Am besten lässt sich die Leistung von Lehrerin Sonja Schraplau (39)
mit den Worten einer ihrer Schülerinnen beschreiben: „Mein Vater
starb und während dieser Zeit war sie meine Musik- und
Klassenlehrerin. Sie hat versucht, mir zu helfen, als sie sah, dass
ich Probleme hatte. Sie hat alles daran gesetzt, dass es mir besser
ging. Sie geht total auf in ihrem Beruf und wir Schüler sind für
sie fast wie ihre eigenen Kinder. Man merkt einfach, wie viel Spaß
sie hat.“
Worte, die Lehrkräfte im Unterricht nicht oft zu hören bekommen
dürften. Sonja Schraplau aus Stade nahm am Mittwoch im Rahmen des
Neujahrsempfangs der Industrie- und Handelskammer Stade den zweiten
Preis der alljährlichen Wahl zum Lehrer des Jahres im
Elbe-Weser-Raum entgegen. Eine Jury hatte zahlreiche Vorschläge von
Schülern und Eltern gesichtet.
Die gebürtige Cloppenburgerin unterrichtet seit sechs Jahren am
Athenaeum-Gymnasium in Stade Deutsch und Musik, zuvor war sie fünf
Jahre am St.-Viti-Gymnasium in Zeven tätig. „Ich freue mich total
über die Auszeichnung, nehme sie aber stellvertretend für das
gesamte Kollegium entgegen, das eine tolle Arbeit macht“, sagt die
Pädagogin bescheiden. Da Eigenlob bekanntlich stinkt, mag Sonja
Schraplau nicht so gerne über ihre Stärken reden. Wenn man sie
dennoch dazu drängt, sagt sie, dass sie glaubt, über eine gesunde
Portion Empathie, also Einfühlungsvermögen, zu verfügen: „Mein Ziel
ist es, nicht nur das Fachliche zu betrachten, sondern auch den
Menschen hinter dem Schüler zu sehen.“ Dass sie ihr Handwerk, den
Unterricht ansprechend und interessant zu gestalten, beherrscht,
verstehe sich von selbst. Andernfalls wären wohl kaum derartige
Loblieder von Schülern möglich. Sonja Schraplau steht mit
Überzeugung hinter ihren Fächern.
Ihre große Leidenschaft ist die Musik. Am Athenaeum betreut sie die
Bläser-Klassen, mit denen sie nicht nur schulinterne, sondern auch
öffentliche Konzerte spielt: „Es ist toll zu sehen, wie die Schüler
für so ein Projekt an einem Strang ziehen können.“ Privat greift
Sonja Schraplau seit ihrer Jugendzeit zum Horn - ihr
Lieblingsinstrument. Die Lehrerin ist Mitglied im Stader
Kammerorchester.
Zeit, sich ausgiebig zu freuen, hatte sie am Mittwoch übrigens
nicht. Denn schon am Nachmittag stand der Wettbewerb „Jugend
debattiert“ in der Schule an, den sie mit großer Leidenschaft
betreut. Abends greift sie dann gerne zu einem guten Buch - oft ist
es Jugendliteratur, die sie für den Unterricht Probe liest.
Im Mittelpunkt ihres Lebens steht aber die Familie: die zwei Kinder
im Grundschul-Alter und ihr Ehemann, der am
Vincent-Lübeck-Gymnasium in Stade unterrichtet.
Lehrerin des Jahres: Ihre Stärke ist ihr Einfühlungsvermögen
so erschienen im Stader Wochenblatt

so erschienen im Stader Tageblatt am 26.01.17

Wenn Sonja Schraplau über den Neujahrsempfang der Industrie- und
Handelskammer spricht, schwingt noch immer ein wenig Verwunderung
mit. Im Rahmen der Veranstaltung im Stadeum erhielt die Pädagogin
vom Traditionsgymnasium Athenaeum eine Auszeichnung.
Beim Wettbewerb Ikarus landete sie auf dem zweiten Platz. Die
Überraschung war perfekt. Als sie die Einladung in den Händen
hielt, hatte Sonja Schraplau noch keinen blassen Schimmer, was sie
erwarten wird. Dass Eltern und Schüler sie für den Preis nominiert
hatten, wusste sie nicht. Die 39-jährige Lehrerin für Deutsch und
Musik am Stader Gymnasium Athenaeum ist bescheiden. Wenn sie eine
Woche später von der Veranstaltung erzählt, erwähnt sie zu
allererst ihre Schüler, die mit der Big Band auf der Bühne standen.
Und die Auszeichnung? „Das ist eine tolle Würdigung für den
gesamten Berufsstand“, sagt Sonja Schraplau. „Das macht stolz und
motiviert.“ Warum sie die Anerkennung verdient hat, machten die
Jugendlichen im Bewerbungsschreiben deutlich: „Sie geht total auf
in ihrem Beruf. Wir Schüler sind für sie fast wie ihre eigenen
Kinder.“ Die Lehrerin unterstütze die Mädchen und Jungen bei
Problem – egal, ob sie in der Schule oder im Privatleben auftreten.
Den Menschen hinter dem Schüler sehen, die Heranwachsenden zu
mündigen Bürgern machen – das ist das selbsterklärte Ziel der
Vollblut-Pädagogin. „Authentizität ist dafür ganz wichtig“, sagt
sie. Die Jugendlichen sollen diskutieren und sich streiten. „Aber
die Art und Weise, wie das geschieht, ist ausschlaggebend“, betont
Sonja Schraplau. Seit sechs Jahren unterrichtet die gebürtige
Cloppenburgerin am Athenaeum, zuvor war sie genauso lange am
St.-Viti-Gymnasium in Zeven tätig.
„Ich mag die Abwechslung“, sagt sie. Die Arbeit mit jüngeren wie
älteren Schülern bereite ihr jeden Tag aufs Neue Freude. Jene
Jugendlichen, die sie als Fünftklässler unterrichtet hat, bereiten
sich derzeit auf ihre Abiturprüfungen vor, erzählt Sonja Schraplau.
„Ich würde wieder Lehrerin werden“, sagt sie. Besonders die
Musikförderung liegt ihr am Herzen. Am Athenaeum gibt es
Bläserklassen, in denen die Schüler intensiv im Umgang mit
Blasinstrumenten geschult werden und gemeinsam Konzerte
vorbereiten. Nicht nur im Klassenzimmer fühlt sich Sonja Schraplau
wohl. Im Organisieren und Planen gehe sie auf und neue
Herausforderungen nehme sie gerne an.
Sie ist sich bewusst, „welche Verantwortung Schule hat“. Die
Schüler auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit zu unterstützen,
gelinge nur im Team: „Ich arbeite sehr gerne mit diesem Kollegium
zusammen“, so Sonja Schraplau. Inzwischen betreut sie zusätzlich
den Wettbewerb „Jugend debattiert“ auf Regionalebene und
koordiniert die Oberstufe des Athenaeum. „Sie ist als Kollegin
unersetzlich“, sagt Mathematiklehrerin Gaby Trusheim, die 2013 den
Preis verliehen bekam.
Der leidenschaftliche Einsatz ist für Sonja Schraplau immer auch
ein Spagat. Ihr Mann unterrichtet am Vincent-Lübeck-Gymnasium, das
Paar hat zwei Kinder im Alter von sechs und acht Jahren. „Die
Familie trägt’s mit“, sagt sie. Entspannung findet die 39-Jährige
bei Konzertbesuchen und Kurzurlauben am Meer. Als Eltern erleben
sie das Schulsystem noch einmal aus einer anderen Perspektive. Bald
steht die Entscheidung an, zu welchen weiterführenden Schulen die
Kinder wechseln sollen.
Die vielfältige Bildungslandschaft mit ihrer Durchlässigkeit sieht
Sonja Schraplau da „eher als Bereicherung“. Unterschiedliche
Schulformen würden es den Kindern ermöglichen, entsprechend ihrer
persönlichen Fähigkeiten zu einem Abschluss zu kommen.


