Ein paar Mal hatte ich Guo Shangjun schon gesehen, aber dieses
Interview würde das erste Mal sein, dass ich persönlich mit unserer
neuen Sprachassistentin aus China sprechen würde. Ich war sehr
gespannt auf das Treffen und freute mich, Infos von ihr und über
sie zu erfahren, um diese in einem Interview für unsere
Jugendreporter zu verarbeiten. Die 24-Jährige, die auf Magister
studiert, antwortete bereitwillig auf alle Fragen, die wir ihr als
kleines Team stellten und erzählte viel über ihr Heimatland. Die
Verständigung mit Sara, das ist ihr deutscher Name, war kein
Problem, da Frau Renftel sofort zur Stelle war, wenn mal etwas
unklar wurde oder eine Frage zum Verständnis nochmal erläutert
werden musste. Frau Renftel ist ihre Hauptansprechpartnerin bis zu
den Sommerferien, solange blebt Guo Shangjun an unserer Schule.
Sara, wie häufig gibt es eine Sprachassistentin an einer Schule?
Eine Sprachassistentin an der Schule zu haben ist ein toller Zusatz
und eine Bereicherung, daher wird sich jedes Jahr darum bemüht,
eine zu bekommen. Es ist immer ein großes Glück, wenn man als
Schule ausgewählt wurde, da sich viele andere Schulen eine solche
Assistentin oder solch einen Assistent an ihrer Schule wünschen
würden.
Was genau macht eine Sprachassistenten eigentlich?
Sprachassistenten sind in der Regel Studenten aus verschiedenen
Ländern, beispielsweise Frankreich, Kanada, China und auch anderen,
die ihre Muttersprache anwenden können, wenn sie in ein fremdes
Land reisen und dort für eine bestimmte Zeit arbeiten. Wir haben in
Deutschland Chinesisch natürlich nicht als Schulfach, jedoch kann
beispielsweise ein Sprachassistent aus Frankreich aktiv beim
Französischunterricht weiterhelfen und mitmachen. Diese Studenten
sind dann zwölf Stunden pro Woche an den Schulen, die sie entweder
hospitieren oder selber auch unterrichten. Aus diesem Grund biete
ich am Athe dafür die AG an, da man Chinesisch nicht wirklich in
den Unterricht einbinden und damit den Stundenplan nicht komplett
füllen kann.
Gibt es große schulische Unterschiede zwischen China und
Deutschland?
Die Zahl der Schüler in chinesischen Klassen ist deutlich größer.
Dort gibt es bis zu 60 Schüler in einer Klasse. Hier in Deutschland
ist die Anzahl der Schüler pro Klasse ja bekanntlich geringer. Die
Schule endet in Deutschland auch früher. In China können oft nur
die Jüngeren so früh nach Hause gehen. Die Älteren bleiben oft von
acht Uhr morgens bis in den späten Nachmittag und manchmal sogar
bis zum Abend in der Schule. Auch der Unterricht selber ist sehr
verschieden. In chinesischen Schulstunden hören die Kinder meistens
nur zu, hier stellen die Kinder gerne Fragen, melden sich und
beteiligen sich aktiv am Unterricht.
Unterstützung aus China: Sprachassistentin am Athe
von Solveigh Hansen


Was haben Sie in der ersten Zeit an unserer Schule gemacht?
Als ich die erste Woche hospitiert habe, war ich nur in der 8s. Die
Schüler haben sich sehr anders verhalten als ich es gewohnt bin. In
der zweiten Woche hospitierte ich in verschiedenen Jahrgängen, vor
allem in der 9. und 11. Klasse. Einige von ihnen sind sehr
sympathisch, aber einige von ihnen sind auch frech. Die meisten
haben aber einen großen Bedarf an neuem Wissen.
Was machen Sie in Ihrer AG, die sie mehrmals pro Woche für
unterschiedliche Klassenstufen anbieten?
Ich werde erst einmal die teilnehmenden Schüler fragen woran sie
Interesse haben und was sie gerne von China und der Kultur wissen
wollen. Danach werde ich den Inhalt der AG ein wenig gestalten.
Natürlich werden ich ihnen die Sprache und Schrift näher bringen.
Studieren Sie weiter, wenn Sie wieder in China sind?
Nein, in diesem Jahr muss ich noch meine Abschlussarbeit schreiben
und dann ist mein Studium abgeschlossen.
Wie ist es bisher in Deutschland für Sie? Es ist ein sehr anderes
Land im Gegensatz zu China, haben Sie deswegen Schwierigkeiten?
Alles ist neu und sehr interessant für mich. Jedes Mal, wenn ich in
den Supermarkt gehe, kann ich vieles noch nicht ganz verstehen und
lesen. Es ist ein wenig schwer, die Deutschen beim Sprechen zu
verstehen, da sie für meine Verhältnisse etwas schnell reden.
Insbesondere die Schüler. Für mich ist außerdem Hörverstehen und
Inhaltliches eine Herausforderung.
Haben Sie vor noch einmal nach Deutschland zu kommen?
Ich würde gerne eine Weiterbildung in Deutschland machen, jetzt
weiß ich aber noch nichts Genaueres. Auch einige meiner Freunde
studieren an deutschen Universitäten.
Gibt es noch andere Länder, die sie gerne besuchen würden?
Ich würde gerne nach Nordeuropa, beispielsweise Finnland oder
Island.
Wie haben Sie das Weihnachtsfest verbracht?
Ich habe mit einer Freundin, die momentan ebenfalls in Deutschland
lebt, eine Reise in den Süden Europas unternommen.
Feiern Sie denn überhaupt Weihnachten in China?
Nein das tue ich nicht. Viele Chinesen feiern allerdings dieses
doch eher westliche Fest. Wir feiern eigentlich das Frühlingsfest
und haben auch einen eigenen Kalender. Aber die Weihnachtsferien
hier in Deutschland sind lang. So kann ich, da natürlich keine
Schule ist, Reisen mit meiner Freundin unternehmen.
Haben die Chinesen denn weniger Ferien als in Deutschland?
Die Chinesen haben nur Sommerferien, welche zwei Monate lang sind
und Winterferien, welche etwa ein bis zwei Monate dauern. Die
Universitäten im Süden Chinas haben lange Ferien im Sommer, da es
in dieser Zeit dort sehr warm ist. Die im Norden gelegenen Unis
haben lange Winterferien und dafür kürzere Sommerferien.
Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Spaß an unserer
Schule!


