3900 Studenten und Schüler aus 49 Ländern und mehrere hundert
Roboter traten vom 30. Juni bis zum 4. Juli 2016 in Leipzig zur
RoboCup-Weltmeisterschaft in unterschiedlichsten Kategorien
gegeneinander an. Unter ihnen ein Schülerteam der
Robotik-Arbeitsgemeinschaft des Athenaeums Stade.
Schon die erstmalige Teilnahme des Teams aus Stade an der deutschen
Meisterschaft des RoboCup war ein unvergessliches Erlebnis. Umso
erfreulicher war die überraschende Qualifikation für die
RoboCup-Weltmeisterschaft in Leipzig. Das Team mit dem
unspektakulären Namen "Athe2" besteht aus Jan Erik Ramspott (Klasse
9), Andre Nissen (Klasse 10) und Martin Allion (Klasse 11). Während
der Schulzeit treffen sie sich einmal die Woche, um an ihrem
Roboter zu bauen und Programme zu schreiben.
Die fünf anstrengenden Wettkampftage mitten in den Sommerferien
werden die drei Schüler wohl nicht so schnell vergessen. Für acht
Wertungsläufe auf jedes Mal neu aufgebauten Arenen, die immer
anspruchsvoller wurden, mussten Sie ihren Roboter programmieren.
Einiges hat nicht so funktioniert wie geplant und programmiert. Das
Team hat sich aber tapfer geschlagen und landete letztendlich auf
Platz 25 von 34 angetretenen Teams. In ihrem WM-Tagebuch schildern
die Jungs ihre Erlebnisse während der Weltmeisterschaft in Leipzig.
Athenaeer bei der Weltmeisterschaft
von Thomas Allion


1. Wettkampftag
Der erste Wertungslauf lief nicht gut. Kein Problem, dachten wir
uns, einen schlechten Lauf dürfen wir uns erlauben. Also setzen wir
uns an die Notebooks und versuchten die Fehler zu finden. Nur
leider war die Zeit zu knapp und die Arenen sollten mit jedem Lauf
schwieriger werden, da sie mit immer neuen Hindernissen erweitert
wurden. So tat der Roboter auch beim zweiten und dritten
Wertungslauf nicht immer das, was er sollte. Vielleicht ein
defekter Sensor oder ein Fehler in einer Schleife der
Programmierung? Wir konnten den Fehler einfach nicht finden.
2. Wettkampftag
Endlich haben wir es geschafft, die groben Fehler aus unseren
Programmen zu entfernen. Mit dem vierten und fünften Lauf waren wir
ganz zufrieden, da der Roboter erfreulicherweise alles wie geplant
gemacht hat. Dann der sechste Wertungslauf: Der Roboter steht in
der Arena auf der Linie und bewegt sich nicht. Plötzlich fängt er
an den Greifer hoch und runter zu fahren. Dummerweise haben wir
wohl vergessen, das richtige Programm auf den Roboter zu laden,
nachdem wir kurz zuvor noch einige Tests mit dem Greifer
durchgeführt hatten. Wie peinlich!

Insgesamt war dies jedoch ein sehr witziger Tag, auch weil wir uns
mit den Jungs eines englischen Teams angefreundet hatten. Am Abend
gab es dann noch ein grofle Party für alle Teilnehmer der
RoboCup-Junior-Wettbewerbe. Die Organisatoren hatten vor den
Messehallen eine riesige Beachlandschaft geschaffen. Neben viel
Sonne, Musik und Spielen gaben es auch ein tolles Buffet und kalte
Getränke.
3. Wettkampftag
Heute fanden die beiden letzten von acht Wertungsläufen statt.
Obwohl der Schwierigkeitsgrad der Arenen mit jedem Lauf weiter
anstieg, machte der Roboter was er soll und sogar ein bisschen
mehr.
Kurz vor dem Ende des Wettkampftages wurden die Informationen zum
noch ausstehenden Superteam-Wettbewerb veröffentlicht. Dabei müssen
immer zwei Teams mit ihren Robotern gemeinsam Aufgaben in einer
völlig unbekannten Arena lösen. Uns wurde ein Team aus der Slowakei
zugelost. Nachdem wir mit den slowakischen Jungs besprochen hatten,
welcher Roboter für welche Aufgaben vorbereitet werden muss, ging
es in der Jugendherberge erneut ans Programmieren. Dabei lief per
Internetstream das EM-Spiel Deutschland gegen Italien.

4. Wettkampftag
Der Superteam-Wettbewerb war sehr spannend, obwohl es keinem Team
gelang alle Aufgaben zu erfüllen. Dafür war die Stimmung heute
einfach Klasse. Alle Roboter wurden von den Zuschauern und auch den
Schiedsrichtern lautstark angefeuert. Auch wir haben uns ganz gut
geschlagen und waren mit den Ergebnissen des Wettbewerbs zufrieden.
Am Ende wurde es insgesamt Platz 25 von 34 angetretenen Teams.
Nachmittags fanden die Siegerehrungen statt. Weltmeister ist ein
Team aus China geworden.

Informationen zum RoboCup:
Der RoboCup ist der weltweit gröflte und vielfältigste
internationale Wettbewerb für intelligente Roboter und deren
Entwickler, an dem vor allem technische Universitäten teilnehmen.
Wenn sich die RoboCup Community trifft, dann wird deutlich, wie
Robotik und künstliche Intelligenz das Leben in Zukunft verändern
und prägen werden.
Ursprüngliches Ziel des RoboCup war die Entwicklung eines
intelligenten humanoiden Fuflballroboters, der bis spätestens im
Jahre 2050 gegen den amtierenden Fuflballweltmeister antreten und
gewinnen kann. Mittlerweile stehen weitere anwendungsorientierte
Disziplinen im Focus des Wettbewerbs, wie intelligente Roboter, die
in Rettungsmissionen, im Haushalt und in der industriellen
Produktion assistieren.
Durch den spannenden Charakter der RoboCup-Wettbewerbe wird die
Begeisterung des Nachwuchses für Zukunftstechnologien und die
wichtigen MINT-Fächer geweckt.
Aus diesem Grunde wurde im Jahr 2000 der Wettbewerb RoboCup-Junior
ins Leben gerufen, um Schülerinnen und Schüler frühzeitig für die
zukunftsorientierte Idee der Robotik zu begeistern.

In der Wettbewerbskategorie Rescue-Line-Junior müssen die Roboter
so programmiert werden, dass sie auf einem Parcours selbständig
einer schwarzen Linie folgen, Hindernissen ausweichen, Lücken,
Kreuzungen und Rampen überwinden und am Ende des Parcours mehrere
Opfer erkennen und bergen können. Die Aufgaben sind vereinfachte
Fragestellungen, wie sie in der Forschung und Entwicklung von
echten Such- und Rettungsrobotern gelöst werden.
Beim Rescue-Line-Junior traten im Februar 2016 mehr als 300 Teams
aus ganz Deutschland in sechs Qualifikationsturnieren an, um sich
für die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft in Magdeburg zu
qualifizieren. Bereits zum zweiten Mal nahmen Mitglieder der
Robotik-Arbeitsgemeinschaft des Athenaeums mit ihren selbstgebauten
Robotern am Qualifikationsturnier im Lichthof der Leibniz
Universität in Hannover teil. Nachdem es für die Teams im letzten
Jahr nur zu Platzierungen im Mittelfeld reichte, konnten sich
dieses Jahr zwei Teams für die Deutschen Meisterschaften
qualifizieren. In Magdeburg wurden vom 29. April - 1. Mai 2016 die
deutschen Meister ermittelt. Die sechs besten Teams qualifizierten
sich zudem für eine Teilnahme an der RoboCup-Weltmeisterschaft, die
2016 nach 10 Jahren wieder in Deutschland stattfand.

Für den Bau und die Programmierung des Roboters haben die Schüler
mehr als zwei Jahre benöigt. Während der Wettbewerbe wurden die
Schwächen der Konstruktion und der Programmierung deutlich. Mehrere
neue Ideen für die nächste Saison entstanden schon während des
Wettbewerbs und müssen in den nächsten Monaten umgesetzt werden.
Der neue Roboter soll durch Schrittmotoren mit einer selbst
entwickelten Steuerungseinheit angetrieben werden. Auch die
Sensoren für die Erkennung der der Linien und der Hindernisse
werden neu entwickelt. Vielleicht klappt es ja mal wieder mit der
Teilnahme an einer Weltmeisterschaft. 2017 soll diese in Japan
stattfinden.
Um an der diesjährigen Weltmeisterschaft teilnehmen zu können,
wurden wir von folgenden Sponsoren unterstützt: MAZDA - Autohaus
Preuss in Hollenstedt, Sparkasse Stade - Altes Land, Kreissparkasse
Stade, IHK Stade und Firma HELKUEB OHG aus Rellingen.




