Musical Hair: Hippies lassen die Haare fliegen
so erschienen im Stader Tageblatt am 01.06.2017

Mitreißende Inszenierung in buntem Outfit : Hauptdarsteller Berger (Frederic Ott) auf der Stadeum-Bühne inmitten wirbelnder Haare. Foto Stief
Das Musical „Hair“, das Schüler des Athe und des VLG auf die Bühne
des Stadeum brachten, war fabelhaft inszeniert. Szenen und Songs
gingen unter die Haut und die Live-Band spielte hochklassig. Ein
I-Tüpfelchen: der Auftritt von Athe-Schulleiter Horn als spießiger
Vater.
Schülertheater – wer das noch mit Aufführungen verbindet, bei denen
der Besucher mindestens ein Auge zudrücken sollte, war lange nicht
mehr in Stade unterwegs. Die Generalprobe am Mittwochmorgen im mit
Schülern voll besetzten Stadeum strotzte vor Professionalität. Und
der Beifall nach allen Szenen und Liedern zeigte den Solisten und
den Sängerinnen und Sängern des Schulchors des Athenaeum und den
Gästen vom Vincent-Lübeck-Gymnasium, dass sie einen ansprechenden
Ton getroffen hatten. Eingeschlossen dabei sind auch die neun
Musiker, die auf einem Podest in der Bühnentiefe ihre Songs gekonnt
ablieferten.
Beim Musical „Hair“ geht es um Haare. Lange Haare. Sie sind das
Symbol des Protestes einer jungen Generation ab Mitte der 60er
Jahre gegen die Eltern und den Staat. Gegen Eltern, die ein
spießiges und mit Konventionen gepflastertes Leben vorgeben und
einen Staat, der viel fordert und seine jungen Männer (damals noch
Wehrpflichtige) in den Vietnamkrieg schickt.
Zeitalter des Wassermanns
Auf der Bühne tobt erst mal das bunte Leben. Hippies rufen singend
das neue Zeitalter aus, das des Wassermanns, das Frieden bringen
wird. Das findet sich auch andeutungsweise im Bühnenbild der Klasse
9f1 wieder, das angenehm sparsam die Eckpunkte liefert: das
Peace-Zeichen, den Spruch „Make Love not War“. Ansonsten ziehen die
50 Akteure, von denen immer viele auf der Bühne sind, die Blicke
auf sich. Und das sollen sie auch, denn sie überbringen mit ihrem
Spiel und in ihren Liedern die Botschaften des Musicals.
Da treffen Welten aufeinander. Hair erzählt die Geschichte einer
Gruppe langhaariger Hippies, die die freie Liebe leben, sich durch
das umfangreiche Drogenangebot hangeln und sich gegen die
Einberufung nach Vietnam auflehnen. Berger (Frederic Ott) und
Sheila (Marlene Schüttler) sind ein Paar, zu ihnen stößt Claude
(Wolf Rolapp), der seine eigene Haltung zum Krieg noch nicht
gefunden hat. Letztlich wiedersetzt er sich der Einberufung nicht
und geht nach Vietnam. In einer eindrucksvollen Szene, die viel
Beifall bekommt, werden erst seine Kameraden und dann auch er
erschossen.
Zu den sechs Hauptdarstellern, die die Geschichte voranbringen,
gehören auch Jeanie (Laura Knorr), Hud (Theodor Garitz) und Woof
(Noah Carstensen), die zusammen rumhängen und auf die bürgerliche
Kleinfamilie pfeifen, auch wenn das eigene Kind dabei auf der
Strecke bleibt.
Die Aufführung des Musicals Hair ist eine Gemeinschaftsleistung
aller Beteiligten. Zu den Hauptdarstellern gesellen sich laut
Programmheft, das umfangreich und gut gemacht ist, noch Solosänger
und viele weitere Darsteller, die bis in die kleinste Rolle
engagiert agieren. Natürlich können die Hauptdarsteller und die
Solosänger glänzen, weil ihnen der Platz ganz vorne an der Rampe
geboten wird. Und sie glänzen auch, gehen so gut in ihren Rollen
auf, dass in vielen Szenen Gänsehautfeeling aufkommt.
Am Schlussapplaus war ablesbar, dass Jörn-Martin Schöning (Regie),
Harriet von Sandrart (Choreografie) uns Benjamin Warnat
(Gesamtleitung) gute Arbeit geleistet haben. Und wenn dann auch
noch Schulleiter Wolfgang Horn und Lehrerin Dr. Sabine Buck die
Spießernummer abliefern – Hut ab. Vor allen.


