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  1. 2016

Historische Bibliothek am Athenaeum wird katalogisiert

so erschienen im Stader Tageblatt am 19.04.16

Präsentieren den großen, schweren und dicken Atlas aus dem 17.
Jahrhundert : Forscher Peter van der Krogt aus Amsterdam und die
Lehrkräfte Lars Hellwinkel und Andrea Helmers zusammen mit
Bibliothekarin Catrin Gold vom Landschaftsverband im Gymnasium
Athenaeum. Fotos Beneke

Präsentieren den großen, schweren und dicken Atlas aus dem 17. Jahrhundert : Forscher Peter van der Krogt aus Amsterdam und die Lehrkräfte Lars Hellwinkel und Andrea Helmers zusammen mit Bibliothekarin Catrin Gold vom Landschaftsverband im Gymnasium Athenaeum. Fotos Beneke

Mit 16 000 Büchern aus sechs Jahrhunderten ist die historische Bibliothek des Athenaeums eine Sammlung von unschätzbarem Wert.

Seit zehn Jahren sortiert und katalogisiert eine Projektgruppe die Werke, um sie für die Wissenschaft nutzbar zu machen. Wie wichtig das ist, zeigt der Besuch eines niederländischen Forschers.

Derzeit befindet sich der Bestand in zwei Zimmern im Dachgeschoss des Altbaus. Die meisten Bücher stehen, nach Fachbereichen oder Themen geordnet, in Regalen und Schränken. Einige besonders wertvolle Exemplare sind in Tresoren verstaut. Eine Klimaanlage mit Regelung der Luftfeuchtigkeit, wie sie etwa in staatlichen Archiven zum Einsatz kommt, fehlt allerdings. Vitrinen zur Präsentation der eindrucksvollen Exponate gibt es dort bislang ebenfalls nicht.

Wenn es nach den Lehrern Andrea Helmers und Lars Hellwinkel geht, wird sich das bald ändern. Sie möchten, zusammen mit den Jugendlichen des Gymnasiums und Wissenschaftlern von Universitäten, mehr über die Geschichte der Bücher und ihre Bedeutung herausfinden. Bis vor ein paar Jahren waren die Werke auf mehrere Standorte verteilt, ehe Schüler und Pädagogen sie in einer Gemeinschaftsaktion aus den Staats- und Stadtarchiven ins Athenaeum zurückholten.

Nebenan im Dachgeschoss ist noch Platz für eine Erweiterung.

Nebenan im Dachgeschoss ist noch Platz für eine Erweiterung.

Hier können die Bücher jetzt im Unterricht genutzt werden. „Sie sind das kulturelle Gedächtnis der Schule. Wir sehen, was die Jungen für eine breite Bildung bekommen haben“, erklärt Hellwinkel. Von dem Bestand gehe noch immer eine starke Faszination aus. Unter dem Motto „Schätze im Tresor“ widmete sich ein Oberstufenkurs ein Jahr lang einzelnen Exponaten. „Wir haben das einfach mal versucht, und sie waren begeistert dabei“, berichtet der Pädagoge.

Zum Beispiel forschte der damalige Schüler David Peters zu einem 1653 herausgegebenen Atlas mit Karten des holländischen Kupferstechers Joan Blaeu. Dafür kontaktierte er den Experten Peter van der Krogt von der Universität Amsterdam, der sich nun bei einem Besuch in Stade selbst ein Bild von dem großen, dicken und schweren Werk machte. Vorsichtig blätterte er durch das eindrucksvollste Buch aus der Sammlung des Athenaeums, begann sofort zu fachsimpeln.

Für Hellwinkel und seine Kollegen ist das Treffen eine Bestätigung auf dem langwierigen Weg der Erschließung der Bibliothek: „Dann ergibt das plötzlich Sinn. Wir haben einen Fundus ohne Ende. Ich wünsche mir, dass er ordentlich aufgestellt wird.“ Ein Teil des Bestandes, der voraussichtlich bis zum Ende des Jahres vollständig erfasst sein wird, liegt im Moment unstrukturiert herum. Ein zentraler Standort fehlt. Abhilfe schaffen könnte ein Ausbau des Dachbodens.

Angrenzend an einen der beiden gegenwärtigen Lagerräume steht ein Teil der Etage noch leer. Die Ausstattung der Fläche würde abermals viel Geld verschlingen. In den vergangenen Jahren bekam die Schule für die Katalogisierung der Bücher immer wieder Spenden von lokalen Unternehmen. „Unser Einsatz trägt Früchte“, betont Hellwinkel. Intensive Unterstützung erfährt die Projektgruppe vom Landschaftsverband.

Dessen Bibliothekarin Catrin Gold sieht die umfangreiche Bibliothek als Standortfaktor für die Hansestadt Stade und hofft auf internationale Forschungskooperationen, die bei Schülern und Studenten die Scheu abbauen könnten, sich mit den alten Werken zu beschäftigen. „Ich bin erstaunt, dass sehr früh schon so akribisch gearbeitet wurde“, erzählt sie. „Gute Wissenschaftler haben sich auch damals schon bemüht, keinen Unsinn zu schreiben“, sagt Gold und lacht.

Bei den jungen Menschen solle ein historisches Bewusstsein geschaffen werden, unterstreicht Pädagoge Hellwinkel. Geschichte werde erlebbar – etwa, wenn Bücher zutage kommen, die jene Lehrer dem Traditionsgymnasium vermacht haben, die später am Aufbau der Universität Hamburg mitwirkten oder in anderen Exemplaren ein Schulstempel mit Hakenkreuz-Emblem zu erkennen ist.

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