streikt ein bisschen - Ist das für einen Autisten, der einen gut geplanten Vortrag halten will, eine schwer zu überwindende Hürde? Wird dieses unvorhergesehene Ereignis unseren Vortragenden sehr nervös machen? Nein, Julian bleibt locker und kann sich schnell auf die neue Situation einstellen.
Besonders Schüler aus der 10. und 11. Klasse füllen die Aula. Einige haben auf Wunsch schon vorher schriftlich Fragen gestellt, deren Antworten Julian in den Vortrag einarbeiten will. Der 23-Jährige möchte am liebsten geduzt werden, wünscht sich aber, dass wir seinen Nachnamen nicht unbedingt erwähnen und auch keine Fotos machen. Daran halten wir uns natürlich.
Zunächst stellt Melina Umland aus Jahrgang 12 das Phänomen Autismus und seine verschiedenen Ausprägungen vor, damit alle Zuhörer eine Grundlage haben. Sie hat darüber schon eine Facharbeit geschrieben, spricht frei und sicher; sie kennt sich bestens aus.
Im Anschluss erzählt Julian zu Beginn seines Vortrags, er reise immer mit der Bahn an (Bahncard 100!), weil das Bahnfahren eine seiner Lieblingsbeschäftigungen sei. „Da kann ich mit Menschen, (die nicht weglaufen ) in einer für mich angenehmen Kleingruppe reden. Ich orientiere mich gerne an den meist gleich und systematisch aufgebauten Bahnhöfen mit ihren Gleisen und kleinen Einkaufsmöglichkeiten.“ Sein Orientierungssinn im nicht-Bahn-Alltag sei allerdings ziemlich schlecht, gibt Julian lächelnd zu, aber das Bahnnetz und die Fahrpläne gäben ihm Sicherheit. Die könne man ja einfach auswendig lernen…
„Ich kann nicht gut mit Zahlen umgehen, auch wenn Autisten oft eine naturwissenschaftliche Begabung nachgesagt wird“, berichtet Julian später. Aber dafür liebe er den Umgang mit Sprache und charakterisiere Menschen oft danach, wie sie sprächen. Er könne Stimmungen gut am Tonfall des Gesprochenen ablesen. Viele Menschen mit Asperger-Syndrom haben Schwächen in den Bereichen der sozialen Interaktion und können normalerweise bei Mitmenschen Stimmungen schwer erkennen.
Die Stimmung in der Aula ist richtig gut, das erkennt man leicht, denn nach dem ca. 60-minütigen, sehr informativen, teilweise auch witzigen Vortrag trauen sich viele Schüler, direkte Fragen an Julian zu stellen.
Am Ende gibt es viel Applaus für alle Beteiligten: Melina, die Technik-AG und besonders Julian. Über das Asperger-Syndrom wissen wir nun aus erster Hand eine ganze Menge mehr als vorher. Einige Schüler bedanken sich beim Verlassen der Aula persönlich beim Vortragenden. Wir wünschen uns, dass dieser Vortrag die Thematik Autismus und Asperger-Syndrom Nicht-Betroffenen näher gebracht hat und so auch am Athenaeum Inklusion für alle Beteiligten etwas leichter macht.

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