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  1. 2018

Esther Bejarano sorgt für Gänsehaut

von Heather Buck und Swantje Luca Arnd

Foto: Christa Spannbauer

Foto: Christa Spannbauer

Eine Überlebende, ein wichtiges Ereignis, große Anspannung und Stille. All das kommt am 29. August in der Aula des Athe zusammen, als Esther Bejarano, eine Auschwitz-Überlebende, unseren 10. und 11. Klässlern aus ihrem Buch ,,Erinnerungen“ vorliest. Noch unterhalten sich alle und es herrscht Unruhe, doch schon bald tritt Esther Bejarano mit ihrem Begleiter in den Raum und es wird still. Zunächst hält Herr Pape eine kurze Ansprache, allerdings fällt es ihm schwer, zu einem so bedeutenden Thema die richtigen Worte zu finden. Deswegen gibt er das Mikrofon schnell wieder ab und Esther beginnt aus ihre Erinnerungen vorzulesen. Da uns die Lesung so mitgerissen hat, wollen wir an dieser Stelle jene Erinnerungen mit euch teilen.


Als junge Frau lebt Esther Bejarano mit ihren Eltern in Ulm. Ihre zwei älteren Geschwister sind bereits ins Ausland geflohen und ihr etwas älterer Bruder ist bereits durch eine Essigessenz-Vergiftung verstorben. Da ihre Mutter Jüdin und ihr Vater Halb-Jude ist, wird sie jüdisch erzogen und hat bereits schon seit dem Kindesalter Spaß an der Musik. Kurz nach Beginn des Zweiten Weltkrieges, im Jahr 1939, versucht ihre Familie ins Ausland zu fliehen, was ihnen jedoch nicht gelingt, da sie keine Ersparnisse haben. So landen sie zunächst in Ahrensdorf. Im Juni 1941 wird Esther Bejarano in ein Zwangsarbeitslager gebracht, wo sie als Blumenverkäuferin arbeitet. Sie erwähnt insbesondere ihren Vorgesetzten, der sehr gut zu ihr ist, denn er lässt sie sich aus seinem Gewächshaus satt essen, ein Privileg. Am 25.11.1941 werden ihre Eltern abtransportiert und kurz darauf erschossen...

Foto: Christa Spannbauer

Foto: Christa Spannbauer

An dieser Stelle ist es in der Aula mucksmäuschenstill. Allerdings erfährt Esther dies erst einige Jahre später und ist sehr schockiert. Wenig später wird auch sie mit einem Waggon, der sehr überfüllt und stickig ist, abtransportiert und ins Konzentrationslager in Ausschwitz gebracht. Schwangere, Frauen über 45 Jahre, kleine Kinder, Mütter und Gehbehinderte werden in Autos mitgenommen und vergast. Es war auch für Esther in diesem Moment schrecklich, denn zu diesem Zeitpunkt weiß noch niemand, was mit ihm passiert. Die junge Dame und viele andere müssen allerdings zu diesem Zeitpunkt schon das letzte Stück zum KZ laufen, welches erst als Arbeitslager dargestellt wird. Esther erzählt, dass alle erschrocken waren, als sie ankamen, denn es sah ganz und gar nicht aus wie ein Arbeitslager und sofort war allen klar, dass es ein Konzentrationslager ist. Als sie dort ankommen, müssen sie zunächst in die ,,Sauna“, in der sie geschoren, kalt geduscht und in Heißluft getrocknet werden. Anschließend bekommen alle eine Nummer auf den linken Arm tätowiert und eine Schüssel zum Essen, Trinken und Waschen. Esther erfährt von einem Orchester, dem sie durch sehr viel Glück beitreten darf und welches ihr Leben im Konzentrationslager somit einigermaßen erträglich gestaltet. Zuerst spielt sie Akkordeon, was sie eigentlich überhaupt nicht kann, es aber immerhin so gut schafft, dass es nicht weiter auffällt. Allerdings wird auch das Musizieren irgendwann eine große psychische Belastung für Esther, denn sie spielen an dem Tor, an dem neue Menschen ankommen, die später vergast werden sollen. Dies ist eine Taktik der Nazis, um vorzuschwindeln, dass es im KZ gar nicht so schlimm ist. Irgendwann spielt dann ein Mädchen besser als Esther Akkordeon und sie verliert zunächst ihren Platz im Orchester, um ihn anschließend aufgrund ihres Könnens an der Blockflöte zurückzubekommen. Durch einen Keuchhusten, Esther ist mittlerweile 18 Jahre alt, kann sie später auch keine Blockflöte mehr spielen und steigt auf die Gitarre um. Weil sie so gut ist, bewirbt sie sich bei einer Musikagentur und wird tatsächlich genommen. Somit kann sie endlich dem Konzentrationslager entkommen. Einen Tag in der Woche arbeitet Esther zudem bei Siemens, wo sie anständiges Essen bekommt. Und: Post mit Briefen, Lebensmitteln und Kleidung ihrer Tante. Gegen Ende des Krieges muss Esther ein letztes Mal fliehen, da sie nun auch von den Russen verfolgt wird. Sie erzählt, dass nur sieben Mädchen aus ihrer Gruppe überlebt hätten und sie alle sehr, sehr lange laufen mussten. Nach einer Nacht in einer Scheune auf einem Bauernhof sehen sie in der Ferne amerikanische Soldaten mit Panzern und rennten ihnen entgegen. Sie erklären, was alles passiert ist und alle sind so außer sich vor Freude, dass sie allesamt weinen müssen. Es wird auch noch ein Bild von Hitler verbrannt. Esther nennt diesen Tag ihre ,,zweite Geburt“ ... Am Ende des Vortrages stellen die Schülerinnen und Schüler noch viele Fragen, die aus Zeitmangel nicht alle beantwortet werden können. Esther Bejarano beantwortet alle Fragen sehr ausführlich, wodurch wir alle einen sehr tiefen Einblick in ihre persönlichen Erfahrungen bekommen.
Der Vortrag war sehr interessant und traurig, allerdings war es wichtig und schön, Einblicke von einer Zeitzeugin zu bekommen. Wir danken ihr dafür, dass Esther den Mut hat, von diesen wichtigen und schlimmen Ereignissen zu berichten und wünschen ihr für die Zukunft alles Gute.

Mehr Infos zu Esther Bejarano, ihrem Buch und ihrer Musik findet ihr hier.

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