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  1. 2016

Da stimmt die Chemie.

Exkursionen, die sind lustig…

von Melina Umland

„Guck mal, das da sieht aus wie R2-D2!“
Oh ja, ohne Erklärung kann selbst der Chemieleistungskurs offensichtlich nur schwer technische Anlangen mit chemischen Reaktionen in Verbindung bringen. Aber warum wären wir in der Schule, wenn nicht um zu lernen (zum Beispiel, dass in Industrieparks keine riesige R2-D2-Statue steht)?
Deswegen hat der Chemiekurs von Frau Buck auch einen Ausflug zur DOW gemacht. Um mal die Theorie in der Praxis zu sehen.

Die erste Feststellung, die die Schüler machen konnten: Wenn man so sagt, man fährt zur DOW, dann ist da gar nicht so viel DOW. Eine Reihe von Produktionszweigen wurde inzwischen an andere Firmen ausgelagert; Trinseo, Olin, Air Liquide und noch einige andere Namen, die den meisten Schülern wenig sagen, in der Industrie jedoch von größter Bedeutung sind.
Bei der Rundfahrt über das Gelände bekommen wir in Kurzfassung einige der Namen erklärt, was sie produzieren und wofür die Produkte gebraucht werden. Zudem legt der „Reiseführer“ Andreas Drath Wert darauf, den Schülern ein Gefühl von Dimensionen zu vermitteln.
Der DOW-Industriepark verbraucht 1 % der elektrischen Leistung – nicht etwa von Stade, sondern von ganz Deutschland. Davon wird gut ein Viertel über ein eigenes Kraftwerk gewonnen, indem einige Abfallprodukte der chemischen Reaktionen – wie zum Beispiel der Wasserstoff aus der Chlor–Alkali–Elektrolyse – verbrannt werden.
Tatsächlich ist das nicht die einzige Tatsache, die am Image der Chemieindustrie als bösem Umweltverpester kratzt. Nahezu alle Produkte der DOW, die nicht genutzt oder weiterverkauft werden, werden wiederverwendet: Recycling in den größten Maßstäben.
Auch die Abgase sind streng kontrolliert: So pustet zum Beispiel VW das 30-fache an Stickoxiden in die Atmosphäre. Obwohl, vielleicht ist VW momentan nicht das beste Beispiel für Umweltarbeit.
Während der Bustour über das Gelände gucken wir uns abgesehen von der Wiederverwertungsanlage noch eine ganze Menge anderer Gebäude und Anlagen an, unter anderem einen Turm mit Kuppeldach, der erwähnte Ähnlichkeit mit einem Druiden (nicht dem, den ihr sucht) aufweist.
Der Turm ist allerdings viel weniger lustig und niedlich als sein kleineres Double, denn er bildet die Schutzhülle für einen Produktionsschritt, in dem Phosgen, ein tödliches Giftgas, welches auch im 1. Weltkrieg eingesetzt wurde, vorkommt.
(Natürlich bietet sich an dieser Stelle der Führung eine lästerliche, unhöfliche Frage an, doch nein, der DOW-Standort Stade ist viel zu jung um in irgendeinem Zusammenhang mit kriegerischen Auseinandersetzungen gebracht zu werden.)
Noch eine ganze Menge weiterer Daten und Produktionswegen hören wir, bevor zu unserem eigentlichen Hauptteil gelangen: Der Anlage für die Chlor-Alkali-Elektrolyse.

[chemischer Crashkurs: die Elektrolyse ist praktisch das Aufladen einer Batterie. Man führt Strom einigen chemischen Verbindungen zu, damit diese sich zerlegen, und später, wenn sie ohne Stromzufuhr zurück reagieren, die Energie in Form von Strom wieder abgeben.
Die DOW lädt aber natürlich keine gigantische Batterie, sondern möchte aus einer Salzsole durch die Zerlegung Chlor gewinnen, welches in der Industrie für viele Produktionen benötigt wird. Dabei entstehen nebenbei noch Natronlauge und Wasserstoff, welche verkauft oder zur Energiegewinnung verbrannt werden.]

Für den Chemieleistungskurs ist das der interessanteste Teil, da hier nicht nur der Unterrichtsstoff wiederholt, sondern praktisch veranschaulicht wird, und man dem fachkompetenten Michael Böse (der aber sehr nett war) natürlich viele spannende Fragen stellen kann.
Für die meisten Leser hier sind die hochinteressanten chemischen Details aber wahrscheinlich... nun ja, nicht so hochinteressant.
Sollte ich mit dieser Einschätzung falsch liegen, steht es jedem frei, sich an den Chemielehrer seines Vertrauens zu wenden.
Nachdem wir also unser fachliches Interesse gestillt haben, bewegen wir uns in Richtung des Endes. Der Abschluss unserer Führung findet in einem warmen Konferenzraum statt, in dem wir Andreas Drath mit unseren übrig gebliebenen Fragen löchern können und liebevoll vorbereitete Brötchen serviert bekommen.
Mit der abschließenden Diskussionsrunde, bei der auch chemisch-wirtschaftliche Aspekte hinreichend diskutiert wurden, hat der Chemiekurs seine Neugier gestillt – für’s Erste.

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