Was für uns vielversprechend und nach Freiheiten und Selbstbestimmung klang, war dann in Wirklichkeit ganz schön anstrengend. Nachdem wir den Segen von Frau Eickmann, Frau Liebethal und Herrn Niestroj empfangen und uns durch den deutschen „Bürokratiedschungel“ geschlagen hatten, stand uns ein Raum zur Verfügung und die Auswahl eines Stückes bevor. Dabei fiel auf, dass wir als reine Schülergruppe zwar das Stück dem Geschmack aller entsprechend auswählen konnten, dass wir gleichzeitig aber große Entscheidungsschwierigkeiten hatten. Ein Grund dafür war, dass uns die Auswahl auf „Theaterbörse.de“, erschlug; der Hauptgrund aber war, dass wir ohne Lehrer keine Respektsperson hatten, die unsere Diskussionen effizient zu einem Ergebnis hätte führen können. Nachdem wir das Stück dann endlich vor uns liegen hatten, begannen wir zu schauspielern und auswendig zu lernen, was das Zeug hielt, und es hätte sicher noch länger gedauert, wenn Herr Niestroj uns nicht das Versprechen abgenommen hätte, ihn zur Premiere einzuladen. Ähnlich wie bei der Stückwahl lief es auch bei der Terminfindung, aber Ende Februar konnten wir unser Versprechen dann erfüllen.
Theater-AG: Aller Anfang ist schwer – aber er ist gemacht
von Nele Bendler
Alles begann vor anderthalb Jahren, als die Theater-AG der achten bis zehnten Klassen aufgelöst wurde, sich einige Mitglieder der aber nicht von der Schauspielerei trennen wollten: Die Gründung unserer Theater-AG. Aber als Fünfzehn- und Sechzehnjährige begnügten wir uns nicht mit einer normalen AG, sondern wollten alle künstlerischen Freiheiten, die man haben kann: ohne Druck lernen, ohne Vorgaben. Kurz - wir wollten keinen Lehrer, wir wollten alles demokratisch unter uns regeln.



Von unserem ersten kleinen Erfolg, zu dem übrigens keine 30 Leute
erschienen sind, fühlten wir uns dennoch ermutigt weiterzumachen,
sodass wir diesen Februar wieder eine Aufführung auf die Beine
gestellt haben – aber dieses Mal mit einem Werk, das Lasse Bentfeld
eigens für uns geschrieben hat. Auch die Gruppe hat sich in der
Zwischenzeit geändert: Aus der ehemaligen AG der achten bis zehnten
Klassen sind noch zwei Mitglieder dabei, der Rest ist neu
dazugekommen. Im zweiten Stück haben nur vier der Schauspieler aus
dem ersten Stück mitgespielt, aber die anderen haben sich zum guten
Teil im Publikum wiedergefunden.
Dieses lief dann auch besser als das erste –die alten Hasen haben
die Führungsrolle übernommen, der Zuwachs an jüngeren Schülern hat
die wenig produktive Cliquenbildung unterbunden und durch
gemeinsames Essengehen sind wir besser zusammengewachsen. Wir haben
aus unseren Fehlern gelernt und mehr Werbeplakate ausgehängt,
Einladungskärtchen verteilt, mündlich eingeladen – und fast doppelt
so viele Zuschauer wie das letzte Malbegrüßen dürfen. Nach zwei
Stücken von 35-45 Minuten, für die wir jeweils ein halbes Jahr lang
geprobt haben, bahnt sich jetzt etwas Größeres an. Von den sechs
Mitgliedern, die wir am Anfang des Schuljahres waren, sind wir auf
stattliche elf begeisterten Schauspielern angewachsen, sodass (wenn
alles klappt, wie wir es uns vorstellen) ein längeres Stück,
welches Lasse bereits in Arbeit hat, schon bald auf der Bühne
stehen wird. Das alles wäre aber wohl kaum zustande gekommen, wenn
während der vergangenen Jahre nicht Herr Trautmann und Herr Pape
als Stundenplaner, Herr Reimer als Leiter der Licht-und
Tontechnik-A G und Frau Eickmann sowie Frau Biermann als
DS-Lehrerinnen, zusammen mit vielen anderen Lehrern, Schülern und
Verwandten hinter uns gestanden hätten, weshalb wir uns am Ende
dieses Artikels ganz herzlich bei ihnen bedanken wollen.


