Ausgelassene Stimmung in einem Auto. Die Mädchen spielen mit ihren
Handys. Unmerklich überquert das Fahrzeug die Leitlinie und gerät
in den Gegenverkehr. Danach nur noch Lärm, die Insassen werden
brutal hin und her geschleudert, das Auto völlig demoliert.
„Don´t risk your fun!“ - Unter diesem Motto stand der erste
P.A.R.T.Y.-Tag, der am 05.02.2016 im Elbe Klinikum in Stade
stattfand. Die Abkürzung steht für etwas anderes, als sie zunächst
vermuten lässt: Prevent Alcohol and Risk-Related Trauma in Youth.
An diesem Programm durften die 9L des Athenaeums und außerdem drei
Schulsanitäter teilnehmen. Begleitende Lehrkräfte waren Frau
Morlang und Frau Puls.
Nach dem Empfang und einigen einleitenden Worten zum Programm
allgemein und dem Tagesablauf wurde das Ziel formuliert: Das
Risikobewusstsein für Unfälle bei Jugendlichen zu entwickeln und zu
fördern. Dazu trugen die Berichte der Ärzte und des ebenfalls
teilnehmenden Polizisten bei.
Die SchülerInnen starteten ihren Rundgang durch die verschiedenen
Stationen, die ein Verunfallter durchlaufen muss, im Schockraum.
Ein Arzt löste den Alarm aus und erstaunt konnten die Anwesenden
beobachten, wie sich nach und nach der Raum füllte. Alle möglichen
Schwestern und Ärzte strömten hinein und legten sich eine
Bleischürze an.
So geht es in dem Raum zu, wenn ein Patient mit Trauma eingeliefert
wird. Eine große Uhr an der Wand zählt die Sekunden, während die
Beteiligten versuchen, den Verunglückten zu stabilisieren. Alle
möglichen Geräte stehen dem Team von Spezialisten dabei zur
Verfügung.
Und wie geht es dann weiter? Der Patient wird – wenn nötig – auf
die Intensivstation gebracht. Dort wird er je nach Grad der
Verletzung teilweise bei Bewusstsein, teilweise im künstlichen Koma
von den Schwestern rund um die Uhr versorgt. Auch diese Station
durften sich die SchülerInnen angucken. Die Stimmung dort war sehr
bedrückend, weniger schlimm war dann die „normale“ Station, auf der
die Patienten bei Bewusstsein ihre Verletzungen auskurieren. Dort
gab es sogar die Gelegenheit, mit einem Unfallopfer über den
Hergang und die Folgen eines Unfalls zu sprechen. Die betroffene
Frau war sehr offen und beantwortete alle Fragen.
Die letzte Station war der Rettungswagen. Die Teilnehmenden konnten
den Rettungssanitätern über die Schulter gucken, während diese
kommentiert in einem aufwendig gestalteten Szenario einen
Schwerverletzten versorgten. Dabei wurde deutlich, dass es bei
Beeinträchtigungen der lebenswichtigen Funktionen auf das schnelle
effektive Reagieren ankommt.
Allen Stationen war gemeinsam, dass die Ärzte, Sanitäter und
Schwestern den dringenden Wunsch aussprachen, keinen der
teilnehmenden SchülerInnen jemals im Kontext eines solchen wohl
möglich durch fahrlässiges Verhalten verursachten Unfalls zu sehen.
Dies war auch die Lehre, die alle Teilnehmer nach dem Mittagessen
zogen.
Aber vorher konnten die SchülerInnen mit einem weiteren Betroffenen
ins Gespräch kommen, der mittlerweile nach seinem Unfall wieder
entlassen worden war, sich jedoch auf das Leben mit einer Prothese
einstellte. Im Unterschied zu vielen anderen Fällen hatte dieser
Patient jedoch eine besondere Einstellung seinem Unfall gegenüber.
Bereitwillig zeigte er seine Prothese, die das unterm Knie
amputierte Bein ersetzen soll. Und damit nicht genug: Vergnügt
führte er auch vor, wie er die Prothese aus- und wieder anzog und
erklärte dabei ihre genaue Funktionsweise, während er ganz offen
über seine Erlebnisse sprach. Beiden Patienten, die sich an diesem
Tag zum Erzählen bereit erklärt hatten, war Unrecht getan worden.
Ihre Verletzungen hatten sie durch das fahrlässige Verhalten
anderer Teilnehmer am Straßenverkehr erhalten.
So war auch diese Tatsache lehrreich insofern, als sie das
Bewusstsein für die Verantwortung im Straßenverkehr erhöhen konnte.
Nach einem Tag voller aufregender aber auch schockierender
Erkenntnisse machten sich die SchülerInnen wieder auf den Weg nach
Hause.
Und das Elbe Klinikum kündigte an, das Programm häufiger im Jahr
für Jugendliche durchzuführen. So können sich weitere SchülerInnen
darauf freuen, einen ebenso interessanten Vormittag im Stader
Krankenhaus zu erleben.
P.A.R.T.Y. im Elbe Klinikum Stade
von Luise Kranzhoff



