Wie lässt sich der Holocaust, wie der Terror begreifen, denen
Millionen Menschen im nationalsozialistischen Deutschland zum Opfer
fielen? Fanden die „Vernichtungsaktionen“ während des Zweiten
Weltkrieges nicht weit weg irgendwo im Osten statt – und sind die
Grausamkeiten damit räumlich und zeitlich nicht ganz weit weg von
uns heute? Berührt mich das Thema überhaupt noch und kann ein
Besuch einer Gedenkstätte einen Denkprozess fördern?
Viele unserer Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen meinen: Ja!
Sicher, einige haben sich mehr erhofft, dachten, man sieht noch
mehr „Originalquellen“, kann sich den Terror noch besser
vorstellen. Es ist gerade aber der Arbeit und den Erzählungen der
Guides in Neuengamme zu verdanken, dass den Zehntklässlern noch
einmal bewusster wurde, dass die systematische Ausbeutung und
Ermordung von Menschen auch hier unmittelbar vor ihren Haustüren
stattfand. Besonders gut konnte dies anhand ausgewählter
Häftlingsbiografien deutlich gemacht werden. Ein Rundgang über das
Gelände machte die Dimensionen des ehemaligen Konzentrationslagers
klar – und nicht nur in Horneburg befand sich ein Außenlager des
KZ-Komplexes. Kopfschütteln verursachte die Konfrontation mit der
Geschichte des Lagers nach 1945: Plötzlich stehen wir vor einem
alten Gefängnisturm, bis ins 21. Jahrhundert wurde das Gelände als
Hamburger Gefängnis genutzt, bevor überhaupt erst seit rund zehn
Jahren Neuengamme von Opfern und deren Angehörigen und vor allem
auch von der regionalen Bevölkerung und eben auch Schulklassen als
Museum und Gedenkstätte besucht werden kann.
Insgesamt – das haben auch die vielen Gespräche im Bus auf der
Rückfahrt gezeigt – wird die 10er-Fahrt in die Gedenkstätte als
sehr sinnvoll und wichtig eingeschätzt. Sie findet am Athe seit ein
paar Jahren jedes Jahr in zeitlicher Nähe zum Gedenktag an die
Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar statt - und ist damit
auch für unsere Schüler- und Lehrerschaft ein wichtiger Bestandteil
der Erinnerungsarbeit und der Auseinandersetzung mit dem Thema
Nationalsozialismus.
Januar 2017: 10er-Klassen in KZ-Gedenkstätte Neuengamme
von Dennis Röder



