Sie sind hier :
  1. 2016

P.A.R.T.Y. im Elbe Klinikum Stade

von Luise Kranzhoff

Ausgelassene Stimmung in einem Auto. Die Mädchen spielen mit ihren Handys. Unmerklich überquert das Fahrzeug die Leitlinie und gerät in den Gegenverkehr. Danach nur noch Lärm, die Insassen werden brutal hin und her geschleudert, das Auto völlig demoliert.

„Don´t risk your fun!“ - Unter diesem Motto stand der erste P.A.R.T.Y.-Tag, der am 05.02.2016 im Elbe Klinikum in Stade stattfand. Die Abkürzung steht für etwas anderes, als sie zunächst vermuten lässt: Prevent Alcohol and Risk-Related Trauma in Youth. An diesem Programm durften die 9L des Athenaeums und außerdem drei Schulsanitäter teilnehmen. Begleitende Lehrkräfte waren Frau Morlang und Frau Puls.

Nach dem Empfang und einigen einleitenden Worten zum Programm allgemein und dem Tagesablauf wurde das Ziel formuliert: Das Risikobewusstsein für Unfälle bei Jugendlichen zu entwickeln und zu fördern. Dazu trugen die Berichte der Ärzte und des ebenfalls teilnehmenden Polizisten bei.

Die SchülerInnen starteten ihren Rundgang durch die verschiedenen Stationen, die ein Verunfallter durchlaufen muss, im Schockraum. Ein Arzt löste den Alarm aus und erstaunt konnten die Anwesenden beobachten, wie sich nach und nach der Raum füllte. Alle möglichen Schwestern und Ärzte strömten hinein und legten sich eine Bleischürze an.
So geht es in dem Raum zu, wenn ein Patient mit Trauma eingeliefert wird. Eine große Uhr an der Wand zählt die Sekunden, während die Beteiligten versuchen, den Verunglückten zu stabilisieren. Alle möglichen Geräte stehen dem Team von Spezialisten dabei zur Verfügung.
Und wie geht es dann weiter? Der Patient wird – wenn nötig – auf die Intensivstation gebracht. Dort wird er je nach Grad der Verletzung teilweise bei Bewusstsein, teilweise im künstlichen Koma von den Schwestern rund um die Uhr versorgt. Auch diese Station durften sich die SchülerInnen angucken. Die Stimmung dort war sehr bedrückend, weniger schlimm war dann die „normale“ Station, auf der die Patienten bei Bewusstsein ihre Verletzungen auskurieren. Dort gab es sogar die Gelegenheit, mit einem Unfallopfer über den Hergang und die Folgen eines Unfalls zu sprechen. Die betroffene Frau war sehr offen und beantwortete alle Fragen.
Die letzte Station war der Rettungswagen. Die Teilnehmenden konnten den Rettungssanitätern über die Schulter gucken, während diese kommentiert in einem aufwendig gestalteten Szenario einen Schwerverletzten versorgten. Dabei wurde deutlich, dass es bei Beeinträchtigungen der lebenswichtigen Funktionen auf das schnelle effektive Reagieren ankommt.

Allen Stationen war gemeinsam, dass die Ärzte, Sanitäter und Schwestern den dringenden Wunsch aussprachen, keinen der teilnehmenden SchülerInnen jemals im Kontext eines solchen wohl möglich durch fahrlässiges Verhalten verursachten Unfalls zu sehen. Dies war auch die Lehre, die alle Teilnehmer nach dem Mittagessen zogen.

Aber vorher konnten die SchülerInnen mit einem weiteren Betroffenen ins Gespräch kommen, der mittlerweile nach seinem Unfall wieder entlassen worden war, sich jedoch auf das Leben mit einer Prothese einstellte. Im Unterschied zu vielen anderen Fällen hatte dieser Patient jedoch eine besondere Einstellung seinem Unfall gegenüber.
Bereitwillig zeigte er seine Prothese, die das unterm Knie amputierte Bein ersetzen soll. Und damit nicht genug: Vergnügt führte er auch vor, wie er die Prothese aus- und wieder anzog und erklärte dabei ihre genaue Funktionsweise, während er ganz offen über seine Erlebnisse sprach. Beiden Patienten, die sich an diesem Tag zum Erzählen bereit erklärt hatten, war Unrecht getan worden. Ihre Verletzungen hatten sie durch das fahrlässige Verhalten anderer Teilnehmer am Straßenverkehr erhalten.
So war auch diese Tatsache lehrreich insofern, als sie das Bewusstsein für die Verantwortung im Straßenverkehr erhöhen konnte.

Nach einem Tag voller aufregender aber auch schockierender Erkenntnisse machten sich die SchülerInnen wieder auf den Weg nach Hause.
Und das Elbe Klinikum kündigte an, das Programm häufiger im Jahr für Jugendliche durchzuführen. So können sich weitere SchülerInnen darauf freuen, einen ebenso interessanten Vormittag im Stader Krankenhaus zu erleben.

Vorschau