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  1. 2016

Athenaeer forschen auf den Azoren

so erschienen im Stader Tageblatt am 22.12.15

Zwei Gymnasiasten des Athenaeum in Stade stehen aufregende Zeiten bevor: Meica Mischok (16) und Max Neitzel (13) fliegen im Sommer des kommenden Jahres für zwei Wochen auf die Insel Pico im Atlantik.

Die Jugendlichen werden ein internationales Wissenschaftler-Team dabei unterstützen, die Pflanzen- und Tierwelt der Azoren zu erforschen. „Das Programm geht weit über touristisches Whalewatching hinaus“, betont der Direktor des Stader Traditionsgymnasiums, Wolfgang Horn. Er möchte die vom Schulverein finanzierte Exkursion fortan jedes Jahr anbieten.

Die Bildungsstätte greift dafür auf ein Angebot des Instituts für Jugendmanagement in Heidelberg zurück. Mit ihrem Projekt Master MINT möchte die Stiftung das Interesse junger Menschen für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik fördern. Dazu lädt sie Schüler aus der gesamten Republik zu Forschungsexpeditionen an exotischen Orten ein. Die Reisen führen nach Australien, Amerika, Norwegen, Island und auf die Azoren. Dort gehen die Jugendlichen erfahrenen Wissenschaftlern zur Hand und lernen dabei die geografisch wie ökologisch spannenden Regionen aus einer für sie völlig anderen Perspektive kennen.

Mit Meica Mischok und Max Neitzel sind im kommenden Jahr zum ersten Mal zwei Schüler des Stader Traditionsgymnasiums Athenaeum bei einer der Exkursionen dabei. Eher beiläufig ist der Fachleiter für Geografie, Volker Hansen, auf die Aktion aufmerksam geworden. Er war sofort überzeugt von der Offerte. Die Teilnehmer hätten die einmalige Gelegenheit, renommierten Forschern bei ihrer Arbeit über die Schulter zu schauen. Das käme nicht nur ihrer Persönlichkeitsentwicklung zugute, sondern biete zudem die willkommene Gelegenheit, neue Impulse für die eigene Zukunft und den akademischen oder beruflichen Werdegang zu sammeln. Kurzerhand rief der Pädagoge einen schulinternen Wettbewerb ins Leben. Alle Interessierten der achten bis elften Klassen – insgesamt 600 Mädchen und Jungen – konnten sich schriftlich um die beiden freien Plätze bewerben.

„Das lief völlig diskret ab“, erklärt der Lehrer. Das anonyme Verfahren sollte Vetternwirtschaft ausschließen. Eine Jury aus Vertretern des Kollegiums und des Schulvereins beriet über die Kandidaten. Pädagoge Volker Hansen beschreibt die Gewinner des Stipendiums als „herausragende Persönlichkeiten in ihren Jahrgängen“. Direktor Wolfgang Horn spricht von „Engagierten mit intellektuellem Hintergrund“.

Den Auserwählten steht die Freude ins Gesicht geschrieben. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass es klappt“, berichtet Max Neitzel. Der 13-Jährige hat bereits als Kind am liebsten Bücher über Tiere gelesen und früh ein eigenes Aquarium bekommen. Während eines Familienurlaubs konnte er von einer kroatischen Bucht aus schon einmal Delfine sehen.

Diese Erfahrung steht Meica Mischok noch bevor. Doch auch das Herz der abenteuerlustigen 16-Jährigen schlägt für die Meeressäuger, den sie im Sommer sehr nahe sein wird. „Ich bin total begeistert“, sagt sie. Die bevorstehende Reise sei „ein großes Geschenk“.

Dass Max Neitzel ein erfolgreicher Triathlet beim Stader Schwimmverein und Meica Mischok eine engagierte Rettungsschwimmerin bei der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) und Vorstandsmitglied in deren Jugendorganisation ist, hat der Jury die Entscheidung erleichtert. Bewusst schickt das Athenaeum sozial eingestellte Schüler, die gleichzeitig sportlich sind, auf die Azoren-Insel. Der Trip verspricht nämlich auch körperlich anspruchsvoll zu werden. Die Jugendlichen sollen neben kartografischen und fotografischen Arbeiten vor allem im Atlantischen Ozean tauchen und Vulkane besteigen. Ein Tauchschein ist deshalb Pflicht.

Um die Teilnahme an der 5000 Euro teuren Exkursion unabhängig vom Geldbeutel der Eltern zu machen, ist der 600 Mitglieder starke Schulverein als Sponsor eingesprungen, sagt Vorstand Rainer Blocksdorf. Nur je 150 Euro müssen Meica Mischok und Max Neitzel beisteuern. Mit Nebenjobs in einem Jugendcafé und einer Spedition wollen sie die Summe zusammenbekommen. Die Ausflüge auf Pico möchten die Gymnasiasten mit einer Videokamera festhalten, um später den Mitschüler ihre Eindrücke zu schildern. Wenn die Premiere glückt, werde das Athenaeum den hausinternen Wettbewerb jährlich fortsetzen, kündigt Direktor Wolfgang Horn an.

Über das Inselparadies Pico und die Azoren

Pico (portugiesisch für „Gipfel“) ist die zweitgrößte Insel der im Atlantik liegenden, aber zu Portugal gehörenden Inselgruppe Azoren. Sie ist 42 Kilometer lang, 15 Kilometer breit, von Vulkankratern durchzogen und beherbergt etwa 14 000 Einwohner. Bekannt ist die zum Weltkulturerbe erklärte Insel für ihr tiefschwarzes Gestein, den Weinanbau, die Käseherstellung und die Rinderzucht. Ihr Name geht auf den 2 351 Meter hohen Vulkan Ponta do Pico zurück, dem höchsten Berg Portugals. Bis zu 25 Wal- und Delfinarten tummeln sich im Meer rund um die Azoren. Doch der Walfang wurde den Fischern von Pico in den 1980ern verboten. Damals standen viele Inselbewohner – die Azoren galten seinerzeit als das Armenhaus Portugals – vor dem Ruin. Inzwischen ist das Beobachten der Wale aber zu einer Touristenattraktion und damit zu einem der wichtigsten Wirtschaftszweige für die Einheimischen geworden. Die eindrucksvolle Insel ist bei Europäern auch deshalb beliebt, weil die dort startenden Boote für Ausflügler und Forscher bis auf 50 Meter an die majestätischen Meeressäuger herankommen.

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