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  1. 2018

Musizieren lernen – durch Musikhören

so erschienen im Stader Tageblatt am 22.09.2018

Viele Schüler der Streicherklassen im Stader Athenaeum haben oft nur eins im Kopf: Musik. Eine besondere Unterrichtsstunde gab es für die Nachwuchsmusiker am Freitag. Die studierte Violinistin Marie Stiller erzählte aus ihrem Alltag mit der Klassik.

Marie Stiller setzt nach dem letzten Ton den Geigenbogen ab. Für die musikalischen Siebt- und Neuntklässler hat sie gerade im Rahmen des internationalen Joseph Joachim Violinenwettbewerbs ein Stück von Bach gespielt – zweistimmig, auf nur einer Violine. In der Aula herrscht für den Moment eine bewundernde Stille. Ein seltener Anblick bei zwei Schulklassen im Teenageralter. Oliver Lach aus der 9m findet die ersten Worte: „Es hat sich wirklich so angehört, als hätten zwei Menschen gleichzeitig gespielt.“ Zustimmendes Nicken. Die Schüler der beiden Streicherklassen wissen schließlich, wie viel Arbeit hinter einer solchen Leistung steckt.

Seit der fünften Klasse werden sie durch das Athenaeum in der Musik gefördert. „Die meisten von ihnen haben damals das erste Mal eine Geige angefasst“, ist Musiklehrer Andreas Veit stolz auf die Leistung seiner Schützlinge. Die Schüler hatten mit Veits Frau Barbara schon vorher ein Stück zur Begrüßung von Marie Stiller zum Besten gegeben. Hochkonzentriert folgten sie den Anweisungen der Dirigentin, auch als mal ein schnellerer Takt gefordert war. Barbara Veith hatte das Stück extra so auf die Beine gestellt, dass jeder nach seinen einzelnen Fähigkeiten zur Geltung kam.

Musikalische Begeisterung fördern

Mit dem Besuch der Violinistin will das Projekt „Zu Gast im Klassenzimmer“ die musikalische Begeisterung von Schülern in ganz Niedersachsen fördern. Viele Schüler, vor allem in solch reinen Streicherklassen, streben nach dem Traum, selbst als Musiker erfolgreich zu sein. Echte Star-Luft dürfen sie deshalb im Oktober schnuppern.

Das Schulprojekt findet im Rahmen des internationalen Joseph Joachim Violinenwettbewerbs alle drei Jahre statt. Darum sind die Schüler eingeladen, sich im Oktober in Hannover ein Wertungsspiel eines der geübtesten Violinisten weltweit anzuschauen. Dort bekommen sie die oberste Liga der Geiger zu Gesicht, denn die Teilnehmer haben ihre Ziele hoch gesteckt: Der erste Preis ist mit 50.000 Euro dotiert.

Musik lernen durch Musik hören. Das Athenaeum bietet seinen Klassen, die im Zweijahrestakt nach Bläsern und Streichern aufgeteilt sind, die besten Voraussetzungen für eine musikalische Zukunft: „Wenn sie sechs Jahre intensiv bei uns geprobt haben, können sie in jedem beliebigen Universitätsorchester mitspielen“, verspricht Veith. Dabei will er besonders eins vermitteln: „Für klassische Musik muss ich mich nicht schämen, auch wenn das noch oft der Fall ist.“

„Mit den reinen Streicher- und Bläserklassen haben wir schon ein Alleinstellungsmerkmal, das gibt es nicht so oft in Niedersachsen. Viele unserer Schüler streben später auch ein musikalisches Studium an“, sieht sich Schulleiter Martin Niestroj in dem Konzept bestätigt. Dafür sind Vorkenntnisse in der fünften Klasse nicht notwendig. Gemeinsam arbeiten die Schüler im Klassenverband auf ein Ziel hin: Im gemeinsamen Schulorchester des Athenaeums und Vincent-Lübeck-Gymnasiums mitzuspielen. Und vielleicht irgendwann mal so gut zweistimmig zu spielen wie der Gast Marie Stiller.

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