Da stimmt die Chemie.
Exkursionen, die sind lustig…
von Melina Umland
„Guck mal, das da sieht aus wie R2-D2!“
Oh ja, ohne Erklärung kann selbst der Chemieleistungskurs
offensichtlich nur schwer technische Anlangen mit chemischen
Reaktionen in Verbindung bringen. Aber warum wären wir in der
Schule, wenn nicht um zu lernen (zum Beispiel, dass in
Industrieparks keine riesige R2-D2-Statue steht)?
Deswegen hat der Chemiekurs von Frau Buck auch einen Ausflug zur
DOW gemacht. Um mal die Theorie in der Praxis zu sehen.
Die erste Feststellung, die die Schüler machen konnten: Wenn man so
sagt, man fährt zur DOW, dann ist da gar nicht so viel DOW. Eine
Reihe von Produktionszweigen wurde inzwischen an andere Firmen
ausgelagert; Trinseo, Olin, Air Liquide und noch einige andere
Namen, die den meisten Schülern wenig sagen, in der Industrie
jedoch von größter Bedeutung sind.
Bei der Rundfahrt über das Gelände bekommen wir in Kurzfassung
einige der Namen erklärt, was sie produzieren und wofür die
Produkte gebraucht werden. Zudem legt der „Reiseführer“ Andreas
Drath Wert darauf, den Schülern ein Gefühl von Dimensionen zu
vermitteln.
Der DOW-Industriepark verbraucht 1 % der elektrischen Leistung –
nicht etwa von Stade, sondern von ganz Deutschland. Davon wird gut
ein Viertel über ein eigenes Kraftwerk gewonnen, indem einige
Abfallprodukte der chemischen Reaktionen – wie zum Beispiel der
Wasserstoff aus der Chlor–Alkali–Elektrolyse – verbrannt werden.
Tatsächlich ist das nicht die einzige Tatsache, die am Image der
Chemieindustrie als bösem Umweltverpester kratzt. Nahezu alle
Produkte der DOW, die nicht genutzt oder weiterverkauft werden,
werden wiederverwendet: Recycling in den größten Maßstäben.
Auch die Abgase sind streng kontrolliert: So pustet zum Beispiel VW
das 30-fache an Stickoxiden in die Atmosphäre. Obwohl, vielleicht
ist VW momentan nicht das beste Beispiel für Umweltarbeit.
Während der Bustour über das Gelände gucken wir uns abgesehen von
der Wiederverwertungsanlage noch eine ganze Menge anderer Gebäude
und Anlagen an, unter anderem einen Turm mit Kuppeldach, der
erwähnte Ähnlichkeit mit einem Druiden (nicht dem, den ihr sucht)
aufweist.
Der Turm ist allerdings viel weniger lustig und niedlich als sein
kleineres Double, denn er bildet die Schutzhülle für einen
Produktionsschritt, in dem Phosgen, ein tödliches Giftgas, welches
auch im 1. Weltkrieg eingesetzt wurde, vorkommt.
(Natürlich bietet sich an dieser Stelle der Führung eine
lästerliche, unhöfliche Frage an, doch nein, der DOW-Standort Stade
ist viel zu jung um in irgendeinem Zusammenhang mit kriegerischen
Auseinandersetzungen gebracht zu werden.)
Noch eine ganze Menge weiterer Daten und Produktionswegen hören
wir, bevor zu unserem eigentlichen Hauptteil gelangen: Der Anlage
für die Chlor-Alkali-Elektrolyse.
[chemischer Crashkurs: die Elektrolyse ist praktisch das Aufladen
einer Batterie. Man führt Strom einigen chemischen Verbindungen zu,
damit diese sich zerlegen, und später, wenn sie ohne Stromzufuhr
zurück reagieren, die Energie in Form von Strom wieder abgeben.
Die DOW lädt aber natürlich keine gigantische Batterie, sondern
möchte aus einer Salzsole durch die Zerlegung Chlor gewinnen,
welches in der Industrie für viele Produktionen benötigt wird.
Dabei entstehen nebenbei noch Natronlauge und Wasserstoff, welche
verkauft oder zur Energiegewinnung verbrannt werden.]
Für den Chemieleistungskurs ist das der interessanteste Teil, da
hier nicht nur der Unterrichtsstoff wiederholt, sondern praktisch
veranschaulicht wird, und man dem fachkompetenten Michael Böse (der
aber sehr nett war) natürlich viele spannende Fragen stellen kann.
Für die meisten Leser hier sind die hochinteressanten chemischen
Details aber wahrscheinlich... nun ja, nicht so hochinteressant.
Sollte ich mit dieser Einschätzung falsch liegen, steht es jedem
frei, sich an den Chemielehrer seines Vertrauens zu wenden.
Nachdem wir also unser fachliches Interesse gestillt haben, bewegen
wir uns in Richtung des Endes. Der Abschluss unserer Führung findet
in einem warmen Konferenzraum statt, in dem wir Andreas Drath mit
unseren übrig gebliebenen Fragen löchern können und liebevoll
vorbereitete Brötchen serviert bekommen.
Mit der abschließenden Diskussionsrunde, bei der auch
chemisch-wirtschaftliche Aspekte hinreichend diskutiert wurden, hat
der Chemiekurs seine Neugier gestillt – für’s Erste.



