Die Arbeit der letzten zwei Jahre präsentiert der
Kunst-Leistungskurs vom Athenaeum seit Sonnabend in der Cultur
Centrale Ottenbeck. Von Neuinterpretationen klassischer Werke,
Selbstporträts bis hin zu Modedesign ist alles dabei.
„Ich wollte mit meiner Arbeit den Künstler Jackson Pollock lebendig
machen“, sagt Henri Draewe und zeigt auf ein Kleid aus schwarz
schimmerndem Gel, das über einem weißen Sockel hängt. Das Kleid,
ein dazugehöriges Gemälde sowie zwei Fotos sind eines von Henri
Draewes Ausstellungsstücken, die der Kunst-Leistungskurs vom Stader
Athenaeum in der Cultur Centrale Ottenbeck am Sonnabend
präsentiert. Der 18-Jährige ist sichtlich stolz auf seine Arbeit.
Das Kleid besteht aus schwarzem Heißkleber, den der Kunstschüler
auf Backpapier getropft hat.
Daraus entstand in mehreren Lagen ein Kleid, das er auf eine
Freundin maßgeschneidert hat. Die Idee dazu stammt von Jackson
Pollock, der die Kunstform des „Action Paintings“ geprägt hat. Auch
wenn er sich, wie er selbst sagt, aus Vernunftgründen für ein
Jura-Studium entschieden hat, scheint den Schüler die Liebe zur
Kunst und insbesondere für Mode und Design nicht komplett
loszulassen. „Vielleicht mache ich doch noch das eine oder andere
Praktikum in dem Bereich“, sagt er schmunzelnd.
Selfie ohne Smartphone und ein Kleid aus Kleber
so erschienen im Stader Tageblatt am 11.03.2019

Der Kunst-Leistungskurs des Athaeneums. Fotos: Albus

Henri Draewe mit einem Kleid aus Heißkleber.

Marie Greiner mit ihrem Bild Sternennacht über Hamburg.
Prominent im Erdgeschoss der Cultur Centrale hängt das Werk
„Sternennacht über Hamburg“ von Marie Greiner. Die 18-jährige
Staderin hat in diesem Bild das bekannte Bild „Sternennacht“ von
Vincent van Gogh neu interpretiert. Statt wie im Original ein Dorf
im Hintergrund zeigt das Bild von Marie Greiner die Hamburger
Skyline im Vordergrund. Theoretisch, so die Schülerin, hätte es
auch Stade zeigen können: „Ich fand aber die Skyline von Hamburg
einfach eindrucksvoller“.
Sie zeichnet und malt seit Kindertagen, da fiel auch die
Entscheidung für den Kunst-Leistungskurs nicht schwer. Dort habe
sie viel Neues gelernt, vor allem bei gemeinsamen Diskussionsrunden
der aktuellen Stücke. „In dem Fach habe ich wirklich gelernt, mit
Kritik umzugehen“, sagt die Schülerin. Auch in der Zukunft wird sie
voraussichtlich die Kunst weiter begleiten. Zunächst möchte sie ein
Freiwilliges Soziales Jahr in der Denkmalpflege absolvieren, und im
Anschluss Kommunikationsdesign studieren.

Pauline Sandersfeld mit ihrem Selbstporträt.
Ein sehr persönliches Bild ist das Selbstporträt von Pauline
Sandersfeld. Spontan nennt sie es „Ich im Rahmen“. Es zeigt in
zahlreichen kleinen Details, wie sich Pauline Sandersfeld selbst
sieht. „Man kann also nur das sehen, wie man sich selbst sieht in
dem Moment. Was andere denken, ist da völlig egal“, sagt die
17-Jährige. Zu Hause verwandelt sie am liebsten ihren Schreibtisch,
an dem normalerweise für die in Kürze anstehenden Abitur-Prüfungen
gelernt wird, in ein kleines Kunstatelier. „Dann wird der Tisch mit
Zeitungspapier ausgelegt, und alles, was ich an Materialien
besitze, wird dort wie ein Kollosseum aufgebaut“.
Das passiert am häufigsten spät abends, sodass sie bis tief in die
Nacht an einzelnen Arbeiten werkelt – so lange, bis sie ganz
zufrieden ist. Für das Selbstporträt hat sie sich so einige Nächte
um die Ohren geschlagen. Ganz auf die Kunst möchte die Schülerin
sich aber beruflich nicht verlassen, und plant daher zunächst ein
Freiwilliges Soziales Jahr in einem Kurhaus für Eltern und Kinder.
Kunstlehrerin Astrid Spiegeler, die den Kurs vor einem Jahr
übernommen hat, ist stolz auf ihre elf Schüler. „Wir haben alte
Werke neu interpretiert, uns in der Druckwerkstatt mit Menschen in
Beziehungen und Bewegungen auseinandergesetzt und noch so viel
mehr.“ Was die Schülerinnen und Schüler aus ihrem Kunst-Unterricht
mit ins Leben nach dem Athenaeum nehmen, wird sich dann in Kürze
zeigen.
Die Ausstellung in der Cultur Centrale Ottenbeck ist bis
einschließlich 24. März jeweils sonntags von 15 bis 18 Uhr
geöffnet.


