Zu gerne wüsste Andrea Helmers, wer sie der IHK gegenüber für die
Auszeichnung als Lehrerin des Jahres vorgeschlagen hat.
Ausgezeichnet wurde sie, den „Ikarus“ bekam sie im Stadeum
überreicht, aber wer dahinter steckt – Achselzucken.
Dass sie engagiert ihre Arbeit macht, sich gut in die Schüler
hineinversetzen und deshalb gut Hilfestellung leisten kann – so die
offizielle Begründung – lässt sie gelten. Und die Lehrerin am
Athenaeum fügt in aller Bescheidenheit hinzu: „Das zeichnet aber
auch viele meiner Kollegen aus.“
Der „Ikarus“ hat die Deutsch- und Biologielehrerin völlig
überrascht. Die Auszeichnung vor 1000 Gästen im Stadeum sei schon
imposant gewesen, aber als herausgehobene Lehrperson empfinde sie
sich nicht. „Ich habe die Auszeichnung nur stellvertretend
angenommen, stellvertretend für die vielen Lehrer, die engagiert
sind und in ihrem Beruf aufgehen“, sagt Andrea Helmers.
Stellvertretend – das könnte durchaus im Sinne der Industrie- und
Handelskammer sein. Denn IHK-Präsident Thomas Windgassen begründete
die Verleihung des Preises auch damit, dass Lehrerinnen und Lehrer
öffentlich geehrt werden sollen, weil sie Tag für Tag „für unser
aller Zukunft“ arbeiteten. Zur Urheberschaft verriet Windgassen im
Stadeum vor 1000 Gästen nur soviel: Vorschläge, über die eine Jury
befindet, könnten aus allen Richtungen des Schulbetriebs kommen.
Und für die drittplatzierte Lehrerin aus Achim zitierte Windgassen
die Begründung, die ein Vater geschrieben hatte.
„Für mich ist das normaler Unterricht“
In ihrem Unterricht versucht Andreas Helmers, die Kinder emotional
zu erreichen und sie zu motivieren, sich mit dem Thema
auseinanderzusetzen. In der Auszeichnung wird das guter Unterricht
genannt. „Für mich ist das normaler Unterricht“, ordnet die
Lehrerin ihre Arbeit ein.
Auch, dass sie sich für die Kinder interessiert, ist für die
48-Jährige völlig normal. „Wir verbringen viel Zeit miteinander und
gehen gemeinsam durch dick und dünn“, sagt Andrea Helmers. So kennt
sie es auch aus ihrer Zeit als Schülerin. Sie besuchte eine
Integrierte Gesamtschule (IGS), in der viel Wert auf soziale
Kompetenzen gelegt wurde, erzählt die Lehrerin aus ihrer Schulzeit.
Die Schulabschlüsse spielten sich zwischen Hauptschul- und
Gymnasialniveau ab. Die Toleranz könne sie auch heute als Lehrerin
gut gebrauchen.
„Ich habe als Schülerin Schule positiv erlebt“, sagt Andrea
Helmers. Das müsse jeder auch so erlebt haben, der sich für den
Lehrerberuf entscheide. Und von solchen Kollegen sei sie auch
umgeben. Viele würden den Unterricht und die Schule so leben wie
sie. Daher gebührte vielen der „Ikarus“, den sie nun erhalten hat.
Gelobt wurde Andrea Helmers auch für ihren Einsatz für
Sprachförderung von jungen Flüchtlinen. Dazu hatte sie – zusammen
mit zwei Kolleginnen, betont sie – eine Arbeitsgemeinschaft
gegründet. Die AG mit 60 Schülern sollten Deutschkenntnisse
vermitteln. Sie war auch ein Signal der Unterstützung an die
Hauptschule Thuner Straße und die Realschule Camper Höhe, die viele
junge Flüchtlinge im Unterricht aufnahmen. Das Projekt funktinierte
nicht wie gewünscht und am liebsten hätte Andrea Helmers das auch
in der Begründung zum „Ikarus“ nicht erwähnt gehabt. Allerdings:
Die Idee und der gute Wille sind durchaus eine Auszeichnung für
pädagogisches Engagement wert.
Lehrerin des Jahres hält sich für völlig normal
so erschienen im Stader Tageblatt am 20.01.2018



