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  1. 2017

Lehrerin des Jahres: Ihre Stärke ist ihr Einfühlungsvermögen

so erschienen im Stader Wochenblatt

Am besten lässt sich die Leistung von Lehrerin Sonja Schraplau (39) mit den Worten einer ihrer Schülerinnen beschreiben: „Mein Vater starb und während dieser Zeit war sie meine Musik- und Klassenlehrerin. Sie hat versucht, mir zu helfen, als sie sah, dass ich Probleme hatte. Sie hat alles daran gesetzt, dass es mir besser ging. Sie geht total auf in ihrem Beruf und wir Schüler sind für sie fast wie ihre eigenen Kinder. Man merkt einfach, wie viel Spaß sie hat.“
Worte, die Lehrkräfte im Unterricht nicht oft zu hören bekommen dürften. Sonja Schraplau aus Stade nahm am Mittwoch im Rahmen des Neujahrsempfangs der Industrie- und Handelskammer Stade den zweiten Preis der alljährlichen Wahl zum Lehrer des Jahres im Elbe-Weser-Raum entgegen. Eine Jury hatte zahlreiche Vorschläge von Schülern und Eltern gesichtet.
Die gebürtige Cloppenburgerin unterrichtet seit sechs Jahren am Athenaeum-Gymnasium in Stade Deutsch und Musik, zuvor war sie fünf Jahre am St.-Viti-Gymnasium in Zeven tätig. „Ich freue mich total über die Auszeichnung, nehme sie aber stellvertretend für das gesamte Kollegium entgegen, das eine tolle Arbeit macht“, sagt die Pädagogin bescheiden. Da Eigenlob bekanntlich stinkt, mag Sonja Schraplau nicht so gerne über ihre Stärken reden. Wenn man sie dennoch dazu drängt, sagt sie, dass sie glaubt, über eine gesunde Portion Empathie, also Einfühlungsvermögen, zu verfügen: „Mein Ziel ist es, nicht nur das Fachliche zu betrachten, sondern auch den Menschen hinter dem Schüler zu sehen.“ Dass sie ihr Handwerk, den Unterricht ansprechend und interessant zu gestalten, beherrscht, verstehe sich von selbst. Andernfalls wären wohl kaum derartige Loblieder von Schülern möglich. Sonja Schraplau steht mit Überzeugung hinter ihren Fächern.
Ihre große Leidenschaft ist die Musik. Am Athenaeum betreut sie die Bläser-Klassen, mit denen sie nicht nur schulinterne, sondern auch öffentliche Konzerte spielt: „Es ist toll zu sehen, wie die Schüler für so ein Projekt an einem Strang ziehen können.“ Privat greift Sonja Schraplau seit ihrer Jugendzeit zum Horn - ihr Lieblingsinstrument. Die Lehrerin ist Mitglied im Stader Kammerorchester.
Zeit, sich ausgiebig zu freuen, hatte sie am Mittwoch übrigens nicht. Denn schon am Nachmittag stand der Wettbewerb „Jugend debattiert“ in der Schule an, den sie mit großer Leidenschaft betreut. Abends greift sie dann gerne zu einem guten Buch - oft ist es Jugendliteratur, die sie für den Unterricht Probe liest.
Im Mittelpunkt ihres Lebens steht aber die Familie: die zwei Kinder im Grundschul-Alter und ihr Ehemann, der am Vincent-Lübeck-Gymnasium in Stade unterrichtet.

so erschienen im Stader Tageblatt am 26.01.17

Wenn Sonja Schraplau über den Neujahrsempfang der Industrie- und Handelskammer spricht, schwingt noch immer ein wenig Verwunderung mit. Im Rahmen der Veranstaltung im Stadeum erhielt die Pädagogin vom Traditionsgymnasium Athenaeum eine Auszeichnung.

Beim Wettbewerb Ikarus landete sie auf dem zweiten Platz. Die Überraschung war perfekt. Als sie die Einladung in den Händen hielt, hatte Sonja Schraplau noch keinen blassen Schimmer, was sie erwarten wird. Dass Eltern und Schüler sie für den Preis nominiert hatten, wusste sie nicht. Die 39-jährige Lehrerin für Deutsch und Musik am Stader Gymnasium Athenaeum ist bescheiden. Wenn sie eine Woche später von der Veranstaltung erzählt, erwähnt sie zu allererst ihre Schüler, die mit der Big Band auf der Bühne standen.

Und die Auszeichnung? „Das ist eine tolle Würdigung für den gesamten Berufsstand“, sagt Sonja Schraplau. „Das macht stolz und motiviert.“ Warum sie die Anerkennung verdient hat, machten die Jugendlichen im Bewerbungsschreiben deutlich: „Sie geht total auf in ihrem Beruf. Wir Schüler sind für sie fast wie ihre eigenen Kinder.“ Die Lehrerin unterstütze die Mädchen und Jungen bei Problem – egal, ob sie in der Schule oder im Privatleben auftreten.

Den Menschen hinter dem Schüler sehen, die Heranwachsenden zu mündigen Bürgern machen – das ist das selbsterklärte Ziel der Vollblut-Pädagogin. „Authentizität ist dafür ganz wichtig“, sagt sie. Die Jugendlichen sollen diskutieren und sich streiten. „Aber die Art und Weise, wie das geschieht, ist ausschlaggebend“, betont Sonja Schraplau. Seit sechs Jahren unterrichtet die gebürtige Cloppenburgerin am Athenaeum, zuvor war sie genauso lange am St.-Viti-Gymnasium in Zeven tätig.

„Ich mag die Abwechslung“, sagt sie. Die Arbeit mit jüngeren wie älteren Schülern bereite ihr jeden Tag aufs Neue Freude. Jene Jugendlichen, die sie als Fünftklässler unterrichtet hat, bereiten sich derzeit auf ihre Abiturprüfungen vor, erzählt Sonja Schraplau. „Ich würde wieder Lehrerin werden“, sagt sie. Besonders die Musikförderung liegt ihr am Herzen. Am Athenaeum gibt es Bläserklassen, in denen die Schüler intensiv im Umgang mit Blasinstrumenten geschult werden und gemeinsam Konzerte vorbereiten. Nicht nur im Klassenzimmer fühlt sich Sonja Schraplau wohl. Im Organisieren und Planen gehe sie auf und neue Herausforderungen nehme sie gerne an.

Sie ist sich bewusst, „welche Verantwortung Schule hat“. Die Schüler auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit zu unterstützen, gelinge nur im Team: „Ich arbeite sehr gerne mit diesem Kollegium zusammen“, so Sonja Schraplau. Inzwischen betreut sie zusätzlich den Wettbewerb „Jugend debattiert“ auf Regionalebene und koordiniert die Oberstufe des Athenaeum. „Sie ist als Kollegin unersetzlich“, sagt Mathematiklehrerin Gaby Trusheim, die 2013 den Preis verliehen bekam.

Der leidenschaftliche Einsatz ist für Sonja Schraplau immer auch ein Spagat. Ihr Mann unterrichtet am Vincent-Lübeck-Gymnasium, das Paar hat zwei Kinder im Alter von sechs und acht Jahren. „Die Familie trägt’s mit“, sagt sie. Entspannung findet die 39-Jährige bei Konzertbesuchen und Kurzurlauben am Meer. Als Eltern erleben sie das Schulsystem noch einmal aus einer anderen Perspektive. Bald steht die Entscheidung an, zu welchen weiterführenden Schulen die Kinder wechseln sollen.

Die vielfältige Bildungslandschaft mit ihrer Durchlässigkeit sieht Sonja Schraplau da „eher als Bereicherung“. Unterschiedliche Schulformen würden es den Kindern ermöglichen, entsprechend ihrer persönlichen Fähigkeiten zu einem Abschluss zu kommen.

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