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  1. 2016

Projekt am Athenaeum: Spurensuche in der NS-Zeit

so erschienen im Stader Tageblatt am 16.12.16

Zehntklässler des Stader Gymnasiums Athenaeum helfen der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem beim Erweitern ihrer Datenbank über im Nationalsozialismus ermordete Juden.

Lars Hellwinkel recherchieren sie die Biografien der aus Stade stammenden Opfer des Rassenwahns und arbeiten damit ein bewegendes Kapitel der Stadtgeschichte auf. Die Ergebnisse sollen demnächst im Internet veröffentlicht werden.

Seit Monaten beschäftigen sich die Jugendlichen im Geschichtsunterricht mit der Zeit des Dritten Reiches. Sie haben sich mit der Ideologie der Faschisten auseinandergesetzt und die verschiedenen Formen von Vernichtungslagern kennengelernt, in denen die Nationalsozialisten ihren Gegnern den Garaus machten. Hellwinkel legt großen Wert darauf, dass seine Schüler die Auswirkungen der Ereignisse auf ihre Heimatregion erfahren.

Deshalb hat der Pädagoge mit ihnen jene in den Boden eingelassenen Metallplatten, die sogenannten Stolpersteine aufgesucht, für die er sich 2010, ebenfalls mit Unterstützung einer Gymnasialklasse, starkgemacht hatte. Sie enthalten die Namen von Juden, die einst in Stade gelebt haben und die Stadt infolge der nationalsozialistischen Diktatur verlassen mussten. „Wir haben vorher nicht gewusst, wie viele Stolpersteine hier in der Umgebung verlegt wurden“, sagt Zehntklässlerin Sophie Elsner (15). Ähnlich erging es Mitschüler Phillip Peters (15).

Er findet es „sehr wichtig“, die Erinnerung an die Gräueltaten der Nazis wachzuhalten. In Stade geschieht dies unter anderem durch Partnerschaften mit den Städten Givat Shmuel (Israel) und Goldap (Polen). Jugendliche aus den drei Kommunen treffen sich in einem Austauschprogramm.

Mithilfe historischer Unterlagen hat der Stader Martin Stiewe die Lebensläufe der Juden, denen mit den Stolpersteinen gedacht wird, auf einer Internetseite öffentlich zugänglich gemacht. Diese Daten und weitere in Broschüren und Onlinearchiven vermerkte Informationen werden von Hellwinkels Schülern sortiert, zusammengefasst, ins Englische übersetzt und den Mitarbeitern der Gedenkstätte Yad Vashem für ihre Internetpräsenz zur Verfügung gestellt. Die Israelis haben es sich zum Ziel gesetzt, der Nachwelt die Biografien möglichst vieler Holocaust-Opfer zu präsentieren. Datenblätter über 4,2 Millionen von den Nationalsozialisten ermordeten Menschen sind bereits vorhanden. Tendenz steigend. Forscher und Freiwillige auf der ganzen Welt helfen mit, das Portal zu erweitern.

Im September hat Hellwinkel die Anlage Yad Vashem mit Museum, Forschungszentrum und Verlag im Rahmen einer Fortbildung besucht. Später erzählte er den Zehntklässlern von seinen Eindrücken. Gemeinsam beschlossen sie, die Arbeit der israelischen Wissenschaftler zu unterstützen. „Wir möchten den jüdischen Opfern aus Stade damit so viel wie möglich von ihrer Identität zurückgeben“, erläutert der Lehrer seinen Ansatz. „Alles, was wir an Informationen über diese Menschen finden, packen wir da rein. Die Schüler sind sichtlich ergriffen, als sie die Daten zusammen tragen. „Das ist ein sehr schönes Projekt“, sagt Gymnasiastin Jette Hülsen (16). Je mehr Menschen daran mitwirken, desto genauer werde das Archiv.

Einige Stader Juden mussten in ihrem Alter, mit 15 oder 16 Jahren, die Schule verlassen und unter Zwang umsiedeln. Einer von ihnen, Fritz Friedlaender, ging aufs Athenaeum, wo er sich rassistischen Anfeindungen ausgesetzt sah, Teilweise flohen die Stader Juden in den 1930ern ins Ausland. Die Nazis brachten sie aber später in Gettos oder Vernichtungslager nach Osteuropa, wo sie in den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges umkamen.

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