Sie sind hier :
  1. 2019

Selfie ohne Smartphone und ein Kleid aus Kleber

so erschienen im Stader Tageblatt am 11.03.2019

Der Kunst-Leistungskurs des Athaeneums. Fotos: Albus

Der Kunst-Leistungskurs des Athaeneums. Fotos: Albus

Henri Draewe mit einem Kleid aus Heißkleber.

Henri Draewe mit einem Kleid aus Heißkleber.

Die Arbeit der letzten zwei Jahre präsentiert der Kunst-Leistungskurs vom Athenaeum seit Sonnabend in der Cultur Centrale Ottenbeck. Von Neuinterpretationen klassischer Werke, Selbstporträts bis hin zu Modedesign ist alles dabei.
„Ich wollte mit meiner Arbeit den Künstler Jackson Pollock lebendig machen“, sagt Henri Draewe und zeigt auf ein Kleid aus schwarz schimmerndem Gel, das über einem weißen Sockel hängt. Das Kleid, ein dazugehöriges Gemälde sowie zwei Fotos sind eines von Henri Draewes Ausstellungsstücken, die der Kunst-Leistungskurs vom Stader Athenaeum in der Cultur Centrale Ottenbeck am Sonnabend präsentiert. Der 18-Jährige ist sichtlich stolz auf seine Arbeit. Das Kleid besteht aus schwarzem Heißkleber, den der Kunstschüler auf Backpapier getropft hat.

Daraus entstand in mehreren Lagen ein Kleid, das er auf eine Freundin maßgeschneidert hat. Die Idee dazu stammt von Jackson Pollock, der die Kunstform des „Action Paintings“ geprägt hat. Auch wenn er sich, wie er selbst sagt, aus Vernunftgründen für ein Jura-Studium entschieden hat, scheint den Schüler die Liebe zur Kunst und insbesondere für Mode und Design nicht komplett loszulassen. „Vielleicht mache ich doch noch das eine oder andere Praktikum in dem Bereich“, sagt er schmunzelnd.

Marie Greiner mit ihrem Bild Sternennacht über Hamburg.

Marie Greiner mit ihrem Bild Sternennacht über Hamburg.

Prominent im Erdgeschoss der Cultur Centrale hängt das Werk „Sternennacht über Hamburg“ von Marie Greiner. Die 18-jährige Staderin hat in diesem Bild das bekannte Bild „Sternennacht“ von Vincent van Gogh neu interpretiert. Statt wie im Original ein Dorf im Hintergrund zeigt das Bild von Marie Greiner die Hamburger Skyline im Vordergrund. Theoretisch, so die Schülerin, hätte es auch Stade zeigen können: „Ich fand aber die Skyline von Hamburg einfach eindrucksvoller“.
Sie zeichnet und malt seit Kindertagen, da fiel auch die Entscheidung für den Kunst-Leistungskurs nicht schwer. Dort habe sie viel Neues gelernt, vor allem bei gemeinsamen Diskussionsrunden der aktuellen Stücke. „In dem Fach habe ich wirklich gelernt, mit Kritik umzugehen“, sagt die Schülerin. Auch in der Zukunft wird sie voraussichtlich die Kunst weiter begleiten. Zunächst möchte sie ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Denkmalpflege absolvieren, und im Anschluss Kommunikationsdesign studieren.

Pauline Sandersfeld mit ihrem Selbstporträt.

Pauline Sandersfeld mit ihrem Selbstporträt.

Ein sehr persönliches Bild ist das Selbstporträt von Pauline Sandersfeld. Spontan nennt sie es „Ich im Rahmen“. Es zeigt in zahlreichen kleinen Details, wie sich Pauline Sandersfeld selbst sieht. „Man kann also nur das sehen, wie man sich selbst sieht in dem Moment. Was andere denken, ist da völlig egal“, sagt die 17-Jährige. Zu Hause verwandelt sie am liebsten ihren Schreibtisch, an dem normalerweise für die in Kürze anstehenden Abitur-Prüfungen gelernt wird, in ein kleines Kunstatelier. „Dann wird der Tisch mit Zeitungspapier ausgelegt, und alles, was ich an Materialien besitze, wird dort wie ein Kollosseum aufgebaut“.
Das passiert am häufigsten spät abends, sodass sie bis tief in die Nacht an einzelnen Arbeiten werkelt – so lange, bis sie ganz zufrieden ist. Für das Selbstporträt hat sie sich so einige Nächte um die Ohren geschlagen. Ganz auf die Kunst möchte die Schülerin sich aber beruflich nicht verlassen, und plant daher zunächst ein Freiwilliges Soziales Jahr in einem Kurhaus für Eltern und Kinder.

Kunstlehrerin Astrid Spiegeler, die den Kurs vor einem Jahr übernommen hat, ist stolz auf ihre elf Schüler. „Wir haben alte Werke neu interpretiert, uns in der Druckwerkstatt mit Menschen in Beziehungen und Bewegungen auseinandergesetzt und noch so viel mehr.“ Was die Schülerinnen und Schüler aus ihrem Kunst-Unterricht mit ins Leben nach dem Athenaeum nehmen, wird sich dann in Kürze zeigen.

Die Ausstellung in der Cultur Centrale Ottenbeck ist bis einschließlich 24. März jeweils sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet.

Vorschau