Eine Gruppe hyperintelligenter Jugendlicher, eine Entführung in
einer Rakete und ein paradoxes Phänomen. Das waren die Themen am
zweiten Astronomie-Abend am Freitag, den 20.11.2015, in der Aula
des Athenaeums.
Das Programm der Astronomie AG ist komplex und anspruchsvoll; umso
erstaunlicher, dass sich davon so viele besonders junge
SchülerInnen angesprochen fühlen. Und das, was man lernt und
vielleicht zum Teil nicht hundertprozentig verstehen kann, einem
Publikum zu erklären, ist nicht ganz einfach. Da greift man zu
Mitteln wie einem Theaterstück, das zudem noch von Musik der
Athe-Bigband unter Leitung von Karen Simon unterstützt wird:
Ein paar Freunde, darunter Zwillinge, finden im Wald eine Rakete.
Sie sind fasziniert, stellen aber fest, dass sie einer Bande von
Schleusern gehört. Die Schleuser haben die Jugendlichen bemerkt;
sie starten die Rakete, um ihr Treiben zu vertuschen. Nur leider
sitzt Laura, eine der Zwillingsschwestern, noch in der Rakete.
Eine paradoxe Entführung mit Zeitreise
Der zweite Astronomie-Abend 2015 am Athenaeum
von Luise Kranzhoff


Durch den Antimaterie-Antrieb ist sie nahe an der Lichtgeschwindigkeit und damit zu schnell, um sie per Funk zu erreichen. Eine wilde Verfolgungsjagd, dazu das Tatort-Intro, die mit der Festnahme der Schleuser endet. Das hilft nur leider nicht, den gefangenen Zwilling wieder zurückzubringen. Laura hat im Universum nur eine Möglichkeit, sich bemerkbar zu machen: Sie schickt Signalraketen. Sie ist allerdings so weit weg, dass das Licht verzögert bei der Erde ankommt. Deike, der andere Zwilling, hat natürlich – wer hat das nicht?! - ein Teleskop im Garten, sodass die Freunde Lauras Reise nachvollziehen können. So gehen die Jahre ins Land. Während Laura mit Hilfe eines Flyby-Manövers beidreht und wieder Richtung Erde fliegt, heiratet Deike und lebt ihr Leben. Am 18. Geburtstag von Ve, Deikes Tochter, taucht jemand auf, der Ve zum Verwechseln ähnlich sieht. Nach einiger Verwirrung ist die Freude groß, dass Laura wieder zurückgekehrt ist. Aber sie ist nur um drei Jahre gealtert, während auf der Erde dreißig Jahre vergangen sind.

Ohne Auflösung dieses Phänomens musste keiner gehen: Zunächst lässt
es sich damit erklären, dass eine hohe Geschwindigkeit zu weniger
Alterung führt. Laura bewegt sich nahezu mit Lichtgeschwindigkeit
und auch Licht altert nicht. Das Zwillingsparadoxon ergibt sich
daraus aber erst: Aus Lauras Sicht bewegt sich nämlich Deike von
ihr weg und nicht umgekehrt. Also müsste aus ihrer Sicht eigentlich
ihre Zwillingsschwester auf der Erde die Jüngere sein. Die
Erklärung liefert die Beschleunigung, die Laura beim Start und auch
bei der Wende erfährt. Sie führt wie die Schwerkraft zu einer
Krümmung der vierdimensionalen Raumzeit. Die meiste Zeit der Reise
vergeht auf der Erde, während Laura die Wende fliegt, aber ihre Uhr
bleibt dabei fast stehen.
Genaueres wie die rechnerische Herleitung konnte der Besucher auf
einem Handout und auf Plakaten nachlesen. Die Raumkrümmung wurde
sogar fotografisch mit dem Zwillingsquasar nachgewiesen. Enttäuscht
musste dabei mancher feststellen, dass Reisen in die Vergangenheit
unmöglich sind. Laura dagegen gelingt es, in die Zukunft zu reisen,
in der ihre Zwillingsschwester 27 Jahre älter ist als sie.
So ging ein Abend zu Ende, der fachliche und musikalische
Bereicherung bot. Die Aula war gut gefüllt; bei so regem Interesse
dürfen wir vielleicht auf einen weiteren Astronomie-Abend hoffen.


