Es ist der 07.12.2017, draußen regnet es, doch das hält die
Besucher der ersten Autorenlesung im Athenaeum nicht davon ab, sich
auf den Weg in die Aula zu machen. Der Saal ist voll, noch
unterhalten sich die Besucher angeregt. Doch spätestens als Herr
Niestroj das Mikrophon ergreift, wird es still. Er begrüßt das
Publikum, bestehend aus Schülern, Eltern und Lehren. Dann erzählt
er, wie er den Mauerfall erlebt hat und stellt kurz den Autor des
Buches vor. Renatus Deckert. Als Sohn eines Pfarrers wird er 1977
in Dresden, in der ehemaligen DDR, geboren. Mit zwölf Jahren hört
er in der Schule erst am nächsten Tag vom Mauerfall. Seine erste
Fahrt nach West-Berlin hat er bis heute nicht vergessen: die vollen
Straßen, die vielen Menschen. Volksfeststimmung, sagt er,
beschreibt dieses Gefühl am besten. Seine erste Pizza aß er
ebenfalls im Westen, mit seinem Onkel, einem Republikflüchtling.
Viel änderte sich nach dem Mauerfall, in der Schule verschwanden
nicht nur Fächer wie Staatsbürgerkunde, sondern auch Lehrer und
Schüler. Heute, 29 Jahre nach dem Mauerfall, lebt er in Lüneburg.
Nachdem er sich kurz für die Möglichkeit dieses Besuchs bedankt,
kommt auf die Bühne und beginnt mit der Vorlesung. Das dort
vorgestellte Buch wurde 2009 im Suhrkamp Verlag herausgegeben und
beinhaltet 25 Erzählungen von Autoren und Schreibern, in denen sie
ihre ganz persönlichen Erfahrungen und Gedanken aus der Zeit der
DDR und BRD beschreiben und sich an diese prägnante Zeit der
Deutschen Geschichte zurück erinnern. Sie beleuchten verschiedenste
Aspekte sowie Umgänge mit dem Mauerfall.
Der Autor erzählt sehr detailliert, wie er die Zeit in seiner
Heimatstadt Dresden erlebt hat. Er berichtet von seiner Kindheit,
insbesondere von seiner Schulzeit. Neben zwei Geschichten aus
seinem Buch, liest er auch einige Anekdoten und witzige Erzählungen
im Rahmen der etwa zweistündigen Lesung vor.
Es sei eine neue Aktion gewesen, auch Autoren in das Athenaeum
einzuladen, um sie ihre Bücher vorzustellen und daraus vorzulesen
zu lassen. Dies wurde durch Herr Trau ermöglicht, der das Interesse
seiner Schüler merkte und daraufhin diese Lesung organisierte. Die
Begeisterung der Schüler, Eltern und Lehrer war nicht nur an dem
Applaus zu sehen und zu hören, Renatus Deckert signierte auch
fleißig Bücher und beantwortete, wie schon während der Vorstellung,
Fragen rund um sein Buch und die Erlebnisse. Die Zuschauer, denen
die Lesung gut gefiel, hörten die gesamte Zeit aufmerksam und
interessiert zu.
Bei so einem Erfolg lässt sich doch nur auf noch viele weitere und
gut besuchte Autorenlesungen am Athenaeum hoffen.
Erste Autorenlesung am Athenaeum - „Die Nacht, in der die Mauer fiel“
von Swantje Arndt



