Seine Schüler sind dem Urknall im Weltall auf der Spur und ebenso
mit autonom fahrenden Traktoren im Altländer Obsthof unterwegs. Dr.
Hans-Otto Carmesin ist ein Meister der Motivation, der derzeit 15
„Jugend forscht“-Projekte betreut.
Der Lehrer hält es mit Wilhelm von Humboldt, der eine am Menschen
orientierte Idee von Bildung entwarf. Das sind nicht nur hehre
Worte. Carmesin, der seit 20 Jahren Lehrer am Athenaeum ist, sucht
und findet Themen, die aus dem Schülerleben gegriffen sind. An eine
Klasse erinnert sich der Physiker, Mathematiker und Astronom nur zu
gerne. „Wir wollen nicht, wir können nicht, und Sie können gleich
wieder gehen“, empfing ihn der bocklose Haufen. Carmesin konterte:
Er machte einen Musik-Player, wie ihn fast jeder Pennäler bei sich
hat, zum Unterrichtsstoff. Wie laut darf es sein, wann wird es
schädlich? „Ganz zufällig“ kamen dabei auch die mathematischen
Gesetze auf den Tisch, erzählt Carmesin lachend. In der zweiten
Schuljahreshälfte stand die Klassenfahrt an – Carmesin sollte auf
Wunsch eben dieser Schüler mit.
Schüler sollen sich entfalten können, hat Humboldt vor 200 Jahren
formuliert. „Ich mache den Schülern interessante Angebote, um sie
zu motivieren“, sagt Carmesin heute. Zum Beispiel, ob es Filmheld
007 schaffen kann, sich mit einer Hand am fliegenden Flugzeug
festzuhalten. Er weiß, dass gerade junge Menschen daran
interessiert sind, die Welt zu verstehen. Heraus kommt dabei
lebendiger und praxisnaher Unterricht. Wie die Entwicklung
autonomer Steuerungen für Traktoren. Die gab es nur für große
Felder. Seine Schüler und er entwickelten ein funktionierendes
System im Spalierobstbau, das mit Peter Wahlen aus Jork in der
Praxis getestet wurde.
Von Preisen und Auszeichnungen spricht Hans-Otto Carmesin nicht.
Aber es gibt ja Suchmaschinen. 2010 erhielt er den
Klaus-von-Klitzing-Preis, da galt er als der beste deutsche Lehrer
für Naturwissenschaften. Auch da wurde Praxisnähe geehrt: Carmesin
organisierte Exkursionen, von „Messungen zur Newtonschen Mechanik
im Heidepark“ bis zu „Magnetismus beim Transrapid im Emsland“. Das
Preisgeld von 15 000 Euro floss in den Ausbau der Sternwarte am
Athenaeum. Kürzlich erhielt er den Ikarus, die Auszeichnung der IHK
für den besten Lehrer in der Region.
Er ist als Lehrer ein großer Meister der Motivation
so erschienen im Stader Tageblatt am 19.02.19


Seine Schüler erhalten dutzende Auszeichnungen
Carmesin erzählt lieber von den Preisen, die die Schüler
einheimsen. Dutzende waren es in den letzten Jahren allein bei den
„Jugend-forscht“-Gruppen. Für einen der Natur nachempfundenen
Elefantenrüssel ebenso wie für den bereits erwähnten autonom
fahrenden Traktor. Das war 2017, als Carmesin als „Talentförderer“
ausgezeichnet wurde.
Dass Carmesin Schulbücher mit verfasste, die als einleuchtend
gelten und für ihren starken Bezug zur Lebenswelt gelobt werden,
versteht sich fast von selbst. Dass er die Lehrer am Studienseminar
unterrichtet, auch. Und es verwundert nicht, dass er ihnen
beibringt, Schüler zu aktivieren und auch spielerisches Erkunden
zuzulassen.
Das habe die Welt nämlich nötig, angesichts der Probleme wie dem
Klimawandel und dem stetig steigenden Autoverkehr. Dass es so nicht
weitergehe, sagt Carmesin klipp und klar. Doch eine
Dilemma-Situation sei das nicht. Denn da bedürfe es nur vieler
Leute, die mit vielen Lösungen den ökologischen Umbau umsetzten.
Und dass diese Fähigkeiten in seinen und anderen Schüler stecken,
die die Wissenschaftler von morgen sind, ist für den
Physikprofessor, der als Privatdozent an der Universität Bremen
lehrt, keine Frage, sondern klar. Die Erfindungen der
„Jugend-forscht“-Gruppen beweisen es.


