Als Praktikanten des Bundestagsabgeordneten Oliver Grundmann haben
Carla Fitting (16) und Moritz Schernikau (16) die kommunale
Partnerschaftskonferenz der Länder Deutschland und Israel besucht.
Die Schüler der zehnten Klasse des Stader Gymnasiums Athenaeum
berichten:
Die Hansestadt Stade hatte uns zu dem Kongress anlässlich des
50-jährigen Jubiläums der diplomatischen Beziehung eingeladen. Das
Plenum im Leipziger Rathaus begann mit Musik und Reden. Zwischen
Deutschland und Israel bestehen 104 kommunale Partnerschaften,
erfuhren wir. Von einer „lebendigen Partnerschaft zwischen Stade
und der israelischen Stadt Givat Shmuel, die nächstes Jahr ihr
30-jähriges Jubiläum feiert,“ sprach die Stader Bürgermeisterin
Silvia Nieber. Die Besonderheit der Partnerschaft: Sie beruht
größtenteils auf dem geschichtlichen Ereignis der Shoa, dem
Massenvölkermord an den Juden. Als „Wunder, welches nur durch die
Formel des Vertrauens ermöglicht wurde“ bezeichnete der Leipziger
Oberbürgermeister Burkhard Jung die deutsch-israelische Beziehung.
Dabei hätten die Städtepartnerschaften eine große Rolle gespielt.
Es folgten ein Impulsreferat und mehrere Workshops zu Themen wie
„Zusammenleben und Integration in der Kommune“, „Wirtschaftliche
Entwicklung auf kommunaler Ebene“ und „So funktioniert
Partnerschaft“. Besonders interessant war die Präsentation von
Stephan Vopel, der selbst lange in Israel gelebt hat und so beide
Kulturen hautnah erlebte.
Wir werteten die Ergebnisse einer Studie namens „United by the
past, devided by the present“ aus. Sie befasste sich mit den
Sichtweisen der Israelis und Deutschen aufeinander und der
Verantwortung füreinander. Besonders beeindruckend: aus der Studie
ging hervor, dass die Lebensweise und das Meinungsbild der beiden
Kulturen teils paradox sind. Beim Workshop „Putting the past behind
us“ wurde deutlich, wie wichtig der Holocaust für Israel ist. 55
Prozent der Deutschen stimmten 2013 für ein Vergessen der
Vergangenheit, in Israel waren es nur 22 Prozent. Das zeigt, dass
wir uns für etwas verantworten, womit wir nichts zu tun haben, was
aber solch ein Ausmaß besitzt, dass wir nicht darüber hinwegsehen
können. Uns als Jugendliche hat der Fakt, dass die Skepsis
gegenüber dem jeweils anderen Land bei Jugendlichen größer ist als
bei Älteren, sehr verwundert, da es ja auch uns mit einschließt,
und wir nicht in einem von Skepsis geprägten Land leben wollen.
Daher finden wir es wichtig, Beziehungen und Partnerschaften
aufzubauen. Die Frage bleibt nur, wie viel Bedeutung wir der
Vergangenheit zumessen, denn antisemitisches Denken nimmt wieder
zu.
Um kommunal dagegen vorzugehen, bietet die Hansestadt Stade einen
zweijährigen tri-nationalen Jugendaustausch zwischen Givat Shmuel
(Israel), Goldap (Polen) und Stade (Deutschland) an. Jugendliche
lernen dabei die anderen Kulturen und die Geschichte kennen und
können internationale Freundschaften schließen. „Wenn die
Jugendlichen sehen, dass viele Gemeinsamkeiten bestehen, ist das
eine gute Voraussetzung für eine Zusammenarbeit in der Zukunft“,
teilte uns auf Englisch Yossi Brodny, Bürgermeister der Stadt Givat
Shmuel, mit. Wir halten es für eine gute Idee angesichts der
verbindenden Geschichte, diesen Austausch durchzuführen und als
Jugendlicher daran teilzunehmen.
In der alten Handelsbörse, einem im Barockstil erbauten Gebäude,
klang der Abend mit einem koscheren Essen aus.
Von der Bedeutung internationaler Freundschaften
so erschienen im Stader Tageblatt am 20.02.2016

Bei der Partnerschaftskonferenz in Leipzig : die Praktikanten Moritz Schernikau und Carla Fitting mit der Stader Bürgermeisterin Silvia Nieber und Yossi Brodny, Bürgermeister von Givat Shmuel.


