Sie sind hier :
  1. 2016

Von der Bedeutung internationaler Freundschaften

so erschienen im Stader Tageblatt am 20.02.2016

Bei der Partnerschaftskonferenz in Leipzig : die Praktikanten
Moritz Schernikau und Carla Fitting mit der Stader Bürgermeisterin
Silvia Nieber und Yossi Brodny, Bürgermeister von Givat Shmuel.

Bei der Partnerschaftskonferenz in Leipzig : die Praktikanten Moritz Schernikau und Carla Fitting mit der Stader Bürgermeisterin Silvia Nieber und Yossi Brodny, Bürgermeister von Givat Shmuel.

Als Praktikanten des Bundestagsabgeordneten Oliver Grundmann haben Carla Fitting (16) und Moritz Schernikau (16) die kommunale Partnerschaftskonferenz der Länder Deutschland und Israel besucht. Die Schüler der zehnten Klasse des Stader Gymnasiums Athenaeum berichten:

Die Hansestadt Stade hatte uns zu dem Kongress anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der diplomatischen Beziehung eingeladen. Das Plenum im Leipziger Rathaus begann mit Musik und Reden. Zwischen Deutschland und Israel bestehen 104 kommunale Partnerschaften, erfuhren wir. Von einer „lebendigen Partnerschaft zwischen Stade und der israelischen Stadt Givat Shmuel, die nächstes Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum feiert,“ sprach die Stader Bürgermeisterin Silvia Nieber. Die Besonderheit der Partnerschaft: Sie beruht größtenteils auf dem geschichtlichen Ereignis der Shoa, dem Massenvölkermord an den Juden. Als „Wunder, welches nur durch die Formel des Vertrauens ermöglicht wurde“ bezeichnete der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung die deutsch-israelische Beziehung. Dabei hätten die Städtepartnerschaften eine große Rolle gespielt.

Es folgten ein Impulsreferat und mehrere Workshops zu Themen wie „Zusammenleben und Integration in der Kommune“, „Wirtschaftliche Entwicklung auf kommunaler Ebene“ und „So funktioniert Partnerschaft“. Besonders interessant war die Präsentation von Stephan Vopel, der selbst lange in Israel gelebt hat und so beide Kulturen hautnah erlebte.

Wir werteten die Ergebnisse einer Studie namens „United by the past, devided by the present“ aus. Sie befasste sich mit den Sichtweisen der Israelis und Deutschen aufeinander und der Verantwortung füreinander. Besonders beeindruckend: aus der Studie ging hervor, dass die Lebensweise und das Meinungsbild der beiden Kulturen teils paradox sind. Beim Workshop „Putting the past behind us“ wurde deutlich, wie wichtig der Holocaust für Israel ist. 55 Prozent der Deutschen stimmten 2013 für ein Vergessen der Vergangenheit, in Israel waren es nur 22 Prozent. Das zeigt, dass wir uns für etwas verantworten, womit wir nichts zu tun haben, was aber solch ein Ausmaß besitzt, dass wir nicht darüber hinwegsehen können. Uns als Jugendliche hat der Fakt, dass die Skepsis gegenüber dem jeweils anderen Land bei Jugendlichen größer ist als bei Älteren, sehr verwundert, da es ja auch uns mit einschließt, und wir nicht in einem von Skepsis geprägten Land leben wollen. Daher finden wir es wichtig, Beziehungen und Partnerschaften aufzubauen. Die Frage bleibt nur, wie viel Bedeutung wir der Vergangenheit zumessen, denn antisemitisches Denken nimmt wieder zu.

Um kommunal dagegen vorzugehen, bietet die Hansestadt Stade einen zweijährigen tri-nationalen Jugendaustausch zwischen Givat Shmuel (Israel), Goldap (Polen) und Stade (Deutschland) an. Jugendliche lernen dabei die anderen Kulturen und die Geschichte kennen und können internationale Freundschaften schließen. „Wenn die Jugendlichen sehen, dass viele Gemeinsamkeiten bestehen, ist das eine gute Voraussetzung für eine Zusammenarbeit in der Zukunft“, teilte uns auf Englisch Yossi Brodny, Bürgermeister der Stadt Givat Shmuel, mit. Wir halten es für eine gute Idee angesichts der verbindenden Geschichte, diesen Austausch durchzuführen und als Jugendlicher daran teilzunehmen.

In der alten Handelsbörse, einem im Barockstil erbauten Gebäude, klang der Abend mit einem koscheren Essen aus.

Vorschau