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  1. 2019

Er ist als Lehrer ein großer Meister der Motivation

so erschienen im Stader Tageblatt am 19.02.19

Seine Schüler sind dem Urknall im Weltall auf der Spur und ebenso mit autonom fahrenden Traktoren im Altländer Obsthof unterwegs. Dr. Hans-Otto Carmesin ist ein Meister der Motivation, der derzeit 15 „Jugend forscht“-Projekte betreut.
Der Lehrer hält es mit Wilhelm von Humboldt, der eine am Menschen orientierte Idee von Bildung entwarf. Das sind nicht nur hehre Worte. Carmesin, der seit 20 Jahren Lehrer am Athenaeum ist, sucht und findet Themen, die aus dem Schülerleben gegriffen sind. An eine Klasse erinnert sich der Physiker, Mathematiker und Astronom nur zu gerne. „Wir wollen nicht, wir können nicht, und Sie können gleich wieder gehen“, empfing ihn der bocklose Haufen. Carmesin konterte: Er machte einen Musik-Player, wie ihn fast jeder Pennäler bei sich hat, zum Unterrichtsstoff. Wie laut darf es sein, wann wird es schädlich? „Ganz zufällig“ kamen dabei auch die mathematischen Gesetze auf den Tisch, erzählt Carmesin lachend. In der zweiten Schuljahreshälfte stand die Klassenfahrt an – Carmesin sollte auf Wunsch eben dieser Schüler mit.
Schüler sollen sich entfalten können, hat Humboldt vor 200 Jahren formuliert. „Ich mache den Schülern interessante Angebote, um sie zu motivieren“, sagt Carmesin heute. Zum Beispiel, ob es Filmheld 007 schaffen kann, sich mit einer Hand am fliegenden Flugzeug festzuhalten. Er weiß, dass gerade junge Menschen daran interessiert sind, die Welt zu verstehen. Heraus kommt dabei lebendiger und praxisnaher Unterricht. Wie die Entwicklung autonomer Steuerungen für Traktoren. Die gab es nur für große Felder. Seine Schüler und er entwickelten ein funktionierendes System im Spalierobstbau, das mit Peter Wahlen aus Jork in der Praxis getestet wurde.

Von Preisen und Auszeichnungen spricht Hans-Otto Carmesin nicht. Aber es gibt ja Suchmaschinen. 2010 erhielt er den Klaus-von-Klitzing-Preis, da galt er als der beste deutsche Lehrer für Naturwissenschaften. Auch da wurde Praxisnähe geehrt: Carmesin organisierte Exkursionen, von „Messungen zur Newtonschen Mechanik im Heidepark“ bis zu „Magnetismus beim Transrapid im Emsland“. Das Preisgeld von 15 000 Euro floss in den Ausbau der Sternwarte am Athenaeum. Kürzlich erhielt er den Ikarus, die Auszeichnung der IHK für den besten Lehrer in der Region.


Seine Schüler erhalten dutzende Auszeichnungen

Carmesin erzählt lieber von den Preisen, die die Schüler einheimsen. Dutzende waren es in den letzten Jahren allein bei den „Jugend-forscht“-Gruppen. Für einen der Natur nachempfundenen Elefantenrüssel ebenso wie für den bereits erwähnten autonom fahrenden Traktor. Das war 2017, als Carmesin als „Talentförderer“ ausgezeichnet wurde.
Dass Carmesin Schulbücher mit verfasste, die als einleuchtend gelten und für ihren starken Bezug zur Lebenswelt gelobt werden, versteht sich fast von selbst. Dass er die Lehrer am Studienseminar unterrichtet, auch. Und es verwundert nicht, dass er ihnen beibringt, Schüler zu aktivieren und auch spielerisches Erkunden zuzulassen.
Das habe die Welt nämlich nötig, angesichts der Probleme wie dem Klimawandel und dem stetig steigenden Autoverkehr. Dass es so nicht weitergehe, sagt Carmesin klipp und klar. Doch eine Dilemma-Situation sei das nicht. Denn da bedürfe es nur vieler Leute, die mit vielen Lösungen den ökologischen Umbau umsetzten.
Und dass diese Fähigkeiten in seinen und anderen Schüler stecken, die die Wissenschaftler von morgen sind, ist für den Physikprofessor, der als Privatdozent an der Universität Bremen lehrt, keine Frage, sondern klar. Die Erfindungen der „Jugend-forscht“-Gruppen beweisen es.

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