743 Jugendliche haben im Landkreis Stade ihre Abiturprüfungen
bestanden. Am Traditionsgymnasium Athenaeum in Stade steht gleich
bei sieben Schülern die Note 1,0 auf dem Zeugnis. Ein Novum in der
Schulgeschichte. Das Erstaunen war auch bei den Betroffenen selbst
groß.
„Die meisten von uns hat es überrascht, dass wir es geworden sind“,
berichtet Melina Umland (18 Jahre). „Wir wussten schon nach der
elften Klasse, dass wir einige sehr gute Schüler haben“, erzählt
Katja von Allwörden (17). Aber die Traumnote sei immer noch „ein
Mythos für sich“, findet Paul Anton Rainer (18). Die Stimmung im
Abschlussjahrgang sei gelöst, sagen die scheidenden Gymnasiasten.
Eine letzte gemeinsame Reise nach Polen liegt hinter ihnen.
Am Donnerstag zelebrierten sie ihren Chaotentag mit einem
Bühnenprogramm auf dem Schulhof. Am Freitag bekamen die
Jugendlichen im Rahmen einer Feierstunde dann ihre Zeugnisse. Am
Sonnabend steht abends der Abiturball im Fährhaus Kirschenland in
Jork-Wisch auf dem Programm. Dann trennen sich ihre Wege. „Ich bin
ganz froh, dass die stressige Phase vorbei ist“, sagt Melina
Umland. „Aber ich finde es schade, dass wir uns verlieren.“
Die sieben Spitzenschüler kommen aus verschiedenen Kursen. Eine
einfache Erklärung für den beeindruckenden Erfolg der Truppe gebe
es nicht, sagt Paul Anton Rainer. Vermutlich stecke eine Mischung
aus ehrgeizigen Schülern und motivierenden Lehrern dahinter, sagt
Melanie Umland. „Wir haben einen guten Zusammenhalt im Jahrgang.
Wir mögen uns und können uns gut organisieren“, ergänzt Anetta
Tiara Hartono (18). Das Lernklima sei angenehm gewesen, sagt
Richard Manfred Unkelbach (18). Die Abiturklausuren seien ihnen
eher leichtgefallen, berichten die Jugendlichen. Lediglich die
völlig überfrachtete Mathematikarbeit (das TAGEBLATT berichtete)
habe einige von ihnen erzürnt. „Das war schon frustrierend“, sagt
Unkelbach.
„Im Studium wird es bestimmt härter“, gibt Anetta Tiara Hartono zu
bedenken. Sie möchte zunächst ein Jahr als Au-Pair-Mädchen arbeiten
und im Anschluss vielleicht Medizin studieren. „Ich bin noch
ziemlich offen für alles“, sagt die Abiturientin mit indonesischen
Wurzeln. Melina Umland und Katja von Allwörden spielen ebenfalls
mit dem Gedanken, in die Medizin zu gehen. Richard Manfred
Unkelbach möchte Pilot werden, Paul Anton Rainer ein
Lehramtsstudium aufnehmen.
Eine zielstrebige Gruppe mit ganz normalen Hobbys. Musizieren,
Lesen, Fotografieren, Freunde treffen, Reisen – das steht bei ihnen
hoch im Kurs. Dafür blieb zuletzt jedoch wenig Zeit: „Ich habe es
mir beim Lernen unglaublich schwer gemacht“, erzählt Melina Umland.
„90 Prozent war umsonst“, weiß sie heute. „Ich dachte wirklich,
dass es schlecht wird“, sagt Katja von Allwörden. Inzwischen kann
sie darüber lachen – sie hat eine 1,0.
Die Eins-Nuller vom Athenaeum
so erschienen im Stader Tageblatt am 18.06.2016



